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Peter Daniell Porsche im Gespräch : „200.000 Euro im Jahr reichen fürs Leben“

  • Aktualisiert am

„Geld selbst macht nicht frei“, sagt Peter Daniell Porsche. „Es schafft Möglichkeiten.“ Bild: Jan Roeder

„Kein einziges Auto gibt’s oder gab es je für mich umsonst“: Peter Daniell Porsche, Urenkel des Käfer-Erfinders, über seinen Clan, die Ängste der Reichen und die Verletzungen von Ferdinand Piëch.

          Herr Porsche, macht Geld glücklich?

          Geld macht dann glücklich, wenn man damit etwas bewirken kann in der Welt.

          Sie sind Urenkel des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche und hauptberuflicher Wohltäter, finanzieren in Salzburg eine Waldorfschule und ein Kulturzentrum. Ist es schwierig, Gutes zu tun?

          Extrem schwierig: Wem hilft man, wem nicht? Ich unterstütze nur noch Projekte, die ich selbst begleiten kann, wo ich direkt Einfluss nehmen kann. Das hat auch damit zu tun, dass ich gemerkt habe, dass es Leute oft überfordert, wenn sie plötzlich Geld geschenkt bekommen, ob 500 Euro oder ein paar tausend.

          Auch ein Lottogewinn macht nicht jeden glücklich.

          Richtig. Wer sich immer nach Geld sehnt, wer in dem Gedanken lebt, wenn ich mal reich bin, dann bin ich ein freier Mensch, der hat’s schwer: Geld selbst macht nicht frei. Es schafft Möglichkeiten. Und die sind oft trügerisch, richten das Messer gegen einen selbst. Glücklich wird nur, wer das Geld so einsetzt, dass auch andere daran Freude haben.

          Wie viel vom VW- und Porsche-Gewinn behalten Sie für sich?

          Insgesamt 600.000 bis 800.000 Euro bekommen die Paracelsus-Schule und andere Projekte jedes Jahr. Zwischen 100.000 und 200.000 Euro behalte ich für mich und für meine eigene Familie. Das reicht gut fürs Leben, für meine Frau, für die Kinder und hin und wieder für einen neuen Porsche.

          Den kriegen Sie doch umsonst.

          Das glauben immer alle.

          Ist es nicht so?

          Nein. Kein einziges Auto gibt’s oder gab es je für mich umsonst.

          Leiden Sie darunter, dass Sie selbst zwar studiert, aber nie Geld verdient haben - nicht einen einzigen Cent?

          Ich leide insofern darunter, als dass das Geld, das zu mir kommt, nicht das Ergebnis eigener Anstrengung ist. Andere arbeiten erst, dafür gibt’s Gehalt. Bei mir ist es umgekehrt: Da ist erst das Geld, dann überlege ich: Wie viel Kraft stecke ich in welches Projekt? Alles, was ich tue, ist kostenlos. Ich leide ein bisschen darunter, mich und meine Tätigkeit zu taxieren.

          In Ihrer Autobiographie schreiben Sie von den Ängsten als Kind und Jugendlicher: Sorge vor Raub und Entführung, Angst davor, dass die Mädchen Sie nur des Geldes wegen küssen. Ist reich sein anstrengend?

          Das Problem ist nicht, dass man dadurch etwa große Seelenbelastungen hat. Aber Geld macht auf andere Menschen verschiedensten Eindruck, sie fragen: Wie kommt er dazu? Ist das gerecht? Es gibt Neider, Schmarotzer, falsche Freunde und auch solche, die es gut mit einem meinen.

          Spüren Sie, wenn Leute sich etwas unter den Nagel reißen wollen, wenn sie schon mal einem leibhaftigen Porsche begegnen?

          Inzwischen erkenne ich zumeist auf den ersten Blick, wenn da nur Gier ist. Als ich für die Schule ein Grundstück kaufen wollte, war das plötzlich doppelt so teuer, nachdem ich meinen Namen gesagt hatte. Das sind Momente, die mich schmerzen. Für solche Sachen schicke ich heute erst andere vor oder trete unter einem anderen Namen auf.

          In Ihrem Buch breiten Sie aus, wie Ihre Eltern sich scheiden lassen, um Jahre später wieder zueinanderzufinden. Warum tun Sie das der Familie an?

          Meine Eltern haben damit kein Problem. Ich war immer ein Querdenker, manche sagen auch Querulant. Das bleibe ich wohl auch. Es kratzt nicht am Ruf der Familie, wenn ich zeige, dass die Porsches nicht besser oder edler sind als andere Menschen. Indem man das zugibt, gewinnt die Familie höchstens Sympathie. Das war mitunter auch eine Idee für das Buch.

          So sympathisch klingt es nicht, wie Ihre Mutter, ursprünglich eine Porsche-Angestellte, von der Familie behandelt wurde: Man ließ sie deutlich spüren, dass sie nicht standesgemäß war.

          So waren die Sitten zur Zeit meiner Großeltern, die Stände haben sich als solche verhalten. Wenn ein Porsche-Nachkömmling jemanden heiratet, der so gar nichts mit diesen Kreisen und dem Metier zu tun hat, weckt das Argwohn: Schadet dies unserem Namen? Verhält er oder sie sich entsprechend?

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