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Star Trek : Wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist

Das Raumschiff Enterprise nahm schon Millionen Zuschauer mit auf die Reise dorthin, wo nie zuvor ein Mensch gewesen ist (unser Bild ist dem fünften Teil der Filmreihe „Am Rande des Universums“ entnommen). Bild: Allstar/Paramount

Vor fünfzig Jahren begann das „Raumschiff Enterprise“ seine Reise. Sein Erfinder Gene Roddenberry hatte eine unglaubliche Idee. Und nicht nur er setzte Maßstäbe.

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          In seinem im Jahr 1914 erschienenen Roman „The World Set Free“ machte sich der britische Science-Fiction-Autor Herbert George Wells kuriose Gedanken: Er entwarf eine Welt, in der künstlich erzeugte Radioaktivität nutzbar gemacht wird, um Strom herzustellen. Und in der im Jahr 1956 ein großer Krieg herrscht zwischen den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich auf der einen und Deutschland und Österreich auf der anderen Seite. Ein schrecklicher Krieg, in dem schließlich furchtbare nukleare Waffen eingesetzt werden, für die Wells den Namen „atomare Bomben“ erdachte.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Sehr selten kommen auch die größten Visionäre einem solch düsteren Szenario schon viele Jahre im Voraus so nahe und erleben es überdies während ihres eigenen Lebens - Wells starb im Jahr 1946. Es gibt aber tatsächlich einige futuristische Vordenker, deren Vorstellungsvermögen bleibenden Einfluss hinterlassen hat in einem unglaublich chancenreichen, Zuversicht stiftenden Sinne. Immer noch lohnt es, deren Ideen und Texte zu lesen.

          Den ersten Kuss zwischen einer schwarzen Frau und einem weißen Mann im amerikanischen Fernsehen gab es in der Raumschiff-Enterprise-Episode „Plato’s Stepchildren“ aus dem November 1968. In einigen Südstaaten durfte sie deswegen nicht ausgestrahlt werden. Bilderstrecke

          Der zu Beginn der zwanziger Jahre nahe der russischen Stadt Smolensk geborene und schon als ganz kleines Kind nach New York emigrierte Isaac Asimov gehört zu ihnen. Asimov hat sich viel mit künstlicher Intelligenz beschäftigt und dann davon erzählt. Nicht in allgemeinen abstrakten Abhandlungen, sondern in liebevollen Geschichten nahm er seine Leser mit in eine ganz neue Welt, in der Roboter und Menschen zusammenleben.

          Dass zu den wichtigsten Fragen dieses Jahrhunderts zählt, was Roboter einmal können werden, welche Arbeit sie von Menschen übernehmen oder - bedrohlich betrachtet - ihnen wegnehmen werden, das musste er damals nicht ahnen. Er veranschaulichte aber, wie sich das alltägliche Leben jedes Einzelnen verändern könnte.

          So geht auch der Begriff „Robotik“ auf eine seiner Kurzgeschichten zurück, das amerikanische Unternehmen U.S. Robotics heißt deswegen so. Und die nach ihm benannten „Asimovschen Gesetze“ aus dem Jahr 1950 haben lange schon Bedeutung über die Science-Fiction hinaus erlangt. Das erste lautet übrigens: „Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Unterlassung erlauben, dass ein Mensch geschädigt wird.“ Die südkoreanische Regierung hat bereits vor einigen Jahren eine „Robot Ethics Charter“ veröffentlicht, die sich daran orientiert. Zugleich verfolgt sie das erklärte Ziel, in nicht allzu ferner Zukunft jeden Haushalt des Landes mit einem Haushaltsroboter auszustatten.

          Asimov wiederum inspirierte auch die Science-Fiction selbst, zumal solche Vertreter, die noch heute einer viel breiteren Öffentlichkeit bekannt sind. Im unwirtlichen „Star Wars“-Universum des George Lucas tauchen einige seiner Ideen auf. Mit Rat zur Seite gestanden hat er später schließlich auch Gene Roddenberry, einem 1921 in Texas geborenen Bomberpiloten im Zweiten Weltkrieg, der „Star Trek“ erfand.

          Vielleicht ist diese populäre Science-Fiction sogar diejenige, die nach wie vor technisch wie gesellschaftlich den nachhaltigsten Einfluss ausübt: Handys, 3D-Drucker, „Virtuell Reality“, „Wearables“ in allen Variationen, digitale Dolmetscher - in den Star-Trek-Fernsehserien und -Filmen (der nächste Teil „Star Trek Beyond“ kommt übrigens an diesem Donnerstag in Deutschland ins Kino) wurde all das schon in irgendeiner Art und Weise fiktiv vorweggenommen.

          Gesellschaftlich führte Roddenberry in eine überwiegend rosige Zukunft, in der den Menschen das friedliche und kooperative Zusammenleben mit verschiedensten Spezies und Technik gelingt. In dieser Utopie kommt Knappheit kaum noch vor. Die Möglichkeiten des Einzelnen, sich selbst zu verwirklichen, hängen hier im Grunde nur vom eigenen Willen ab - ein Ideal, das heute schon in westlichen Gesellschaften sehr präsent ist.

          Roddenberry erschuf gute Science-Fiction auch in dem Sinne, dass er gegenwärtig realistische Konfliktkonstellationen in eine fiktive Zukunft auf eine Weise transportierte, dass sie nachvollziehbar bleiben und die Frage erlauben: Wie würde ich mich verhalten? Was sollte die Gesellschaft tun?

          Er erleichtert dies zumal Jugendlichen durch Heldenfiguren, die grundlegende menschliche Haltungen verkörpern: Captain Kirk zum Beispiel als der unbeugsame Optimismus in Person, Spock demgegenüber als der meist kühle, analytische Rationalist.

          Chancen des Fortschritts

          „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, sagte Albert Einstein einmal. Die Zukunft wirft für viele Menschen gerade große Fragen auf: Wie verändert die Vernetzung den Alltag? Was folgt daraus, dass Computer immer mehr können? Was passiert, wenn neue Technologien missbraucht werden, was immer eine Möglichkeit bleibt?

          Diejenigen, die an einer Utopie interessiert sind, die keine Angst vor der Globalisierung hat und die Chancen des technischen Fortschritts verbindet mit dem Ideal eines aufgeklärten menschlichen Zusammenlebens, finden einiges davon in den Ideen des Humanisten Gene Roddenberry - auch noch fünfzig Jahre nachdem er sein „Raumschiff Enterprise“ losschickte. Dorthin, wo nie ein Mensch zuvor gewesen ist.

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