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Peter Daniell Porsche im Gespräch : „200.000 Euro im Jahr reichen fürs Leben“

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Bevor Ihre Frau, die Tochter Ihres Musiklehrers, in die Familie eingeführt wurde, musste sie erst diverse Verträge unterschreiben.

Ja, wie bei anderen Großfamilien auch. Ein Ehevertrag definiert, dass die Anteile an der Firma in jedem Fall in der Familie bleiben. Auch in unserer Familie gibt es Techtelmechtel, Affären, Scheidungen. Deswegen wird das Worst-case-Szenario gleich mitgedacht, das ist nicht leicht für eine Beziehung.

Wie viel am großen VW-Konzern gehört Ihnen heute?

Hochgerechnet etwa zwei Prozent, zumindest auf dem Papier.

Der damalige Porsche-Chef Wiedeking wollte den x-mal größeren VW-Konzern übernehmen. Als der Coup misslang, hat Ihr Onkel Wolfgang Porsche öffentlich Tränen vergossen. Wie schlimm war das für Ihre Familie?

Das hat allen Porsches die Tränen in die Augen getrieben. Am Ende aber verfügen wir heute über eine solide Beteiligung am VW-Konzern und sind stolz darauf, dass unser Stammunternehmen Porsche in Technologie, Design und Qualität mit an der Weltspitze ist.

Als VW den Spieß umgedreht hat, und Porsche übernommen hat, war dies der Triumph Ihres Onkels Ferdinand Piëch.

Ich weiß nicht, ob er wirklich triumphiert hat.

Von außen sah es so aus. Woher rührt dieser Riss zwischen den Familien Porsche und Piëch, beides Nachfahren des Käfer-Erfinders Ferdinand Porsche?

Von einem Riss zwischen den Familien kann man nicht sprechen. Die Gründe für teilweise unterschiedliche Zugänge liegen weit in der Vergangenheit: Die vier Söhne der Porsche-Seite sind behütet aufgewachsen, voller Nestwärme, besuchten unter anderem auch für eine Zeit die Waldorfschule. Die Kindheit von Ferdinand Piëch war härter, er hat früh den Vater verloren, war im Internat in der Schweiz - da entwickeln sich Charaktere unterschiedlich.

Am lautesten gekracht hat es in den siebziger Jahren. Als auch kein Therapeut mehr half, mussten alle aus der Familie die Firma Porsche verlassen.

Das hat meinen Onkel Ferdinand Piëch wohl verletzt. Er hatte als Manager in Zuffenhausen viel erreicht, seine Eigensinnigkeit durchgesetzt, die Firma zum Erfolg geführt, gerade im Rennsport - bis zu dem Tag, als ihn mein Großvater aus der Firma hinausgebeten hat, Mitglieder der Familie hatten sich fortan aus dem operativen Porsche-Geschäft herauszuhalten. Um dieser möglichen Kränkung zu entgegnen, hat Ferdinand Piëch seine Erfolge als Manager bei Audi und später bei VW weitergeführt. Ausgerechnet er, der extrem für die Firma Porsche stand, der aber nicht den Namen trägt, den schickte man damals vom Hof. Das schmerzt.

Sie glauben, es nagt an ihm, dass er, der geniale Automann, Piëch und nicht Porsche heißt?

Oft höre ich, es würde für ihn besser passen, Porsche zu heißen. Wenn ich die Möglichkeiten und Fähigkeiten hätte, die mein Onkel hat, und ich würde nicht Porsche heißen, dann wäre das für mich auch schwieriger. Das mit unseren Namen ist wie bei einem Kaffee mit einer Sahne drauf, auf dem einen ein kleiner Schlag, auf dem anderen ein großer. Ich hoffe, dass diese Unterschiede zwischen den beiden Stämmen sich auswachsen. In meiner Generation fühlen wir uns als eine Familie, die Porsches und die Piëchs, wir reden uns natürlich ohnedies nur mit Vornamen an.

Ferdinand Piëch ist 75 Jahre alt, wird Volkswagen als Familienkonzern überleben, wenn es ihn eines Tages nicht mehr gibt?

Selbstverständlich, es gibt auch in meiner Generation eine Reihe hochbegabter und interessierter Familienmitglieder, die sich gerne im Rahmen des Möglichen im Familienkonzern einbringen wollen.

Damit ist die Kontinuität gewahrt über Piëchs Tod hinaus?

Natürlich wird’s weitergehen, aber es wird sicher auch wieder mal stürmisch werden, ich kann nur hoffen, dass die Lage sich dann beruhigt und sich vielleicht ein bisschen mehr soziales Mitdenken entwickelt im Konzern, das wäre mein Wunsch.

Der Wohltäter

Peter Daniell Porsche, 1973 in Stuttgart geboren, ist Musiktherapeut und Waldorf-Pädagoge. Dem Urenkel von Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche gehört ein Achtel der Porsche-Holding, die wiederum ist Großaktionär des VW-Konzerns, an dem sie mit knapp 51 Prozent die Mehrheit hält.

Seinen Anteil an dem dort erwirtschafteten Gewinn steckt Daniell Porsche in diverse soziale, pädagogische und künstlerische Projekte, vor allem in die von ihm gebaute Parcelsus-Schule nahe Salzburg, einem Ort für „seelenpflege-bedürftige Kinder und Jugendliche“. Die Bildungsstätte erhält auch sein komplettes Honorar für die Autobiographie, die am Montag erscheint: „Es gibt noch mehr im Leben als Autos bauen“ (Hanser-Verlag, 19,90 Euro). Der Porsche-Erbe lebt mit seiner Frau und seinen vier Kindern auf einem Bauernhof in den Bergen bei Salzburg; mit Pferden, Eseln, Hunden, Hühnern, einer Ziege und Schafen.

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