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Niantic-Chef John Hanke : Der Monsterjäger

John Hanke, Vorstandsvorsitzender von Niantic Bild: Reuters

Vom Kult um Pokémon Go profitiert nicht nur Nintendo, sondern auch das Spiele-Unternehmen Niantic. Der Chef John Hanke weiß, dass das Spiel auch Risiken birgt.

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          Der sagenhafte Erfolg des Smartphone-Spiels „Pokémon Go“ gilt als großer Wurf für den japanischen Nintendo-Konzern und hat ihm einen enormen Kursschub an der Börse beschert. Aber Nintendo ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen, das bei der Entstehung von Pokémon Go mitgewirkt hat und nun davon profitiert.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Entwickelt wurde das Spiel in erster Linie vom kalifornischen Unternehmen Niantic. Dessen Vorstandsvorsitzender John Hanke hat sich in seiner Karriere nicht nur mit Videospielen beschäftigt, sondern auch mit Kartendiensten, und Pokémon Go führt diese beiden Gebiete zusammen. Das Spiel schickt seine Nutzer auf eine Art Schnitzeljagd, bei der sie in der realen Welt mit ihren Smartphones umherlaufen und dabei virtuelle Monster fangen sollen, die an bestimmten Orten auf dem Bildschirm erscheinen.

          Pokémon Go nutzt die Ortungsfunktion des Handys und ist ein Beispiel für sogenannte „Augmented Reality“, bei der die reale Umgebung mit digitalen Elementen, in diesem Fall den Pokémon-Figuren, überlagert wird. Das Spiel wurde in kurzer Zeit häufiger heruntergeladen als die Partnervermittlungs-App Tinder, die Nutzer verbringen mehr Zeit am Tag damit als in sozialen Netzwerken wie Facebook oder Snapchat.

          Dem 49 Jahre alten Hanke ist es gelungen, aus dem Stand ein Massenphänomen zu schaffen, das sich erheblich vom traditionellen Verständnis von Videospielen unterscheidet. Das Spiel zwingt seine Nutzer, nach draußen zu gehen, anstatt zu Hause vor einem Bildschirm zu sitzen. Und es beeinflusst, wie Menschen sich in der Öffentlichkeit verhalten, mal auf gute, mal auf beunruhigende Art und Weise.

          „Überwältigend“

          Es bringt seine Nutzer in Kontakt mit Gleichgesinnten, die ebenfalls gerade auf der Jagd nach virtuellen Monstern sind und denen sie andernfalls womöglich nie begegnen würden. Das Spiel kann freilich auch dazu verführen, achtlos in der Gegend herumzulaufen und sich damit gefährlichen Situationen auszusetzen.

          In jedem Fall hat es Hanke einige turbulente Wochen beschert. Er sagt der Zeitschrift „Time“, der Rummel um Pokémon Go sei „überwältigend“ und habe bei ihm einen „Adrenalinschub“ ausgelöst. Sein Unternehmen dürfte außerdem wie Nintendo innerhalb weniger Wochen um einiges wertvoller geworden sein. Da Niantic nicht an der Börse notiert ist, ist das nur etwas schwieriger nachzuprüfen als für den japanischen Großkonzern.

          Niantic existiert erst seit knapp einem Jahr als unabhängiges Unternehmen. Vorher gehörte der Spieleanbieter zum Internetkonzern Google, wo er 2010 als Unternehmenseinheit unter der Führung von Hanke entstand. Dort tauchten die Pokémon-Figuren 2014 schon einmal kurzzeitig im Rahmen eines Aprilscherzes auf. Nutzer des Kartendienstes Google Maps wurden damals animiert, auf die Jagd nach den Monstern zu gehen.

          Nintendo und die Pokémon Company an Bord geholt

          Die Aktion war zwar als Spaß gedacht, kam aber glänzend an, und Hanke fühlte sich ermutigt, die Idee zu einem echten Spiel weiterzuentwickeln. Er holte dazu Nintendo sowie die Pokémon Company an Bord, die das Lizenzgeschäft der Monsterfiguren verwaltet. 2015 wurde Niantic dann im Zuge der Verwandlung von Google in die Alphabet-Holding abgespalten, womit es nach Hankes Darstellung leichter wurde, Partnerschaften mit anderen Unternehmen einzugehen. Kurz danach wurden Nintendo und die Pokémon Company zu Investoren. Sie beteiligten sich ebenso wie Google an einer Finanzierungsrunde, die Niantic bis zu 30 Millionen Dollar bringen sollte.

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