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Schönheitschirurg Afschin Fatemi : Der Restaurator

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Faltenfrei und reich dabei: Der umstrittene Schönheitschirurg Afschin Fatemi Bild: Edgar Schoepal

Er operiert Schlupflider, entfernt Tränensäcke und glättet Lachfalten: Keiner profitiert so vom Schönheitskult wie der umstrittene Hautarzt Afschin Fatemi. Und kaum einer ist so bekannt wie er.

          Afschin Fatemi ist ein Mann mit auffällig guter Haut. „Klar habe ich schon was an mir machen lassen“, sagt er. Falten und Äderchen zum Beispiel, die macht er mit dem Laser weg. Oder ein bisschen Gesichtsstraffung. Warum auch nicht, Afschin Fatemi ist schließlich selbst Schönheitschirurg. Der 40-Jährige ist der Chef der deutschen Klinikkette „s-thetic“ und einer der bekanntesten Schönheitschirurgen der Szene. Er hält weltweit Vorträge und Workshops, gerade ist er in Amerika, letzte Woche war er in Kuala Lumpur, davor in Südafrika. Demnächst will er seine fünfte Niederlassung eröffnen.

          Aber Fatemi ist auch umstritten. Denn er ist nicht nur Arzt. Er ist auch Buchautor und Talkshow-Gast. Bei Patienten macht ihn das bekannt und beliebt, Kollegen kritisieren ihn deshalb.

          Fatemi operiert nur ausnahmsweise Minderjährige

          Fatemi lebt davon, dass Menschen schöner sein wollen, als sie sind. In seinen beiden Privatkliniken in Hamburg und Düsseldorf und in seinen Praxen in Düsseldorf und München arbeitet er zusammen mit neun anderen Ärzten. Jeder hat ein Spezialgebiet. Ein Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie vergrößert Brüste, ein Gynäkologe verkleinert Schamlippen, der Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde richtet Nasen, Dermatologen lasern und straffen Haut.

          Im Wartezimmer der Klinik in Düsseldorf-Kaiserswerth sitzen Anfang April überraschend hübsche junge Frauen, mit großen Perlenohrringen und Louis-Vuitton-Taschen. Die Inneneinrichtung passt zur Patienten-Klientel, Designerlampen, dunkler Holzboden, hohe Altbaudecken. Auf einem Flachbildschirm läuft eine Spiegel-TV-Sendung über Schönheitsideale in Schleife. Ab und zu ist Fatemi im Bild und erklärt etwa, dass sich Asiaten Kopfhaare in den Intimbereich verpflanzen lassen, während bei Frauen aus westlichen Ländern „unten ohne“ im Trend ist.

          Schätzungsweise eine Million Deutsche lassen sich jährlich ihren Körper verändern. Genauere Zahlen gibt es nicht, da kein zentrales Register die Operationen zählt. Viele davon sind aber sogenannte „Wiederherstellungs-Operationen“ von Unfallopfern oder Tumor-Patienten. Im Beauty-Sektor werden hierzulande am häufigsten Laserbehandlungen, Lid- und Nasenkorrekturen, Fettabsaugungen und Brust-OPs durchgeführt. Zehn Prozent der Schönheits-OPs werden an Minderjährigen vorgenommen, dazu gehören etwa Brustvergrößerungen von 14-Jährigen. Das wollen Unionspolitiker demnächst aber verbieten. Fatemi operiert nur ausnahmsweise Minderjährige, legt ihnen die Ohren an oder entfernt eine Hasenscharte.

          Er kritisiert offen seine Branche

          Das Geschäft ist auch ohne jugendliche Kunden groß genug: Rund 800 Millionen Euro stecken die Deutschen im Jahr in Schönheitsoperationen. Fettabsaugen beginnt bei 1000 Euro, eine Brustvergrößerung kostet bis zu 7000 Euro. Da viele Operationen medizinisch nicht notwendig sind, zahlt die Krankenkasse nicht. Die Ärzte legen die Preise selbst fest.

          Doch nicht nur die Preise entscheiden im Wettbewerb der Ärzte, sondern auch die Bekanntheit. Fatemi hat sich für einen Weg der Professionalisierung entschieden, der bei seinen Berufskollegen mit größtem Argwohn observiert wird. Afschin Fatemi geht in Talkshows. Er hat sich entschlossen, bekannt zu werden. Dafür setzt er eine Menge ein: Seine Schlagfertigkeit, Teile seines Privatlebens und schließlich seinen Ruf.

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