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Rohstoffausbeutung in Peru : Im Kupferberg

  • -Aktualisiert am

Leben am Rande der Mine: Neue Arbeitsplätze gab es nicht für alle, und Bauern verlieren wegen der Gifte Tiere und Trinkwasser Bild: Florian Kopp

Chinesische und westliche Rohstoffkonzerne bauen Gold und Kupfer in Peru ab. Die Bürger klagen über vergiftetes Wasser und Vertreibung aus ihren Häusern. Eine Spurensuche in den Bergen.

          8 Min.

          Cajamarca liegt in den Anden hoch oben im Norden Perus, näher am Himmel als viele andere Städte. Beim Landeanflug im Morgengrauen taucht die Stadt aus dem Nebel auf. Cajamarca ist umgeben von grünen Bergen, neben den Häusern stehen Kühe, grasen Schweine. Die Gegend gilt als das Allgäu Perus. Aber es gibt hier nicht nur Idylle. Auf einem Berg neben der Stadt ist ein riesiger Schriftzug zu erkennen, aus Steinblöcken zusammengesetzt: „¡CONGA NO VA!“ Die das geschrieben haben, wenden sich gegen das nächste von mehreren Bergbauprojekten, die es hier gibt. Diesmal ist es eine neue Kupfermine.

          Geplant wird das Projekt „Conga“ vom Bergbaukonzern Newmont aus den Vereinigten Staaten mit dem peruanischen Partner Buenaventura. Ihnen gehört auch Südamerikas größte Goldmine Yanakocha hier in den Bergen von Cajamarca. Die neue Kupfermine soll genau dort entstehen, wo heute vier große Seen in der Hochebene liegen. Die Seen aber versorgen die indigene Landbevölkerung mit Wasser für die Viehzucht, den Ackerbau und zum Trinken. „Die Augen Gottes“ – so nennen die Campesinos ihre Lagunen, weil sie so schön blau aus der Ebene leuchten, wenn die Sonne darauf scheint.

          Die Lage eskaliert

          Pablo Sanchez de Francesch ist ein Gegner der Bergbauprojekte. Er ist Umweltingenieur, zweiunddreißig Jahre alt und arbeitet für die vom katholischen Hilfswerk Misereor unterstützte zivile Organisation Grufides. Er sieht ein wenig aus wie der junge Che Guevara. Wir treffen Pablo in einem kleinen Büro im Zentrum von Cajamarca. Kaum ein Blatt Papier liegt herum, die haben sie anderswo versteckt, „wegen der Spione“. Pablo erzählt: Es gibt Tage, an denen geschieht etwas so Einschneidendes, dass man sie nie wieder vergisst. Für Pablo und seine Freunde war der 31. Mai 2012 so ein Tag. Da hatten sie sich mit Hunderten anderen Bürgern und Bauern auf der Plaza de Armas versammelt. Es ging gegen das Conga-Projekt. Jemand baute auf dem Platz eine kleine Garküche mit fahrbarem Untersatz auf und verteilte kostenlos Eintopf. So lange, bis die Polizei kam. Was dann geschah, muss Pablo nicht mehr erzählen. Eine Überwachungskamera der Stadt hat es aufgezeichnet.

          Polizeigewalt in Peru : Mit Knüppeln auseinandergetrieben

          Die Polizisten rücken in einem Bus des Bergbauunternehmens Yanakocha an, von also jenem Konzern, gegen den die Leute protestieren. Die Polizisten, so wurde bekannt, werden in ihrer Freizeit auch als Security-Mitarbeiter von dem Konzern bezahlt. In Peru ist das nicht ungewöhnlich, kaum jemand empört sich darüber. Auch befinden sich die Polizeistationen oft auf den Grundstücken der Minenbetreiber. Dann also springen die Polizisten aus dem Bus und treiben die Menge mit Knüppeln auseinander. Die fahrbare Küche werfen sie um. Eine Frau wehrt sich, sie schubsen sie weg. Ein Journalist fotografiert das. Da umringen ihn Polizisten, wollen ihm die Kamera entreißen, der junge Mann beugt sich über seine Kamera, will sie schützen. Da schlägt ihm einer der Polizisten mit dem Knüppel ins Gesicht, dann der nächste. Er blutet, sie werfen ihn auf die Pritsche eines Pick-ups und fahren ihn aus der Stadt. Heute steht der Mann wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt vor Gericht. Die Polizei wusste nichts von der Videoaufzeichnung, die Kamera war gerade erst installiert worden. Der Film fand seinen Weg an die Öffentlichkeit.

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