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Olaf Koch : Zum Ausruhen keine Zeit

  • -Aktualisiert am

Auf schwieriger Mission: Metro-Konzernchef Olaf Koch Bild: dpa

Auf Olaf Koch, den neuen Metro-Vorstandsvorsitzenden, warten viele Baustellen. Er ist nicht unumstritten und wird sich erst noch beweisen müssen.

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          Die einen monieren, er sei kein Vollbluthändler, die anderen loben seine analytischen Stärken. Olaf Koch, der künftige Vorstandsvorsitzende des Düsseldorfer Metro-Konzerns, tritt am 1. Januar kein leichtes Amt an. Und das weiß er nur zu genau. Dass die vor wenigen Wochen getroffene Entscheidung des Aufsichtsrats nur äußerst knapp mit der zweiten Stimme des Aufsichtsratsvorsitzenden erfolgte, hat ihn durchaus bedrückt. Die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsgremium wollte lieber Vorstandsmitglied Joël Saveuse, den sturmerprobten Handelsprofi, an die Konzernspitze befördern. Dennoch hat er nicht das Gefühl, dass es einen Riss zwischen ihm und der Arbeitnehmerbank gibt. Es ging wohl mehr um die mit dem jeweiligen Kandidaten verknüpfte Strategie als um die Person selbst. Hätte knallharte Konfrontation gegen ihn geherrscht, hätte er die neue Aufgabe wohl nicht angenommen, wie er versichert.

          Umso mehr sucht Koch inzwischen das Gespräch mit der Belegschaft. Begriffe wie offener Dialog oder transparente Kommunikation zählen in diesen Tagen zu den meistbenutzten seines Wortschatzes. Nach seiner Auffassung lebt ein Unternehmen von der Vielfalt der Meinung, und zwar auch im Aufsichtsrat. Die ungewöhnlich vergiftete Atmosphäre, die in den vergangenen Wochen und Monaten in den Führungs- und Kontrollgremien von Deutschlands größtem Handelskonzern herrschte, hat bis tief in die Arbeitnehmerschaft abgestrahlt.

          Teamgeist vor allem im Vorstand gefragt

          Deshalb steht nach dem Führungschaos nun die Motivation der Mannschaft ganz oben auf seiner Agenda. Gemeinsam im Team wolle er das Unternehmen wieder nach vorn bringen, verspricht Koch. Teamgeist ist vor allem im Vorstand gefragt. Denn auf die Handelsexpertise von Managern wie dem Franzosen Saveuse oder dem Niederländer Frans Muller ist der bisher mehr als Zahlenmensch hervorgetretene neue Metro-Chef stark angewiesen. Sie auf seinen Kurs mitzunehmen und damit nach all dem Hauen und Stechen endlich wieder für störungsfreies Arbeiten zu sorgen ist eine seiner ganz großen Herausforderungen.

          Mit seiner Berufung haben sich die Großaktionäre zugleich dazu bekannt, die bisherige Strategie im Grundsatz fortzusetzen. Besonders die Aktionärsfamilie Haniel ist auf hohe Ausschüttungen und Sondererträge aus Verkäufen angewiesen. Auch Koch ist der Auffassung, dass Metro zwar viel Potential hat, die Transformation zu einem innovativen, kundenorientierten Handelsunternehmen aber noch längst nicht geschafft ist. Von seinem Vorgänger übernimmt er also eine Menge Baustellen.

          Ein Youngster mit exzellentem Ruf

          Zunächst muss er den Verkaufsprozess für die Tochtergesellschaft Galeria Kaufhof zu einem erfolgreichen Ende bringen. Wobei sein Vorgänger Cordes unlängst klargemacht hat, dass die Transaktion längst nicht so glatt laufen wird, wie es zunächst mit dem überraschenden Auftauchen des österreichischen Investors René Benko den Anschein hatte. Offen bleibt, was aus der zwischenzeitlich ebenfalls auf den Prüfstand gestellten SB-Warenhauskette Real wird. Zudem muss eine Lösung im verbiesterten Streit mit dem Media-Markt-Gründer Erich Kellerhals herbeigeführt werden, damit auch die einstige Ertragsperle des Konzerns, nämlich Media-Saturn, wieder in die richtige Spur kommt. Und mit großer Wahrscheinlichkeit stehen im Rahmen des Portfolioumbaus auch nachhaltige Korrekturen beim Zuschnitt der Konzernzentrale an.

          Der eher sachlich, aber durchaus selbstsicher wirkende Manager Koch, der sich bei Banken und Analysten einen exzellenten Ruf erworben hat, arbeitet erst seit gut zwei Jahren für Metro. Der 41 Jahre alte Youngster unter den Dax-Vorständen ist ein Weggefährte von Cordes aus früheren Daimler-Zeiten. Die Nähe zu seinem umstrittenen Vorgänger war im Übrigen ein wesentlicher Punkt, der ihm von Kritikern bei der Kür des neuen Metro-Chefs entgegengehalten wurde.

          Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn schrieb der in Bad Soden geborene Betriebswirt Computer-Fachbücher. Die von ihm gegründete Firma IT-Networks arbeitete damals auch für den Stuttgarter Autokonzern, bis dieser Koch im Jahr 1999 zum Chef der E-Commerce-Sparte machte. Kurz darauf rückte er im Alter von nur 32 Jahren zum Finanzvorstand der Mercedes Car Group auf. 2007 verließ er den Konzern und heuerte für zwei Jahre bei dem Finanzinvestor Permira an, wo er die Beteiligungen an dem Luftfahrt-Dienstleister Jet Aviation und der Modemarke Hugo Boss betreute.

          Entspannung sucht der Liebhaber von Rock- und Popmusik gern beim Joggen im Grafenberger Wald nahe der Konzernzentrale. Das Wochenende hat der Vater dreier Kinder bisher stark der in seiner Wahlheimat Stuttgart lebenden Familie gewidmet. Dieses Zeitbudget wird die schwierige Mission bei Metro gewiss beschneiden. „Zum Ausruhen werden wir keine Zeit haben“, lautete denn auch eine der Botschaften, die er vor wenigen Wochen nach seiner Berufung an die leitenden Mitarbeiter gerichtet hat.

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