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Oliver Berking : Der Silberschmied

Die Experten sagen, der Preis sei überdreht, völlig überhöht, zwar braucht auch die Industrie Silber für ihre Legierungen, doch auch der Aufschwung rechtfertige den Silberkurs nicht, dieser werde alsbald fallen. Aber woraus sollen Oliver Berkings Angestellte dann solange das Produkt schmieden, das die Familie seit über einem Jahrhundert verkauft? Jetzt muss Berking doch ein Risiko eingehen, gezwungenermaßen, zumindest ein wenig muss er die Preise für seine Produkte erhöhen, vielleicht schon zum 1. Mai, „aber leicht fällt es mir nicht“.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass folgende Auszüge aus der Preisliste des Hauses Robbe & Berking bald überholte, nach oben zu korrigierende Kaufpreise angeben: Der Robbe & Berking Kompottlöffel (klein), Modell „Alt-Faden“, versilbert, zu 101 Euro. In Vollsilber zu 199 Euro.

„Da reagiere ich allergisch drauf“

Das Salatbesteck (klein), Modell „Riva“, versilbert, zu 306 Euro. In Vollsilber zu 724 Euro. Die Zuckerdose zu 1170 Euro, der Wasserkrug zu 3100 Euro. Die 185-teilige Robbe & Berking Menügarnitur „Viva“, versilbert, kostet 12 306 Euro. In Vollsilber ist sie für 26 985 Euro zu erwerben, noch.

Die sich vielleicht anschließende Frage, wer im Jahr 2011 Tafelsilber im Wert eines VW Golf erwirbt, geht fehl, denn Berkings Kunden fahren nicht im Golf umher. Das Silber von Robbe & Berking liegt im Kreml zu Tische. Auch in den Schubladen so manches Königspalastes im arabischen Inselstaat Bahrein ist es zu finden, wo es ja dieser Tage heiß hergeht, weshalb Berking langsam anfängt, sich „Gedanken zu machen“. Die Hälfte seines Umsatzes, dessen Höhe er nicht verrät, erzielt er im Ausland. Als im Juni 2007 im Grand Hotel Heiligendamm die Weltherrscher zum G-8-Gipfel zusammentrafen, zerteilten auch sie Fisch und Fleisch mit dem edlen Schneidwerkzeug aus Flensburg. Robbe & Berking hat jüngst einen 112 Seiten dicken Führer mit Top-Restaurants in aller Welt herausgebracht, dessen besprochene Lokale allesamt zwei Kriterien erfüllen: Sie tragen mindestens einen Michelin-Stern und sind mit dem Besteck aus Flensburg ausgestattet. Neulich ist Berking die Liste der weltweit 200 größten Privatyachten durchgegangen und hat überlegt, auf wie vielen seine Silberlöffel zu finden sind. „Es waren 93, aber das sind nur die, von denen wir es wirklich wissen.“

Doch halt! So möchte der Silberschmied Oliver Berking aus Flensburg seine Kundschaft eigentlich nicht dargestellt wissen: als Reiche. „Da reagiere ich allergisch drauf“, bellt Berking über den Tisch, ein umgearbeitetes Bootsdeck der klassischen Segelyacht „Sphinx“, und schickt die genehme Beschreibung des Käuferstamms gleich hinterher: „Unsere Kunden wollen alle etwas Zeitloses.“ Zur Taufe ein Löffel, über die Dekaden hinweg wird dann aufgestockt, bis zur Hochzeit sind Garnitur und Mitgift komplett.

Welten liegen zwischen dem Schauspiel und seinem Reetdachhaus

Es klingt wie ein Märchen aus guten alten Zeiten, von dem Berking erzählt, von reichgedeckten Tischen, auf dem brennende Kerzenleuchter stehen (Leuchter „Empire“, 9-lichtig, 74 Zentimeter, 22 900 Euro) und im Glase sanft der Schaumwein perlt (Champagneröffner, Vollsilber, 287 Euro). Sieht die Gegenwart nicht anders, greller aus, so wie in der Sat-1-Dokusoap „Der Wendler-Clan“? Darin sitzt die Familie des ebenfalls vermögenden Schlager-Stars Michael Wendler fein gemacht in Schlips und Kragen des Abends an der heimischen Tafel und genießt die Pizza Calzone direkt aus dem Karton.

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