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Bodenreform in Schottland : Monopoly in den Highlands

Die Landreform ist ein seit Jahrhunderten ein heißes Eisen

Der Adlige gehört zu denen in Schottland, die sich Sorgen machen müssen wegen der Pläne der Politiker. Der Clan der Johnstones ist eine der alten Adelsfamilien in den Borders, einer Region im Süden Schottlands, an der Grenze zu England. Die Wurzeln der Aristokratenfamilie reichen bis ins zwölfte Jahrhundert zurück. Johnstone ist vierundvierzig Jahre alt, und als Erstgeborenem ist es ihm aufgegeben, den stattlichen Familienbesitz in die Zukunft zu führen. Rund 6500 Hektar Äcker, Wiesen und Wälder gehören den Johnstones. Knapp zwei Drittel davon sind an rund zwanzig Landwirte verpachtet. Wie viel ist das alles wert? Johnstone schaut etwas irritiert. „Keine Ahnung“, antwortet er. „Wir bestimmen den Wert nicht, weil wir unser Land ja nicht verkaufen wollen.“ Das Herrenhaus der Johnstones ist riesig. Siebzig oder achtzig Zimmer hat das historische Gemäuer, so genau weiß der Hausherr das nicht, und es sieht aus wie das Spukschloss an einem Filmset.

Wie in Zimbabwe? Großgrundbesitzer David Johnstone fürchtet radikale Enteignung.

Das Obergeschoss sei komplett unbenutzt, erklärt Johnstone. Trotzdem bleibt im weitläufigen Erdgeschoss ziemlich viel Platz für den Grafen, seine Frau und die drei Kinder, deren Mountainbikes vorne in der Eingangshalle lehnen. Der Unterhalt des 235 Jahre alten Schlosses verschlingt Jahr für Jahr einen sechsstelligen Betrag. Irgendetwas ist hier immer zu reparieren. Auch deshalb sei er auf die Einnahmen aus seinen Ländereien angewiesen, sagt Johnstone „Wenn es uns unmöglich gemacht wird, das Gebäude zu erhalten, wer wird dann dafür sorgen?“, will der Aristokrat wissen. Johnstone ist als Vorsitzender des Grundbesitzerverbands das Sprachrohr der schottischen Landeigentümer. Die Regierung mache es sich mit ihren Reformplänen viel zu einfach, indem sie lediglich auf diejenigen ziele, denen viel Land gehöre, sagt er. Gerade im Norden Schottlands gebe es zwar große Ländereien, aber der wirtschaftliche Wert dieser kargen Flächen sei gering. 25.000 Hektar auf einer Hebrideninsel wie Harris seien nicht mehr wert als eine relativ kleine Farm im Umland von Edinburgh, rechnet Johnstone vor.

Wer verstehen will, warum die Landreform in Schottland so ein heißes Eisen ist, der muss zurück in die Vergangenheit blicken: Die sogenannten „Highland Clearances“ im 18. und 19. Jahrhundert zählen zu den dunkelsten Kapiteln der schottischen Geschichte. Die Gutsherren, denen das Hochland im Norden Schottlands gehörte, vertrieben damals zahlreiche Kleinbauern von ihrem Land, weil sich mit der Haltung von Schafen mehr Geld verdienen ließ. Die Folge waren eine weitgehende Entvölkerung der Highlands und eine Auswanderungswelle der Bauern, die ihrer Lebensgrundlage beraubt waren. Die teilweise mit brutalen Methoden durchgesetzte Massenvertreibung hat sich tief eingegraben ins kollektive Gedächtnis der Schotten. Der Aristokrat Johnstone ist sich dessen natürlich bewusst: „Das Thema Grundbesitz ist gefühlsbeladen. Damit müssen wir leben“, sagt er.

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