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Rauchen : Jetzt kommen die E-Shishas

  • -Aktualisiert am

Nein, das sind keine Silvesterknaller, das sind E-Shishas. Bild: Röth, Frank

Nach den E-Zigaretten sind E-Shishas der letzte Schrei. Sie erobern die Schulhöfe mit knalliger Optik und Schoko-Geschmack.

          Seit Anfang des Jahres wabert ein neues Phänomen durch Deutschland. E-Shishas, ein Ableger der E-Zigarette, erobern die Schulhöfe. Und sie bereiten Eltern wie Lehrern gleichermaßen Kopfzerbrechen. Die kleinen, bunten Geräte sehen aus wie Stifte. Durch ein Mundstück wird elektrisch verdampfte Flüssigkeit inhaliert - zu jeder Zeit an jedem Ort. Mit Aromastoffen wie Schokoladen-, Kaugummi- oder Keks-Geschmack.

          Sofort stellte sich eine breite Front aus Kritikern auf und forderte ein Verkaufsverbot an Jugendliche. Denn einerseits simuliert der Vorgang das Ritual von echtem Tabakkonsum, andererseits weiß niemand, ob gesundheitliche Langzeitrisiken beim Verdampfen entstehen.

          Das Unternehmen, das sich als Erfinder der E-Shisha bezeichnet und extrem von dem Trend profitiert, kommt aus Deutschland. Xeo heißt es und sitzt in Hannover. Beim Thema Jugendschutz bleibt man dort vorsichtig. „Wir plädieren für einen Shisha-Kauf ab Achtzehn“, sagt Michael Goch, der Geschäftsführer. „Damit wollen wir allen Vorurteilen entgegentreten, Shishas würden Jugendliche zum gesundheitsgefährdenden Rauchen verleiten.“

          Technik identisch mit E-Zigarette

          Xeo produziert und verkauft ausschließlich E-Zigaretten und E-Shishas. 2012 wurde es in Hannover gegründet. Aktuell zählt die Firma 42 Mitarbeiter, es gibt Vertriebsbüros in Berlin, Heerenveen und Shenzhen in China. Dort steht auch die eigene Produktionsstätte, in der zusätzlich 600 Mitarbeiter die Geräte herstellen. Der Gedanke, eine E-Shisha zu verkaufen, entstand durch Reisen nach China. Auch die E-Zigarette, wie sie heute verkauft wird, hat dort ihren Ursprung. Die Idee der E-Shisha reklamiert Gloch aber für sich: „Das Produktdesign wurde sehr häufig kopiert, das Original kommt jedoch von uns“, sagt er. Dafür hat er sich extra die Bezeichnung „Shisha2Go“ schützen lassen.

          Die Technik ist identisch mit der E-Zigarette: Beide haben innen einen Akku oder eine Batterie, einen elektrischen Verdampfer und eine Kartusche mit der Flüssigkeit, die verdampft wird.

          Das Geschäft mit beiden läuft prima, der Markt wächst. Der Jahresumsatz von E-Zigaretten und E-Shishas in Deutschland lag im vergangenen Jahr bei 100 Millionen Euro, für 2014 erwartet der Verband das Doppelte. Das spürt auch die Tabakindustrie an rückläufigen Verkäufen. Und kauft sich ins Geschäft ein. Philip Morris gab in dieser Woche bekannt, den britischen Hersteller Nicocigs zu übernehmen. Auch Japan Tobacco hat kürzlich einen britischen Anbieter von E-Zigaretten aufgekauft. Erst im April verkündete Altria, der Mutterkonzern von Philip Morris, den Kauf einer der größten amerikanischen Anbieter.

          „Der Markt entsteht erst richtig“

          Die E-Shishas sind der neuste Hit auf dem Markt. Die deutsche Firma Xeo beispielsweise hat ihre E-Shishas erstmals im Januar 2013 auf einer Tabakmesse in Las Vegas vorgestellt. Im selben Monat ging die „Shisha2Go“ in den Verkauf. Seitdem wurden 20 Millionen Exemplare abgesetzt, fünf Millionen davon in Deutschland. Das meiste Geld verdient Geschäftsführer Goch noch auf dem amerikanischen Markt, wo Xeo einen Marktanteil von zehn Prozent hat.

          Neben Amerika und Asien verkauft Xeo die elektrischen Verdampfer in elf verschiedene europäische Länder - online oder über den Einzelhandel. „Der Markt entsteht nun erst richtig“, sagt Goch - und will sich in den nächsten zwölf Monaten vor allem auf Deutschland konzentrieren.

          Der Unterschied zwischen E-Zigarette und E-Shisha liegt vor allem in der Vermarktung. Gerade die Einweg-Shishas für 8 bis 13 Euro werden als schrilles Lifestyle-Produkt beworben, deren Aufmachung Teenager anlockt.

          Der Verband des E-Zigarettenhandels Deutschland findet das unseriös. Andere große deutsche Hersteller von E-Zigaretten wie die Firma Red Kiwi würden die Shishas deswegen nicht verkaufen. Bei Xeo behauptet man, dass die Zielgruppe Erwachsene seien. Statistiken zu den Käufergruppen gibt es allerdings noch nicht.

          Dass das so ein großes Thema ist, liegt an den Substanzen, die in den Shishas verdampft werden. Sie werden als nikotinfrei beworben, was sie auch für Nichtraucher interessant macht. Spuren von Nikotin konnte man in einigen Proben aber mittlerweile nachweisen. Zudem mahnt Martina Pötschke-Langer vom Deutschen Krebsforschungszentrum, dass es keine klaren Regeln gebe, so dass jeder sich irgendetwas zusammenmischen könne. Dass elektrisches Verdampfen generell gesünder sei als die Tabak-Zigarette, sei richtig, aber für gesund hält sie es trotzdem nicht. Gerade die Substanzen aus China seien problematisch.

          Der deutsche Hersteller Xeo produziert in China zwar seine Geräte, aber die Aromen bezieht er von einem japanischen Anbieter. Er lässt sie prüfen und hält die Substanzen für unbedenklich. Trotzdem will er sie in Zukunft lieber in Deutschland herstellen, um jeden Zweifel auszuräumen.

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