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Peter Thiel gegen Gawker : Rache, jahrelang geplant

Peter Thiel vor seinem Büro mit Blick auf die Golden-Gate-Brücke. Bild: dpa

Der Internet-Milliardär Peter Thiel finanziert einen Gerichtsprozess, der ein Blog an den Abgrund bringt. Er gibt es zu. Und alle fragen: Darf der das?

          Er hat es zugegeben: Der Internet-Milliardär Peter Thiel hat heimlich einen Prozess finanziert, der das amerikanische Klatschblog Gawker an den Rand der Existenz gebracht hat.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es geht um ein Sex-Video des Wrestlers, der als Hulk Hogan bekannt geworden ist. Das Blog hat ein Video veröffentlicht, das ihn beim Sex mit der Frau eines Freundes zeigt. Inzwischen ist Gawker zurückhaltender geworden, für das Video allerdings wurden Hulk Hogan Millionen Dollar Entschädigung zugesprochen – in einer Entscheidung, die in Amerika eine Diskussion um die Pressefreiheit ausgelöst hat. Immerhin addieren sich die Summen, die Gawker an Hogan zahlen muss, auf mehr als 140 Millionen Euro – das Blog musste den Milliardär Viktor Vekselberg als Anteilseigner aufnehmen, um mit dessen Geld die Zahlungen zu leisten. In der Nacht zum Donnerstag hat Gawker auch das Berufungsverfahren verloren.

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          Gleichzeitig wird bekannt: Peter Thiel hat zehn Millionen Dollar für Hogans Anwaltskosten gezahlt.

          Gawker hat Thiel geoutet

          Sie haben eine Geschichte miteinander, Peter Thiel und das amerikanische Klatschblog Gawker: Auf der einen Seite der deutschstämmige Internet-Milliardär, der sein Vermögen von geschätzt drei Milliarden Dollar vor allem mit dem Bezahldienst Paypal und mit Facebook gemacht hat und jetzt unter anderem die geheimnisumwitterte Datenanalyse-Firma Palantir finanziert, die viel Geschäft mit Sicherheitsbehörden und Geheimdiensten macht.

          Selbst der frühere Schachweltmeister Garri Kasparow bezeichnet den Schachspieler Thiel als „sehr intelligent“. Thiel, der Ultra-Liberale, denkt über Plattformen im Meer nach, auf denen keine Gesetze einzelner Staaten gelten. Während in den Vereinigten Staaten Marihuana nach und nach legalisiert wird, investiert Thiel schon mal kräftig in das Geschäft damit. Er unterstützt Donald Trump im Präsidentschaftswahlkampf – aber auch Journalistenorganisationen.

          Auf der anderen Seite steht der Blogbetreiber Gawker, traditionelles Motto: „Das Getratsche von heute sind die Nachrichten von morgen.“ Gawkers Silicon-Valley-Tratschblog „Valleywag“ outete nicht nur den heutigen Apple-Chef Tim Cook als schwul, sondern im Jahr 2007 auch Thiel. „Peter Thiel ist total schwul, Leute“ hießt die Überschrift über einem Artikel. Inzwischen ist „Valleywag“ geschlossen. Gawker-Gründer Nick Denton verteidigt sein Blog unter Verweis auf andere Geschichten, über die es berichtet hat: über den Comedian Bill Cosby und seine seltsamen Verhaltensweisen gegenüber Frauen oder über die private E-Mail-Adresse von Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, über die sie Staatsgeschäfte abgewickelt hat.

          Der Autor des Artikels über Thiel steht zu seiner Veröffentlichung: „Ich habe Peter Thiel nicht geoutet“, sagt er der „New York Times“. „Ich habe über seine Sexualität geschrieben, aber sie war einem breiten Kreis bekannt, der das Gefühl hatte, sie dürfe nicht darüber hinaus besprochen werden. Ich hielt diese Einstellung für reaktionär und homophob.“

          „Es geht mir weniger um Rache, mehr um Abschreckung“

          Thiel sieht das anders. Gawker habe Artikel veröffentlicht, die „sehr schmerzhaft und lähmend für die betroffenen Personen waren“, es habe sich gelohnt zurückzuschlagen – er selbst könne sich immerhin verteidigen, andere könnten das nicht. So sagt er es der „New York Times“. Indem er gegen Gawker vorgehe, stärke er die ernsthaften Journalisten.

          Schon seit Jahren habe er über so einen Plan nachgedacht, sagt Thiel. Ursprünglich hätte er nichts tun wollen, er habe damit gerechnet, dass ihm das mehr schade als nutze. Erst ein Freund habe Thiel überzeugt: Wenn er nichts tue, würde niemand etwas tun. „Es geht mir weniger um Rache, mehr um Abschreckung.“ Und: Er halte die Zahlung an Hogans Anwälte für „eines der besseren wohltätigen Dinge, die ich getan habe“.

          Thiels Aktion löst in den Vereinigten Staaten eine neue Diskussion um die Pressefreiheit aus: Ist es in Ordnung, wenn ein Milliardär Prozesse gegen Medien finanzieren kann, zumal wenn er möglicherweise aus einer persönlichen Agenda heraus getrieben wird?

          Sicher scheint: Nichts an Thiels Aktion war illegal. Er hat auch Verteidiger. Sie sagen: Am Ende geht es vor Gericht doch darum, dass sich das richtige Argument durchsetzt – egal, wer die Anwälte bezahlt.

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