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Nordsee-Restaurants : „Fisch macht sexy“

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Hiltrud Seggewiß engagiert sich seit dem Jahr 2000 ehrenamtlich für die Heiner-Kamps-Stiftung „Brot gegen Not“ Bild: Schoepal, Edgar

Hiltrud Seggewiß ist die Chefin der Nordsee-Restaurants. Sie spricht über gesunden Fisch, fettige Remoulade und ihre junge Zielgruppe. Die ist nach ihrer Aussage um die 40.

          5 Min.

          Frau Seggewiß, wie viele der Fische, die Sie in Ihren Nordsee-Restaurants verkaufen, stammen heute noch aus der Nordsee?

          Das sind nur noch vier Prozent. Dazu zählt Seezunge, Scholle, Hering, Seeteufel. Der größte Teil der Fische kommt mittlerweile aus anderen Ländern und anderen Meeren.

          Früher hatte Nordsee eine riesige Fischfangflotte.

          Ja, aber eigene Schiffe haben wir schon seit 1986 nicht mehr. Wir sind heute vor allem eine Restaurantkette. Und unser Fisch kommt von überall her. Unser meistgegessener Fisch, der Alaska Seelachs, stammt zum Beispiel aus Fanggebieten in der Beringsee. Er steckt unter anderem in unseren Backfisch-Brötchen.

          Besteht da nicht die Gefahr, dass der Alaska Seelachs aus den Meeren weggefischt wird?

          Wegen uns eher nicht. Wir sind zwar einer der größten Fischverkäufer Deutschlands. Aber von den drei Millionen Tonnen Alaska Seelachs, die weltweit im Jahr gefangen werden, gehen nur 2900 Tonnen an Nordsee. Das ist ein verschwindend geringer Anteil. Außerdem gibt es in der Beringsee sehr gute Bestände und keine Probleme, dass die Fische nicht mehr nachkommen.

          Das sieht Greenpeace anders.

          Zu Unrecht. Man muss genau hinschauen. Das sehen Sie beim Kabeljau. Der Kabeljau in der Nordsee ist gefährdet, der in der Ostsee nicht. Dort hat man im letzten Jahr schon über Überbestände geklagt. Man muss immer im Auge behalten, wo der Fisch herkommt.

          Mancher Fisch ist aber überall selten geworden. Welches Fischgericht mussten sich die Deutschen schon abgewöhnen, weil der Fisch gefährdet war?

          Zum Beispiel die Schillerlocke, das ist ein geräuchertes Stück Dornhai, den man früher gern gegessen hat. Der Dornhai ist aber vom Aussterben bedroht. Deshalb gibt es bei Nordsee seit einigen Jahren keine Schillerlocken mehr.

          Und was haben wir uns angewöhnt?

          Alaska Seelachs. Und Pangasius.

          Kommen wir mal zu Ihren Restaurants. Junge Leute gehen heute eher zu McDonald’s statt zu Nordsee, habe ich den Eindruck. Wie alt sind Ihre Kunden?

          Das hängt von der Filiale ab. Dort, wo wir mit unseren Snackfenstern direkt an der Straße verkaufen, sind die Kunden vergleichbar zu McDonald’s, also jünger. Die Menschen, die in unsere Restaurants gehen, sind eher älter.

          Was heißt das?

          50 plus im Durchschnitt und sehr treue Stammkunden.

          Woran liegt es, dass die Jungen nicht zu Nordsee kommen?

          Das ist so nicht richtig. Die Jungen bevorzugen Snacks to go. Eine Studie hat außerdem gezeigt: Ab 40 fangen viele Menschen an, darüber nachzudenken, wie sie sich gesund ernähren. Und Fisch ist eben gesünder als der Burger.

          Wirklich? So ein Backfisch mit Remoulade ist doch genauso ungesund wie ein Cheeseburger.

          Das ist unseren Gästen durchaus bewusst. Wir bieten alternativ auch Salate an und Lachs, der auf der Haut gebraten ist.

          Aber das sind nicht die Massenprodukte.

          Nein, die Leute wollen lieber das Herzhafte. Das ist wie bei McDonald’s. Dort zeigt man in der Werbung Salate und Heidi Klum - im Restaurant wird aber der Burger verzehrt. Bei uns essen die meisten Menschen nicht Dorade mit Ratatouille, sondern den panierten Alaska Seelachs mit Bratkartoffeln.

          Bilderstrecke

          Also doch nicht gesund?

          Ungesund muss das nicht sein. Wenn man dazu ein Glas Wasser trinkt statt eines halben Liters Cola und sich entsprechend bewegt, ist alles gut. Und, wie gesagt, wir haben viele frische Alternativen im Angebot.

          Es gibt eine Menge junger Leute, die für viel Geld in Biomärkten einkaufen. Wieso gehen die nicht zu Nordsee?

          Man darf nicht vergessen: Pizza mag jeder, Nudeln mag jeder. Fisch nicht. McDonald’s, das muss man neidlos anerkennen, hat ein geniales Konzept, um Kinder anzusprechen. Das ist aber nicht meine Stoßrichtung.

          An wen wollen Sie ran?

          Ich wende mich an die Menschen in den Vierzigern. Mit ihnen verjünge ich Nordsee schon.

          Wie wollen Sie das schaffen? Mit Ihrer Werbekampagne, die halbnackte schöne Menschen zeigt?

          Ja, die Werbekampagne „Fisch macht sexy“ wendet sich gerade an Jüngere. Aber es geht auch darum, in die Restaurants zu investieren.

          Gute Idee. Viele davon sehen unterirdisch aus.

          Da gebe ich Ihnen recht. Früher war Nordsee ganz, ganz effizient eingerichtet. An manchen Standorten kann man das auch nicht ändern, das sind dunkle schlauchartige Räume mit Zweiertischen. Aber andernorts haben wir schon viel getan. Jedes Jahr investieren wir rund 20 Millionen Euro, um die Restaurants zu verschönern. Da gibt es dann Holzfußboden oder Holztische und große Schwarzweißfotos von Schiffen aus der Anfangszeit von Nordsee an den Wänden.

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