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Oliver Berking : Der Silberschmied

Oliver Berking vor seinem Sortiment: Die 185 Teile der Robbe & Berking-Menügarnitur „Viva” sind in Vollsilber für 26.985 Euro erhältlich Bild: Florian Sonntag

Robbe & Berking ist das Besteck der Reichen und Mächtigen. Der Eigentümer Oliver Berking ist ein feiner Herr, der das Familienerbe zu wahren weiß. Seine wahre Leidenschaft sind - Holzboote.

          6 Min.

          Wenn Oliver Berking eines nicht mag - daran besteht von Beginn dieser Begegnung an kein Zweifel -, dann ist es die Spekulation. Der Erbe Berking führt eine Firma in fünfter Generation, das Geburtsjahr der Firma ist 1874, Oliver Berking nennt die Firma Manufaktur und sich selbst einen Silberschmied aus Flensburg. Das Wort „reich“ mag er auch nicht, wie viele, bei denen Geld keine Rolle spielt, weil es einfach schon immer da war und es sich nicht schickt, in aller Öffentlichkeit den Mammon mit Worten zu bedenken.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Die Manufaktur Robbe & Berking fertigt edles Silberbesteck, es hat die Fabrikantenfamilie Berking groß gemacht. Oliver Berking trägt ein unspektakuläres Sakko von der Stange und in gedeckter Farbe, im Knopfloch schimmert sanft das Abzeichen der Rotarier. Die Füße stecken in bequemen Wildlederschuhen, sie stehen fest auf den Schiffsplanken aus Mahagoniholz, und aus jedem sicheren Schritt, aus jeder bestimmten Geste spricht die Selbstverständlichkeit von 137 Jahren familiärer Macht und Wohlstand. Wenn der Silberschmied aus Flensburg, Arbeitgeber von 170 Angestellten und Liebhaber sehr alter und sehr teurer Segelboote, eine Sache aus tiefstem Herzen verachtet, dann ist es ohne jeden Zweifel die Hatz nach dem schnellen Profit. „Ist nicht mein Ding“, sagt der Familienunternehmer Oliver Berking.

          Kann man also sagen, auf seinem Schreibtisch stehe ein Hassobjekt? Die Rede ist von einem zweiten, separaten Computer-Monitor. Wenn er eingeschaltet ist - und das ist er in diesen Tagen meistens -, zeigt der Monitor nichts anderes als drei Kurven an: Das Verhältnis von Dollar zu Euro. Und die Preise von Gold und Silber.

          Die Silberkurve kennt in diesen Tagen - nein, stöhnt Oliver Berking, in diesen Monaten, Quartalen - nur eine Richtung: steil aufwärts. Seit dem vergangenen Sommer hat sich der Preis von Silber mehr als verdoppelt, er hat am Freitag erstmals seit 31 Jahren die Marke von 40 Dollar je Feinunze überschritten (31,1 Gramm). Auch der Goldpreis ist stark gestiegen, aber nicht so rasant wie Silber. „Allein von gestern auf heute waren es wieder 10 Prozent“, seufzt Berking an diesem Frühlingstag. Silber ist das Gold des kleinen Mannes, edel, aber viel billiger. Die Menschen ängstigen sich, der Euro sei bald nichts mehr wert, und kaufen Silber. Sie fürchten, die Weltkonjunktur erlahme, sie werfen sich des Nachts beim Gedanken an stehende japanische Produktionsbänder hin und her, sie zittern angesichts der politischen Krisen in den Ölförderländern des Nahen Ostens.

          Jetzt muss Berking ein Risiko eingehen

          Die ganze Welt droht aus den Fugen zu fliegen, die Menschen kaufen Silber wie verrückt, und am nördlichsten Rand Deutschlands hat der Silberschmied Oliver Berking ein gewaltiges Problem. Silber stellt nun einmal sein wichtigstes Grundmaterial dar, und er kann sein Besteck nicht einfach ein Drittel teurer verkaufen, zumindest nicht ohne die Gefahr, massiv an Umsatz einzubüßen. Was soll er jetzt machen: Silber kaufen? Abwarten? „Ich spekuliere nicht“, sagt Oliver Berking.

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