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„Route du Rhum“ : Formel 1 auf den Weltmeeren

Für die Regatta von der Bretagne bis Guadeloupe heben die superschnellen Trimarane manchmal regelrecht ab. Bild: Yvan Zedda

Am Sonntag messen in der Bretagne die schnellsten Segelboote der Welt ihre Kräfte. Mit Windkraft wollen sie den Atlantik bis zu den Antillen überqueren. Dahinter steckt eine florierende Industrie.

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          Es riecht nicht nach Öl, sondern nach Salz, es heulen keine Motoren, sondern es rauscht, summt und pfeift. Doch eine Art Formel eins ist es schon, was da an diesem Sonntag im bretonischen Saint-Malo an den Start geht. Für die Segelregatta „Route du Rhum“, die nur alle vier Jahre stattfindet, lösen dann gut 90 Boote die Leinen, um mit Windkraft den Atlantik bis Guadeloupe zu überqueren. In fünf Klassen messen sie ihre Kräfte, in der größten davon mit acht Trimaranen. Das sind Giganten der Meere auf drei Rümpfen, bis zu 40 Meter lang und mit fast ebenso hohen Masten ausgestattet. Der schnellste und größte Trimaran, die „Spindrift2“ aus französischer Produktion, kommt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 48 Knoten oder fast 90 Stundenkilometer. Auf solchen Booten umsegeln die besten Skipper heutzutage in bis zu 45 Tagen die Welt. Dieser historische Rekord gelang dem Franzosen Loïck Peyron und seiner Equipe auf dem Trimaran „Banque Populaire V“ im Jahr 2012.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Von Sonntag an ist „nur“ die 6560 Kilometer lange Strecke zwischen Saint-Malo und Pointe-à-Pitre zu bewältigen, dafür aber solo. Die Skipper gehen allein auf die Reise. Vielen Franzosen ist das sogar lieber, gelten sie doch als Meister der Einhandregatten, wie etwa die Weltumseglungsregatta „Vendée Globe“ zeigt, die bisher nur Franzosen gewannen. „Frankreich hat auch gute Mannschaftssegler, doch das wird bei uns weniger mediatisiert. Unsere Tradition ist das Solo-Segeln“, sagt der Skipper Erwan Le Roux, der am Sonntag in Saint-Malo an den Start geht.

          Die Rekorde im Kampf mit den Ozeanen sind nur mit Hochtechnologie zu bestehen, die viel Geld kostet. Doch Sponsoren finden sich immer wieder. Die Skipper, die haushohen Wellen trotzen, wochenlang mit Schlafentzug und technischen Pannen ringen, sind Sympathieträger – gerade in einem Seefahrer-Land wie Frankreich mit seinen ausgedehnten Küsten. Wo Sponsorengeld ist, entstehen auch Anbieter: So ist in der Bretagne eine Ansammlung von kleinen Unternehmen herangewachsen, die sie „Sailing Valley“ nennen.

          Rekorde im Kampf mit den Ozeanen

          Es sind längst nicht mehr nur begeisterte Bastler, die ihre Garagen umfunktioniert haben. „Rund 110 professionelle, klein- bis mittelständische Unternehmen arbeiten in der Region für das Hochseesegeln. Das sind vier Fünftel der ganzen französischen Branche“, schätzt Alain Terpant, der in der Wirtschaftsförderungsbehörde der Bretagne für die Segel-Industrie zuständig ist. Dass die Branche längst über das Tüftlerstadium hinaus ist, zeigen die hochkarätigen Ingenieure, die sich anziehen lassen. Wenn die teuersten Segelboote der Welt für den berühmten America’s Cup starten – was sich fast nur noch Schwerreiche wie Oracle-Pionier Larry Ellison, Serono-Gründer Ernesto Bertarelli oder die Fluggesellschaft Emirates leisten können – dann profitieren sie von der Technologie aus der Bretagne. Dort hat etwa der Franzose Alain Thébault unermüdlich an seinem Tragflächenboot „Hydroptère“ gewerkelt – das schnellste Segelboot der Welt, sofern man überhaupt noch von einem Boot sprechen kann.

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