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Reiner Hoffmann : Der Neue (Chef) beim DGB

Reiner Hoffmann Bild: IG BCE

Reiner Hoffmann soll den Gewerkschaften Europa-Kompetenz beibringen. Deswegen ist der der heiße Kandidat für den DGB-Chefposten.

          Die Sache ist gut eingefädelt: An diesem Dienstag wird der „Bundesausschuss“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) Reiner Hoffmann (58) zum Mitglied des DGB-Vorstandes wählen. Das ist nur der erster Schritt, dem beim DGB-Bundeskongress im Mai 2014 in Berlin der entscheidende folgt: Dann soll Hoffmann die Nachfolge von Michael Sommer (61) an der Spitze der deutschen Gewerkschaften einnehmen. Einen Gegenkandidaten gibt es (bislang) nicht.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Formal geht der Vorschlag auf Franz-Josef Möllenberg, den Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zurück, der als dienstältester Spitzengewerkschafter traditionell den DGB-Chef kürt; ausgeheckt wurde die Sache aber von den Vorsitzenden der drei großen und mächtigen Gewerkschaften IG Metall, Verdi und IG Chemie. Bei der IG Chemie (korrekt: IG Bergbau, Chemie, Energie) arbeitet Hoffmann seit 2009 als Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein. Die Aufwärmphase als einfaches DGB-Vorstandsmitglied schien den Personalstrategen für Hoffmann nötig, um ihm eine ordentliche Portion Stallgeruch zu verpassen.

          Europas-Kompetenz als Ass

          Anders als der bedeutend klingende Name vermuten lässt, ist ein DGB-Chef alles andere als der Boss der deutschen Gewerkschaftler. Die Macht haben die Einzelgewerkschaften; hier werden Löhne erkämpft und Streiks beschlossen. Der DGB-Chef indes ist eine Art Angestellter für besondere Aufgaben: Er ist Außenminister für politische Kontakte in Berlin und in der Welt, er muss die kleinen Gewerkschaften bei Laune halten und macht den Grüßaugust bei Fest- und Trauerereignissen. Wenn nötig, darf er auch mal polternde Reden halten. Michael Sommer hat diese Rolle nach dem Urteil der Gewerkschaften zwar nicht brillant, aber ganz ordentlich hingekriegt. In letzter Zeit sieht man ihm an, dass ihn eine Krankheit arg gebeutelt hat; seiner kranken Frau hat er jüngst eine Niere gespendet.

          Hoffmann ist ein ganz anderer Typ als Sommer, der sich als uneheliches Kind einer armen Kriegerwitwe gern zum Anwalt der „kleinen Leute“ stilisierte. Arbeiterromantik liegt Hoffmann - 1955 in Wuppertal als Sohn eines Maurers geboren - ganz und gar nicht. Ein nüchterner, sympathischer Typ, der sich seine jungenhafte Art erhalten hat und nicht schon spätestens nach dem zweiten Satz als Gewerkschafter zu erkennen ist. Hoffmann hat Wirtschaftswissenschaften studiert und sich alsbald im Apparat gewerkschaftlicher Institute (Böckler-Stiftung) verdingt. Dann zog es ihn nach Brüssel, wo er von 1994 an fünfzehn Jahre als Direktor des Europäischen Gewerkschaftsinstituts und stellvertretender Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsbundes arbeitete.

          Hoffmanns Europa-Kompetenz ist das Ass, das ihn als DGB-Chef geeignet sein lässt. Denn nach den vielen Jahren der Euro-Krise haben die Gewerkschaften bemerkt, dass sie wenig Eigenes zu Europa zu melden hatten, abgesehen von ihrer Echofunktion der Europa-Propaganda der Exportindustrie. Das wird sich mit Hoffmann ändern. „Dass die einen die EU für sozial übergewichtig halten, die anderen für neoliberal und sozialfeindlich, zeigt den Klärungsbedarf“, sagt er.

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