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Folgen der EZB-Geldpolitik : „Negativzinsen sind ein dramatisches Szenario“

„60 Prozent der Gewinne kommen aus dem Zinsergebnis“, sagt Peters, der in erster Funktion Chef der Berenberg Bank in Hamburg ist. Bild: dpa

Die deutschen Institute seien stabil, sagt der Präsident des Bankenverbands, Hans-Walter Peters. Aber sie litten unter einer Geldpolitik, die das Wohl der Wirtschaft gefährde.

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          Seit rund vier Monaten ist Hans-Walter Peters nun Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, der Interessenvertretung von rund 200 privaten Banken. Seine bisherigen Erfahrungen seien positiv, sagt Peters, im Hauptberuf Sprecher der Gesellschafter des Hamburger Bankhauses Berenberg, im Gespräch mit dieser Zeitung. Der Austausch mit der Politik, den Aufsichtsbehörden und den anderen Verbänden der deutschen Kreditwirtschaft sei positiv. Wer die Geschichte der deutschen Kreditwirtschaft kennt, weiß, dass die Verbände der privaten Banken, der Genossenschaftsbanken und der Sparkassen früher nicht immer ein Herz und eine Seele waren.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Heute aber finden sich die deutschen Banken und Sparkassen gemeinsam in einem für sie schwierigen Umfeld – und das verbindet offenbar. Peters wendet sich jedoch entschieden gegen die Vorstellung, man müsse sich um die deutschen Banken Sorgen machen. „Nein“, antwortet der Bankenpräsident auf eine entsprechende Frage. „Die deutschen Banken sind stabil, haben ihre Eigenkapitalbasis deutlich gestärkt.“

          Diese Einschätzung sieht Peters durch aktuelle Daten bestätigt: „Der jüngste Stresstest ist insgesamt positiv verlaufen. Er hat gezeigt, dass zusätzliches Eigenkapital gebildet worden ist.“ An der Börse kamen die Ergebnisse jedoch nicht gut an. Peters sieht hierin weniger eine generelle Schwäche der Stresstests, sondern eher eine kommunikative Herausforderung: „Der Markt hat jedoch bestimmte Details nicht gut aufgenommen, und das ist im gegenwärtigen Umfeld schwierig. Der Regulierer braucht Stresstests, aber man sollte über die Art und Weise nachdenken, wie die Daten veröffentlicht werden.“

          Nicht die aktuelle Lage erscheint für die deutschen Banken kritisch, sondern die Perspektiven, falls sich das unter anderem durch den Niedrigzins gekennzeichnete Umfeld in den kommenden Jahren nicht ändern sollte: „Aber es ist schwierig, mit traditionellen Geschäftsmodellen Gewinne zu erzielen. Gewinne sind jedoch notwendig, um weiter Eigenkapital zu bilden und Restrukturierungen zu finanzieren, die wegen des Umfelds notwendig werden.“

          Der Niedrigzins ist nicht nur ein deutsches Problem, aber es ist in besonderem Maße ein deutsches Problem, weil hier das Geschäft der Banken stärker als in vielen anderen Ländern vom Zins abhängt. „60 Prozent der Gewinne kommen aus dem Zinsergebnis“, erläutert Peters. „Diese Gewinne schrumpfen wegen des Negativzinses, aber auch wegen der Kosten für Regulatorik. Das wird die Banken in den kommenden Jahren massiv belasten.“

          Negativzins wurde von den Banken bisher vor allem an Unternehmen weitergegeben

          Und hier wird es schwierig, denn die Banken geraten nicht in einer Wirtschaftskrise unter Ertragsdruck – das wäre normal. Der Ertragsdruck entsteht in einer Zeit, in der die deutsche Wirtschaft läuft, die Kreditausfälle daher gering sind und auf die Wertpapierbestände Kursgewinne anfallen. „Im Grunde genommen haben wir für die Banken eine hervorragende Konjunktur. Trotzdem können die Banken kein Geld verdienen“, sagt Peters und verbindet dies mit einem Vorschlag. „Deshalb sollten auch die Regulierer darüber nachdenken, welche Geschäftsmodelle in Zukunft noch möglich sind.“

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