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Christian Lindner : Schöner scheitern mit dem FDP-Chef

Als Stargast der Frankfurter „Fuckup-Night“ stellt sich Christian Lindner seinem Scheitern. Bild: Lehnen, Etienne

Christian Lindner hat vor 15 Jahren eine Start-up-Firma in den Sand gesetzt. Heute macht er darüber Witze, wie jetzt auf der „Fuckup-Night“ in Frankfurt. Seine Story hilft ihm fürs eigene Profil.

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          Wer als Berufspolitiker auf einer Veranstaltung als „Youtuber“ angekündigt wird, hat eigentlich etwas falsch gemacht. Bei Christian Lindner, dem Bundesvorsitzenden der FDP, ist das anders. Noch immer zehrt er von seiner „Wutrede“, die er vor einem Jahr im nordrhein-westfälischen Landtag gehalten hat und die zum beliebten Internetvideo wurde. Lindner, 37 Jahre alt, steht in einem großen und sehr vollen Hörsaal der Frankfurter Goethe-Universität und erzählt seine Geschichte des Scheiterns. „Ich habe zwei Unternehmen gegründet. Das eine war erfolgreich – und das andere war lehrreich.“ Die Pointe sitzt, Lindner lächelt zufrieden.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Für die Gründerszene in Deutschland ist der FDP-Vorsitzende so etwas wie eine Galionsfigur. Denn Lindner hat selbst einmal ein Unternehmen gegründet; es ist schiefgegangen. 15 Jahre ist das nun her, in seiner politischen Laufbahn ist Lindner damit immer wieder konfrontiert worden. Irgendwann hat er sich dazu entschieden, seine Geschichte vom Scheitern umzudeuten – und sich als jemanden zu inszenieren, der souverän mit seinen früheren Fehlern umgeht. Dabei verrät er allerdings immer nur sehr wenig über die Geschichte. Er begründet das damit, dass er mit seinen ehemaligen Geschäftspartnern noch gut befreundet sei und darum immer vorsichtig sein müsse, was er erzähle. Und eigentlich ginge es auch nicht um diese alte Geschichte, sondern darum, immer weiterzumachen, aufzustehen und aus Krisen zu lernen. Das ist eine Lesart, die natürlich wunderbar zur Situation der FDP passt, die nach der üblen Niederlage bei der Bundestagswahl 2013 und zahlreichen verlorenen Landtagssitzen ständig um Aufmerksamkeit kämpfen muss.

          Wie passend also, dass Lindner an diesem Abend auf der „Fuckup-Night“ spricht, wo es darum geht, dass ehemalige Gründer über ihr Scheitern sprechen. Die Idee hinter der Veranstaltung: Statistisch gesehen, scheitern neun von zehn Unternehmen, nur leider spricht kaum jemand darüber, was er falsch gemacht hat – so dass niemand aus früheren Fehlern, salopp gesagt „fuckups“, lernen und sie vermeiden kann. Zur ersten Veranstaltung vor einem Jahr kamen kaum 100 Besucher, zur Geburtstagsfeier sind es mehr als 1000. Das liegt auch an Lindner. Es ist ein Gewinngeschäft für beide Beteiligten: Die Veranstalter locken so viele Besucher wie nie zuvor, und der FDP-Mann erreicht mehr junge Menschen mit Wirtschaftshintergrund als mit jedem Stammtisch oder Podiumsdiskussion.

          Mit 19 einen Porsche gekauft

          Lindner erzählt, wie er sich mit 19 Jahren einen Porsche gekauft hat, weil er unbedingt unabhängig sein wollte und es auch sein konnte, weil er schon als Schüler mit seiner kleinen Werbeagentur ein paar größere Aufträge an Land gezogen hatte. Doch sein zweiter Versuch, die „Moomax GmbH“, deren Namen Lindner den Zuschauern nicht verrät, scheiterte spektakulär. Das Software-Unternehmen brachte Lindner als Geschäftsführer in der New-Economy-Welle an den Markt und fand in der allgemeinen Euphorie sogleich einen Risikokapitalgeber, der wiederum Finanzhilfen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bekam. Doch als die Blase platzte, wollte niemand mehr das junge Start-up finanzieren, der Businessplan entpuppte sich als unausgereift. Lindner, der schon bei der Gründung der Firma im NRW-Landtag saß, verließ die Firma, die später Insolvenz anmelden musste. „So manches Depot aus Neuen-Markt-Aktien hatte sich da auch schon in eine Deponie verwandelt“, sagt Lindner. Heute macht er Witze darüber. „Gründungsgeschehen, das ist eine Nische, die wächst – wie die FDP.“

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