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Schönheitschirurg Afschin Fatemi : Der Restaurator

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Fatemi wird gerne eingeladen, er sieht jünger aus, als er ist, und er hat zu so gut wie allem eine Meinung. Er sagt Sätze wie „In der Kosmetikbranche wird ständig verarscht“ oder „Einer von fünf Patienten stirbt bei Fettabsaugung unter Vollnarkose“. Er kritisiert offen seine Branche und ist dabei jovial und humorvoll. Bei TV Total war er schon und scherzte über seine eigene große Nase. Dem Moderator Frank Plasberg gab er den Tipp, sich das Doppelkinn wegmachen zu lassen. Eine Zeitlang wurde er wöchentlich bei Punkt-12 auf RTL als Experte zugeschaltet.

Ein Shopping-Tagestripp nach Monaco

Und in seinem Buch „Einmal J. LO’s Po, bitte. Aufzeichnungen eines Schönheitschirurgen“ erzählt er publikumswirksam von Fällen aus seiner Praxis und wie er heldenhaft Ansinnen von Patientinnen abwies.

Die Zuschauer mögen ihn. Mediziner-Kollegen finden ihn einfach nur medienversessen. Vor zwei Jahren zeigte sich Fatemi in einem Sat 1-Beitrag mit seiner Frau und seiner Tochter. Die Moderatorin sagt: „Er hat so ziemlich alles, wovon viele ihr Leben lang träumen: eine Luxusvilla im Nobelvorort von Düsseldorf, eine millionenschwere Oldtimer-Sammlung, eine bildhübsche Frau mit Modelmaßen und eine sehr aufgeweckte Tochter.“ Die drei steigen in Monaco aus einem Privatjet, ein „Tagestrip“, und machen mit dem Fernsehteam eine Shoppingtour. In einem Schmuckladen legt sich Fatemis Frau ein Collier im Wert von 210.000 Euro um den Hals und er sagt: „Wenn meine Frau das möchte, dann soll sie das bekommen“. Einige Mediziner-Kollegen erzählen heute noch immer davon und machen sich lustig über Fatemi.

Es melden sich auch Plastische und Ästhetische Chirurgen zu Wort, die noch viel weiter gehen. Sie unterstellen Fatemi, er dürfe gar nicht operieren. Zum Beispiel operiert Fatemi besonders gerne Tränensäcke. Dann zieht er mit zwei Fingern das Unterlid des Patienten ein bisschen nach unten und schneidet mit einem Laser einen Schlitz in die Innenseite des Lids. Mit einer Pinzette zieht er langsam einen gelben Klumpen aus dem Tränensack. Es ist Fett. Drei kleine Fettklümpchen, groß wie Fingerkuppen, trennt er mit dem Laser davon ab. Dann macht er den Tränensack wieder zu.

„Schlimmer als Werner Mang“

In einer Hinsicht haben seine Gegner recht: Afschin Fatemi ist kein Arzt für Plastische Chirurgie. Er ist einfach nur Hautarzt. Bei Hospitanzen in Brasilien, Amerika, Frankreich, Italien und Deutschland hat er Einblicke in die Plastische Chirurgie bekommen. Er hat sich auf Lidkorrekturen und Gesichtsstraffung spezialisiert. Er hat Erfahrung, aber keinen Facharzt-Titel. Noch folgt Fatemi damit der gängigen Praxis: Hautärzte, Frauenärzte, Kieferchirurgen, HNO-Ärzte, sie alle dürfen Schönheitsoperationen vornehmen. Gesundheitsexperten der Union fordern jetzt aber, dass sich nur noch ausgebildete Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie „Schönheitschirurg“ nennen dürfen.

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