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Oliver Samwer : „Dieses Burnout-Ding ist nichts für mich“

Oliver Samwer auf der Gründerkonferenz Noah in Berlin Bild: dpa

Er ist ein Workaholic, wie er im Buche steht – als guten Unternehmer sieht Oliver Samwer sich selbst allerdings nicht. Und er gesteht auch Fehlentscheidungen ein.

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          Der Internetunternehmer Oliver Samwer hat seinem Ruf als Workaholic mal wieder alle Ehre gemacht. Danach gefragt, ob er sich je ausgebrannt fühle, sagte er auf der Gründerkonferenz Noah in Berlin: „Dieses Burnout-Ding ist nichts für mich“ (im englischen Original: „This burnout thing is not for me“). Er möge seine Arbeit, sagte der Mann, der dafür bekannt ist am liebsten im Flugzeug zu schlafen, weil er so am wenigsten Zeit verliert. „Ich mag 98 Prozent meiner Tage – außer die bei Ikea.“

          Britta Beeger

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Er sei mit seiner Internet-Beteiligungsgesellschaft Rocket Internet aber nicht so erfolgreich, weil er selbst ein guter Unternehmer sei, sagte Samwer. Er verstehe sich als Bäcker. Jeden Tag backe er Kuchen und verwende dabei drei Zutaten: Ideen, Leute und Kapital. Eine der Zutaten sei immer knapp.

          Rocket schielt auf weitere Investments

          Natürlich habe er auch Fehlentscheidungen getroffen und Investments verpasst, sagte Samwer, der in diesem Zusammenhang von einer „Hall of Shame“ sprach: So habe er zwar in Facebook investiert, sei aber zu früh wieder ausgestiegen: „Ich bin eingestiegen, als der Wert bei 15 Milliarden lag. Und bei 15,5 Milliarden ausgestiegen. Ich hatte Angst.“ Weitere Beispiele seien die Bestellplattformen Delivery Hero und Just Eat. Die Liste sei lang, sagte Samwer. „Ich kann jetzt aber nicht anfangen, der Vergangenheit nachzutrauern.“

          Durch den Börsengang habe Rocket Internet noch größer werden können, sagte Samwer: „Er ermöglicht uns das zu machen, was wir vorher auch schon gemacht haben, nur in einem anderen Ausmaß.“ Rocket habe durch den Börsengang 1,4 Milliarden Euro eingenommen, durch Finanzierungsrunden wäre das nicht möglich gewesen. Als börsennotiertes Unternehmen müsse man allerdings damit leben, dass es auf und ab gehe und Zeitungen und Analysten laufend Einschätzungen abgäben, sagte Samwer.

          Rocket schielt nun auf weitere Bereiche, in die es investieren könnte. Samwer nannte Finanztechnologieunternehmen als ein Beispiel – also Start-ups, die Finanzdienstleistungen anbieten und damit Banken und Versicherungen Konkurrenz machen. Rocket Internet fokussiere sich aber auf die Konsumenten, so Samwer. „Wir sind nicht die Besten für Software oder allzu technische Geschäftsfelder.“

          Zwei Rocket-Beteiligungen, die sehr nahe am Kunden sind, sind die Onlinemöbelhändler Home24 und Westwing. Um den Erfolg von deren Geschäftsmodell zu erklären, zog Samwer noch einmal das Ikea-Beispiel heran – die Schweden scheinen für ihn ein rotes Tuch zu sein: „Das Geschäftsmodell funktioniert, weil man nicht 50 Kilometer zu Ikea fahren muss, Köttbullar isst, und wenn man zurückkommt ist man tot, und das war dann der Samstag.“

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