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Pistolen künftig unerwünscht : Starbucks-Chef wehrt sich gegen seine Waffenfreunde

„Waffenpolitik sollte eine Sache der Regierung und Strafverfolgungsbehörden sein – nicht von Starbucks“, sagt Starbucks-Chef Howard Schultz. Bild: AP

Seit Jahren haben amerikanische Waffenlobbyisten die Kaffeekette Starbucks für ihre Zwecke vereinnahmt. Dort werben sie mit Pistolen an ihren Gürteln für das offene Herumtragen von Waffen. Starbucks-Chef Howard Schultz will das nicht länger dulden.

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          Howard Schultz hat gewöhnlich keine Scheu, sich in politische Debatten einzumischen. Vor zwei Jahren sorgte der Vorstandsvorsitzende der Kaffeekette Starbucks mit dem Appell für Schlagzeilen, amerikanischen Politikern Wahlkampfspenden zu verweigern. Schultz ärgerte sich über das damalige Gezerre zwischen Republikanern und Demokraten im Streit um die Schulden des Landes – eine Auseinandersetzung, die auch jetzt wieder auf der Tagesordnung in Washington steht. Schultz schrieb damals in einem Brief, dass weder Präsident Barack Obama noch die Mitglieder des Kongresses Wahlkampfspenden von ihm bekommen würden. Er forderte alle „besorgten Amerikaner“ auf, es ihm gleichzutun.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auch in der Debatte um gleichgeschlechtliche Ehen in Amerika hat der Starbucks-Chef Wort ergriffen. Auf der Hauptversammlung in diesem Jahr wurde Starbucks von einem Aktionär dafür kritisiert, öffentlich für die Home-Ehe eingetreten zu sein. Schultz reagierte schroff und schnauzte den Aktionär an, er könne ja künftig in andere Unternehmen investieren, wenn ihm das nicht passe.

          Schultz würde sich im Waffenstreit am liebsten heraushalten

          Aus der hochemotionalen Diskussion um Waffenbesitz in den Vereinigten Staaten würde sich Schultz aber offenbar am liebsten heraushalten. Schon seit einigen Jahren hat Starbucks in der Debatte eine unfreiwillige Rolle. Vertreter der Waffenlobby haben das prominente Unternehmen als Schauplatz gewählt, um für das offene Herumtragen („Open Carry“) von Waffen in Amerika zu werben. Sie kamen mit offen sichtbaren Waffen an ihren Gürteln in die Starbucks-Läden. „Open Carry“ ist in vielen amerikanischen Bundesstaaten erlaubt. Starbucks hat dabei einen eher neutralen Standpunkt bezogen und im Gegensatz zu manchen Wettbewerbern Waffen in seinen Läden nicht grundsätzlich verboten.

          Eine Serie von Amokläufen und insbesondere das Schulmassaker von Newtown haben den Streit zwischen der Waffenlobby und Waffengegnern zuletzt weiter verschärft, und das bekommt auch Starbucks zu spüren. Starbucks sieht sich unfreiwillig als Liebling der Waffenfreunde und als Feindbild der Waffengegner. Die Lobby hat der Kaffeekette unerwünschten Applaus gespendet, die Gegner haben zum Boykott aufgerufen.

          Dem wollte Schultz nicht länger zusehen. Der Starbucks-Chef hat einen offenen Brief geschrieben und um Verständnis für die Position seines Unternehmens geworben. Damit dürfte er aber keine der beiden Seiten zufriedengestellt haben. Ein Verbot von Waffen in seinen Läden lehnt Schultz darin weiter ab. Er appelliert lediglich an seine Kunden, künftig keine Waffen mehr mitzubringen. Wer es trotzdem tut, hat keine Konsequenzen zu fürchten. Er wird bedient und darf in der Filiale bleiben. „Wir glauben, Waffenpolitik sollte eine Sache der Regierung und Strafverfolgungsbehörden sein – nicht von Starbucks und seinen Mitarbeitern,“ schrieb Schultz.

          Es ist eine heikle Angelegenheit für Schultz, in der Waffendebatte als Symbolfigur dazustehen. Starbucks legt schließlich größten Wert auf sein Ansehen und versucht, das Bild eines sozial verantwortungsbewussten Unternehmens zu kultivieren. Starbucks rühmt sich zum Beispiel, seine Kaffeebauern besonders gut zu behandeln. Allerdings decken sich Anspruch und Wirklichkeit nicht immer, und Starbucks ist nicht davor gefeit, sich den Unmut der Öffentlichkeit zuzuziehen. So stand Starbucks im vergangenen Jahr in Großbritannien zusammen mit Unternehmen wie dem Internetkonzern Google wegen seiner Steuersparpraktiken am Pranger. Die Kaffeekette hatte zuvor mehrere Jahre lang keine Steuern in dem Land bezahlt. Vor Dutzenden Starbucks-Filialen kam es zu Demonstrationen. Starbucks sah sich schließlich gezwungen, wieder Steuern an den britischen Fiskus abzuführen.

          Der 60 Jahre alte Schultz ist nicht Gründer von Starbucks, aber derjenige, der die Kette zu einem globalen Imperium gemacht hat. Starbucks wurde 1971 in Seattle gegründet, Schultz stieg 1982 als Marketingchef ein. Fünf Jahre später kaufte er die Kette mit damals 17 Filialen ihren Besitzern ab. Schultz begann eine atemberaubende Expansion und machte Starbucks zunächst in Amerika und dann auch anderswo allgegenwärtig wie McDonald‘s. Nicht zuletzt diese hastige Expansion brachte Starbucks vor rund fünf Jahren ins Straucheln. Das Unternehmen schloss Hunderte von Filialen und trennte sich von Tausenden Mitarbeitern. Heute hat sich das Geschäft aber längst wieder erholt, und der Aktienkurs bewegt sich nahe einem Allzeithoch.

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