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Reisetagebuch : Die Suche nach dem guten Amerika

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Stadtansicht von Phoenix, Arizona Bild: Ulrike Guerot

Die Publizistin Ulrike Guérot hat vor kurzer Zeit einen alten Freund besucht: Amerika. In ihrem Reisetagebuch spürt sie nach, wie nahe sich Deutschland und die Vereinigten Staaten noch sind. Und was die Länder trennt.

          Mein Publikum war überall ziemlich alt, männlich und durchweg eingehüllt in zarte Wolken transatlantischer Nostalgie, es war doch alles so schön, warum verstehen wir uns denn nicht mehr? Das junge, weibliche oder gar das schwarze und Latino-Amerika scheint kein Interesse an transatlantischen Beziehungen zu haben, warum auch? Who is talking to whom? Die Generationendynamik ist die eigentliche Frage der transatlantischen Beziehungen, bemerke ich schnell. Schon vor Reiseantritt habe ich mich gefragt, wie ich den Amerikanern erklären würde, was gerade in Deutschland los ist? Dass die ,Putin-Versteher‘ wie Pilze aus dem Boden sprießen: Die Amis spionieren uns aus, die Russen geben uns Gas, die Krim war nie ukrainisch. Sollte ich ihnen sagen, dass das echt daneben war mit Merkel und dem Handy; oder dass Chlorhühnchen und Hormonfleisch bei uns eben nicht gehen und wir die Buchpreisbindung behalten wollen; dass die NGOs in Europa das transatlantische Freihandelsabkommen eher nicht gut finden; oder ihnen einfach erzählen, dass meine Söhne nicht mehr wissen, was die Nato ist?

          Dallas, 17. Juni

          In Dallas denke ich unwillkürlich an die Fernsehserie aus den 70ern. Whisky, Cowboys, Geld. Eine Skyline, die jede Menge Geld vermuten lässt, diskret, versteht sich. Öl. Dallas hat sechs Millionen Einwohner, interessanterweise ist der Bürgermeister Demokrat, das hätte ich nicht gedacht, Texas is the new California, lerne ich. Bis 2030 will man auf 12 Millionen Einwohner kommen, die Seen zur Wasserversorgung der steigenden Bevölkerung würden rundherum schon angelegt.

          Ein altes Café in Dallas, Texas. 1896 wurde es eröffnet Bilderstrecke

          Mein Vortrag verläuft gepflegt unauffällig, aber die Southern Hospitality, die Gastfreundlichkeit der Südstaaten, ist beeindruckend. Irgendwer fährt mich immer hin und her zwischen den Terminen, am Abend ein privates Essen, affluent das Haus, Kunst und gute Küche. Der Dirigent der Opera of Dallas ist anwesend, Bach-Spezialist - we just spent 40 millions for our new opera, ein schönes Gebäude mit rotem Kuppeldach. Keine Diskussionen wie bei der Elbphilharmonie, denke ich mir.

          Phoenix, 19. Juni

          Die Skyline von Phoenix funkelt in der Wüstensonne fast wie eine Fata Morgana. Die Stadt hat 3,5 Millionen Einwohner und besteht im Wesentlichen aus einer Ansammlung klimatisierter Hochhäuser, mitten in der Wüste. Erstaunlich viele große Hotels - Sheraton, Westin, Hilton -, Convention Centers, Banken und Geschäftsgebäude. Kein Öl und Chemicals, wie in Dallas, aber Engineering und Luftfahrt. Es fällt mir schwer, irgendetwas heraufzubeschwören, was dem europäischen Begriff von Stadtkultur nahe käme: kein Platz, keine Sehenswürdigkeit, keine Kirche. Indes: Es gibt eine hochmoderne, elektrische Solar-Tram, die vom Flughafen die Hauptachse der künstlichen Stadtarchitektur bedient, Siemens war also auch schon hier. Und ein Theater. Auf dem Spielplan steht Peter Pan. Klar, in Phoenix braucht man Phantasie.

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