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Oliver Berking : Der Silberschmied

Welten liegen zwischen diesem Schauspiel und dem norddeutschen Reetdachhaus von Oliver Berking, in dem er mit seiner Frau wohnt, sie sind Eltern von sechs Kindern. Marktforschung habe er noch nie betrieben, sagt der Firmenchef, der Begriff klingt bei ihm wie ein Schimpfwort. „Es wird immer Menschen geben, die etwas kaufen wollen, das über den täglichen Bedarf hinausgeht“, sagt Berking. Ist es konservativ, Tafelsilber zu besitzen? Schon wieder so ein Reizwort, schon wieder arbeitet es in Berking: „Das ist überhaupt nicht konservativ, das ist einfach schick!“

Der Journalist Christian Rickens hat Oliver Berking in einem Mitte März erschienen Buch (“Ganz oben: Wie Deutschlands Millionäre wirklich leben“) als „etablierten Vermögenden“ beschrieben, der mit anderen wirklich Vermögenden geschmackvolle, aber nicht protzige Gartenpartys feiert, auf denen Berking wie seine ebenfalls vermögenden Segelgäste sonnenverbrannt im Polohemd erscheint und nur der Hamburger Repräsentant der Schweizer Bank UBS in Anzug und Krawatte. Der Autor verweist auf den französischen Soziologen Pierre Bourdieu, der als eines der wichtigstes Kennzeichen der europäischen Oberschicht die Fähigkeit ausgemacht hat, den gesellschaftlichen Komment so gut zu kennen, dass man ganz entspannt gegen ihn verstoßen kann. Anzug und Krawatte hat Oliver Berking als Statussymbol nicht nötig.

Mit dem Limousinen-Motorboot sind reiche Amerikaner zur Arbeit gependelt

Er ist in Flensburg zur Schule gegangen, er zeigt auf das Gebäude aus dem Fenster seines Range Rover. Damals, nach der Schule hat Berking in Hamburg nach drei Jahren an der Wirtschaftsakademie einen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht, dann kehrte er zurück und fing in Flensburg als Juniorchef an, da war er 22. Jetzt ist er 48. Es sei eine reizvolle Aufgabe, sagt Berking, es mache ihm Spaß, „immer mehr“. Dann sagt er, das Geschäft sei ein „schwieriger, permanenter Kampf“, aber er frönt ja noch weiteren Leidenschaften.

Oliver Berking steht in der Werfthalle, die er sich vor ein paar Jahren zugelegt hat, einfach so, „ohne lange Geschäftsmodelle“. Hier baut und restauriert der Silberschmied aus Flensburg Holzboote, denn das macht ihm Spaß. Berking war schon als Kind Segler, seine Freunde sind Segler, abends beim Bier in der Kneipe, sagt Berking, redeten seine Freunde und er über nichts anderes als über alte Holzboote. Vor ein paar Wochen hat Berking den Hamburger Bootsmakler Baum & König übernommen, der auf klassische Motor- und Segelyachten spezialisiert ist. Anfangs seien die Boote ein Hobby gewesen, sagt Berking, jetzt nicht mehr. Er führt durch die Werft, die Yacht da hinten gehört einem Eigner aus Hongkong, die dort einem aus Kopenhagen, der hier komme von Radolfzell am Bodensee. Jedes Schiff hat eine lange Geschichte, Berking streift gerne durch Museen, immer auf der Suche nach den Bauplänen der alten Yachtbaumeister.

Vor der Halle steht der Rumpf eines „Commuters“, eines kleinen Limousinen-Motorboots, mit dem reiche Amerikaner in den 20er Jahren nach Manhattan zur Arbeit gependelt sind. Berking will die Tradition wieder beleben, es gibt schon einen Interessenten aus Blankenese in Hamburg. Wie viele will er davon bauen, was gibt der Markt her? „Falsche Frage“, sagt Berking. Er denke nicht in Stückzahlen. „Es geht um Schönheit.“

Der Mensch

Oliver Berking wurde im September 1962 geboren und wuchs in Flensburg nahe Dänemark auf. Nach Schule und drei Jahren Ausbildung zum Betriebswirt (BA) in Hamburg stieg er mit 22 Jahren in das elterliche Geschäft ein, das er später vom Vater übernahm.

Berkings Leidenschaft sind Segelyachten aus Holz: Vor drei Jahren restaurierte er die klassische Yacht „Sphinx“ und gründete daraufhin die Werft Robbe & Berking Classics, die am Flensburger Stadthafen liegt.

Berking restauriert klassische Motor- und Segelyachten und baut Repliken lange verschollener Boote. Er träumt davon, Flensburg als Europa-Zentrum für den Bau klassischer Yachten zu etablieren.

Das Unternehmen

Robbe & Berking mit Sitz in Flensburg ist der weltweit größte Hersteller von Silberbestecken. Im Heimatmarkt Deutschland, der immer noch die Hälfte der Erlöse ausmacht, liegt der Marktanteil bei 90 Prozent. Seit 1874 fertigt die Firma Tafelsilber - jeweils in versilberter und vollsilberner Ausführung. Den immensen Preisunterschied der Ausführungen verrät nur das winzige Zeichen auf der Rückseite des Bestecks. Derzeit macht der hohe Silberpreis der Firma stark zu schaffen, die Bestecke werden wohl bald teurer. Als Geldanlage taugt das Tafelsilber nicht, weil die Fachhandelsspanne 50 Prozent beträgt. Zur Entlastung seines Geschäftsmodells bietet Robbe & Berking nun Gold- und Silberbarren und Münzen an.

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