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Hamad Bin Dschassim Al Thani : Der neue Deutsch-Banker

Scheich Hamad bin Jassim bin Jabor Al Thani Bild: dpa

Seit seinem Rückzug aus der Politik ist Hamad Bin Dschassim Al Thani nur noch als Großinvestor tätig. Ihm gehören etliche Immobilien in London – und jetzt auch ein Stück Deutsche Bank.

          3 Min.

          Seit fast einem Jahr ist Hamad Bin Dschassim Al Thani nur noch Geschäftsmann. Seit er sich nicht mehr in Qatar und in der Welt um Politik kümmern muss, stürzt sich der qatarische Warren Buffet, der freilich kein eigenes Kapital einsetzt, in Einkaufstouren. Im Juni vergangenen Jahres hatte er die Ämter des Ministerpräsidenten und Außenministers von Qatar aufgegeben, als sein Cousin, der Emir Hamad Bin Khalifa Al Thani, die Führung des Staats an seinen erst 33 Jahre jungen Sohn Tamim übergab. Die beiden Hamads hatten das schwerreiche Land am Persischen Golf fast zwei Jahrzehnte gemeinsam geführt und es aus einem Nischendasein zu einem Akteur auf der Weltbühne gemacht.

          Rainer Hermann

          Redakteur in der Politik.

          Er selbst lenke zwar Qatar, sagte einst der Emir Hamad Bin Khalifa, der 1995 seinen Vater gestürzt hatte; sein Cousin, Hamad Bin Dschassim, besitze es aber. Der Emir sorgte dafür, dass die drittgrößten Gasvorkommen, um die sich sein Vater noch kaum gekümmert hatte, endlich ausgebeutet wurden. So hat Qatar heute mit etwa 100.000 Dollar eines der höchsten Einkommen je Einwohner weltweit. Sein Cousin, mit dem er zusammen den Putsch 1995 geplant und durchgeführt hatte, investierte es. Der 1959 in Doha geborene Workaholic gilt als der Gründer des Fernsehsenders al Dschazira und hat zwei Vorlieben erkennen lassen: für London und die Bankbranche.

          So wurde er zum wohl wichtigsten Investor in London und nebenbei zum Retter mancher Bank während der Finanzkrise von 2008. Der ungeduldige Schnellredner fährt gerne schnelle Sportwagen, am liebsten Porsche, was den Einstieg erst bei Porsche und damit bei Volkswagen erleichtert hat. An der Cote d’Azur bei Cannes sind zwei Hamads Nachbarn. Über sein Familienleben dringt wenig in die Öffentlichkeit. Er soll mehr als zehn Kinder haben. Im Mittelmeer erholt er sich auf seiner 133 Meter langen Yacht. Sie soll eine der größten weltweit sein und mehr als 200 Millionen Dollar gekostet haben. Das sind auch für einen schwerreichen Mann wie Hamad Bin Dschassim, der im westlichen Ausland im grauen Nadelstreifenanzug auftritt, keine Peanuts mehr. Wie groß sein Vermögen ist, lässt sich kaum berechnen. Denn in Qatar ist der Privatbesitz der herrschenden Familie gleichbedeutend mit dem Staatsvermögen.

          Investitionen bringen ihm mehr Erfolg als die Politik

          Hamad Bin Dschassim hatte von 2003 an ein Jahrzehnt den Staatsfonds Qatar Investment Authority – und dessen Tochtergesellschaft Qatar Holding – als letzten großen Staatsfonds im Verbund des Golfkooperationsrats (GCC) aufgebaut. In ihn fließen die Erträge aus dem Verkauf von Erdgas, die der Staatshaushalt nicht absorbieren kann und die zu strategischen Investitionen in aller Welt eingesetzt werden. Seine Aktiva werden heute auf mehr als 170 Milliarden Dollar geschätzt. Heute bestehen zudem mehrere kleinere Staatsfonds. Einer von ihnen, die Paramount Holding Services, ist nun mit 1,75 Milliarden Euro bei der Deutschen Bank eingestiegen.

          Studiert hat Hamad Bin Dschassim in Ägypten und Großbritannien. Über Abschlüsse ist nichts bekannt. Im Alter von 23 Jahren wurde er Büroleiter des Landwirtschaftsministers, sieben Jahre später selbst Minister für Landwirtschaft und die Kommunen. 1992 wurde er zum Außenminister berufen, 2007 zusätzlich zum Ministerpräsidenten. Bevor er qatarischer Großinvestor wurde, machte er sich – auch mit Hilfe seines Scheckbuchs – als Vermittler bei Konflikten im Nahen Osten und Afrika einen Namen. Er brachte die WTO und den UN-Klimagipfel nach Doha. Als Anfang 2011 die Arabellion begann, setzte Hamad ganz auf die Muslimbruderschaft. Qatar finanzierte sie, flankierte sie politisch und zahlt heute einen hohen Preis dafür. Der Amtsverzicht von Emir Hamad Bin Khalifa im Juni 2013 war auch eine Folge davon, dass Qatar zu stark auf nur eine Gruppe gesetzt hatte, die nun in die Defensive geraten ist.

          Erfolgreicher als zuletzt mit seiner Politik war Hamad Bin Dschassim mit seinen Investitionen. Seit seinem Studium hat Hamad Bin Dschassim eine Schwäche für London und kaufte dort teure Immobilien, wie die Chelsea Barracks und den Shard Tower, 24 Prozent an der Immobiliengesellschaft Songbird Estates, der das Londoner Geschäftsviertel Canary Wharf gehört, das Kaufhaus Harrods und die Einzelhandelskette Sainsbury. Mit 20 Prozent ist Qatar an der London Stock Exchange beteiligt. Einen Fußballklub kaufte sich Qatar aber mit Paris St. Germain in Frankreich.

          Dort machte Hamad sein Land zum Großaktionär bei der Medienholding Lagardère und bei EADS, der heutigen Airbus Group. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Banken mit Beteiligungen bei Credit Suisse, Barclays, der belgischen Bankengruppe KBC, Dexia und nun der Deutschen Bank. Bereits beim Einstig bei Porsche sagte er: „Wir suchen auf breiter Front nach Anlagen in Deutschland.“ Auch mit der Beteiligung bei der Deutschen Bank geht Hamad Bin Dschassim die Liquidität kaum aus.

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