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„News of the World“ : Rupert Murdochs Eiserne Lady

  • -Aktualisiert am

Rebekah Brooks Bild: AFP

Folgt auf einen spektakulären Aufstieg nun der tiefe Fall? Managerin Rebekah Brooks gerät nach der Einstellung des britischen Skandalblatts „News of the World“ ins Zwielicht.

          3 Min.

          Rebekah Brooks hat einen Sinn für Dramatik. Mit Tränen in den Augen verkündete sie den schockierten Mitarbeitern von „News of the World“ , an diesem Wochenende werde Großbritanniens populärste Sonntagszeitung das letzte Mal erscheinen. Sie hatte es sich nicht nehmen lassen, die schockierende Nachricht persönlich gegenüber der Redaktion zu verkünden. „Wäre Brooks am Montag zurückgetreten, hätten 200 Mitarbeiter ihre Jobs behalten und die Zeitung könnte weiter erscheinen“, lautete die verbitterte Kritik von einigen Verlagsangestellten nach ihrem jüngsten Auftritt. Ob dies wirklich zugetroffen hätte, ist jedoch fraglich.

          Aber selbst der britische Premierminister David Cameron, dessen Bekanntschaft die machtbewusste Medienchefin intensiv pflegte, sagte am Freitag: „Es wird berichtet, dass sie in dieser Situation ihren Rücktritt angeboten hat – ich hätte ihn angenommen.“ Brooks war von 2001 bis 2003 Chefredakteurin von News of the World. Der zurückgetretene und mittlerweile festgenommene ehemalige Pressechef von Cameron, Andy Coulson, ihr Stellvertreter. Es war die Zeit, in der der Reporter Clive Goodman und Privatdetektiv Glenn Mulcaire systematisch von Journalisten der Redaktion beauftragt wurden, mit eindeutig kriminellen Methoden Exklusivinformationen zu besorgen: von Stars, Sternchen, Mitgliedern der königlichen Familie und schlimmer noch, von Opfern wie dem – später ermordet aufgefundenen – Mädchen Milly Dowler oder gar Familienangehörigen von im Irak- und Afghanistan-Krieg gefallenen Soldaten.

          Resolut und karrierebewusst

          Dabei scheuten die mittlerweile verurteilten Goodman und Mulcaire nicht davor zurück, illegal Telefone ihrer Opfer abzuhören. Und unter der Leitung von Brooks wurde offenbar auch die Polizei für Informationen bezahlt. Die feurig rot gelockte ehemalige Starjounalistin beteuert indessen ihre Unschuld. Dabei fällt auf, dass sie es schon bei einer früheren parteiübergreifenden Untersuchung wegen der Abhöraffäre geschickt verstand, Anhörungen auszuweichen. Sie trieb dies so weit, dass gar erwogen wurde, sie offiziell vorzuladen.

          Aus nach 168 Jahren : „News of the World“wird eingestellt

          Im März 2003 gab sie gegenüber einem parlamentarischen Ausschuss zu, dass ihre Redaktion die Polizei für Informationen bezahlt habe. In der Regel wissen Chefredakteure – vor allem bei Exklusivgeschichten – sehr genau, woher die Informationen ihrer Redakteure stammen. Es gehört zur zentralen Aufgabe von Chefredakteuren, zu entscheiden, mit welchen Methoden sich Redakteure Informationen im Wettbewerb mit der Konkurrenz beschaffen dürfen und welcher berufliche Ethos dabei einzuhalten ist.

          Brooks ist für ihren resoluten und sehr karrierebewussten Aufstieg im Murdoch-Imperium bekannt. Von ihm selbst wird sie angeblich wie eine Tochter behandelt. Schon als Vierzehnjährige wollte die nordenglische Schülerin Journalistin werden. Sie arbeitete zunächst bei Lokalzeitungen. Nach einem Abstecher in Paris heuerte sie 1989 bei News of the World als Sekretärin an, wechselte dort in die Redaktion und arbeitete sich in rasanter Geschwindigkeit zur stellvertretenden Chefredakteurin hoch: sie war gerade erst 27 Jahre alt. 1998 wurde sie zur stellvertretenden Chefredakteurin von Murdochs täglichem Boulevardblatt, der „Sun“, benannt, nur um zwei Jahre später als Chefredakteurin zur News of the World zurückzukehren.

          Weder beruflich noch privat zimperlich

          Es war ein spektakulärer Aufstieg: sie war nicht nur die erste Frau in der Spitzenposition eines Boulevard-Blattes. Alle anderen Chefredakteure waren zudem älter als sie. Drei Jahre später wechselte sie als Chefredakteurin zur Sun, die sie leitete, bis Murdoch sie vor zwei Jahren zur Vorstandsvorsitzenden von News International ernannte.

          Brooks ist nicht zimperlich, weder mit ihren Geschäftsmethoden, noch mit ihrem Privatleben. Selbst vom Polizeichef von Gloucestershire, Tony Butler, wurde ihre Kampagne bei News of the World, Adressen von Sexualtätern in der Zeitung zu veröffentlichen als „völlig verantwortungslos“ kritisiert. Bis heute hat sie diese Hetzkampagne nicht bereut, als deren Folge unschuldige Menschen auf offener Straße verprügelt wurden.

          Ihren ersten Ehemann, den Schauspieler Ross Kemp, hat sie im November 2005 in einem Ehekrach so geschlagen, dass sie festgenommen wurde. Mittlerweile ist sie mit dem Pferdetrainer Charlie Brooks verheiratet. Zur Hochzeit erschienen der damalige Premierminister Gordon Brown und Nachfolger David Cameron. Ob ihr die Sonderbehandlung durch Murdoch und die Nähe zur politischen und sozialen Elite des Landes noch lange hilft, ist fraglich.

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