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Bodenreform in Schottland : Monopoly in den Highlands

„Ein großes, unsichtbares Schild, auf dem steht: Betreten verboten“

Viele der Eigentümer sind alte Adelsfamilien. Allein der größte schottische Landeigner, der Herzog von Buccleuch, kontrolliert einen Grundbesitz von rund 97.000 Hektar und damit eine Fläche, die deutlich größer ist als das Bundesland Berlin. Auch Investoren aus dem In- und Ausland spielen eine wichtige Rolle. In nicht wenigen Fällen ist die Identität der Gutsherren unbekannt, weil ihre Ländereien auf einen Trust in einem Offshore-Steuerparadies eingetragen sind. Erst Anfang des Jahres wurde der viertausend Hektar große Cluny Estate in den Highlands an eine Briefkastenfirma auf der britischen Kanalinsel Jersey verkauft. Es wird vermutet, dass hinter dieser Gesellschaft die Herrscherfamilie des arabischen Emirats Qatar steht. Der Pächter Gray fasst die Statistiken so zusammen: „In Schottland gibt es ein großes, unsichtbares Schild, auf dem steht: Betreten verboten“. Der Landwirt erzählt von der Radtour, die er vor einiger Zeit mit seiner Familie gemacht hat.

Als die Gruppe auf ihren Fahrrädern den Landbesitz des Herzogs von Atholl durchqueren wollte, habe man eine Mautgebühr zahlen müssen. Gray ärgert sich noch heute über dieses Entgelt. „Irgendwo ist in Schottland immer jemand, der einen Tweedanzug trägt und will, dass du verschwindest“, sagt er. Für die Gegenseite sind Landreform-Aktivisten wie Gray ein rotes Tuch. Der Großgrundbesitzer und Oberhaus-Abgeordnete William Waldorf Astor, Stiefschwiegervater des britischen Premierministers David Cameron, vergleicht die Pläne der Regierung in Edinburgh mit der Vertreibung weißer Farmer durch den Diktator Robert Mugabe im afrikanischen Zimbabwe. „Familien wie die unsere befürchten, dass wir bald als Fremde im eigenen Land angesehen werden“, schrieb der Aristokrat im Magazin „Spectator“. Astor gehört ein Teil der Insel Jura vor der schottischen Westküste. Sein Landbesitz ist auf eine Gesellschaft eingetragen, die auf den Bahamas sitzt. Die Inselgruppe in der Karibik ist eine bei Investoren beliebte Steueroase.

„Schottlands Boden soll ein Gut sein, von dem alle profitieren und nicht nur eine kleine Minderheit“, verspricht die schottische Ministerpräsidentin Nicola Sturgeon von der SNP. Sie hat die hochumstrittene Landreform ganz weit oben auf ihre politische Agenda gesetzt. Noch vor den schottischen Parlamentswahlen im nächsten Frühjahr soll das umfangreiche Gesetzespaket verabschiedet werden. Unter anderem will die Regierung Kommunen das Recht einräumen, Land auch gegen den Willen der bisherigen Eigentümer zu kaufen, falls diese einer „nachhaltigen Nutzung“ im Wege stünden. Was genau darunter zu verstehen ist, lässt die SNP bisher offen - und genau das macht die Grundbesitzer nervös. „Die Befürchtung ist, dass wir es hier mit einem ideologisch motivierten Umverteilungsprozess zu tun haben“, sagt David Johnstone. Der nächste Graf von Annandale sitzt in seiner Schlossküche, die so geräumig ist, dass man darin Squash spielen könnte. Welche Konsequenzen werden die Regierungspläne für Schottlands Großgrundbesitzer haben? „Kurzgefasst lautet die Antwort: Wir wissen es nicht“, sagt Johnstone, vor sich auf dem Tisch eine Keksdose und eine Tasse Tee. Beruhigend findet er das nicht. „Diese Reform schafft so viel Ungewissheit und das ist nie gut“, sagt er.

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