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Neuer Wirbel : Gerüchte um Haftbefehl für Thomas Middelhoff

  • -Aktualisiert am

Gegen Thomas Middelhoff wurde Haftbefehl beantragt Bild: dpa

Eine Gerichtsvollzieherin soll einen Haftbefehl beantragt haben, um den ehemalige Arcandor-Chef zu einer Vermögensauskunft zu zwingen.

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          Für den ehemaligen Bertelsmann- und Arcandor-Vorstandsvorsitzenden Thomas Middelhoff wird es immer ungemütlicher. Nun soll eine Gerichtsvollzieherin am Freitag beim Amtsgericht Essen einen Haftbefehl gegen ihn beantragt habe. Damit soll Middelhoff zur Abgabe einer sogenannten Vermögensauskunft - früher Offenbarungseid genannt - gezwungen werden. Das berichtete am späteren Freitagnachmittag der Spiegel in seiner Online-Ausgabe. Beim Amtsgericht Essen war niemand mehr zu einer Stellungnahme zu erreichen.

          Middelhoff steht derzeit in Essen vor Gericht und ist daher dort regelmäßig persönlich zugegen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm in dem laufenden Prozess vor, Arcandor mit Privatflügen auf Firmenkosten einen Schaden von rund 945.000 Euro zugefügt zu haben. So sei er unter anderem mit dem Hubschrauber von seinem Bielefelder Wohnsitz zur Essener Firmenzentrale geflogen, auch soll er private Flüge auf Firmenkosten abgerechnet haben, lautet der Vorwurf.

          Im Rahmen dieses langwierigen Untreue-Prozesses hatte der ehemalige Top-Manager zuletzt vor zwei Tagen während einer Verhandlungspause eine sogenannte Taschenpfändung über sich ergehen lassen müssen. Sein ehemaliger Geschäftspartner Roland Berger hatte ihm einen Gerichtsvollzieher geschickt. Laut Spiegel habe Middelhoff in einem Aktenraum seine Taschen öffnen müssen. Er habe allerdings nur 100 Euro dabei gehabt und damit unter der Pfändungsgrenze gelegen. Uhr und Handy seien ihm geblieben, weil Berger auf diese Preziosen verzichtet haben soll, wird berichtet. Berger will rund 6,8 Millionen Euro zurück. Die strittige Summe hatte Berger Middelhoff vorgestreckt, nachdem die beiden Geschäftspartner im Jahr 2008 gemeinsam mit dem Investmentbanker Florian Lahnstein den Finanzinvestor BLM mit Sitz in London gegründet hatten.

          Middelhoffs Anwalt ist kein Antrag auf Haftbefehl bekannt

          Allerdings machen auch die Insolvenzverwalter des 2009 zusammengebrochenen Warenhaus- und Touristikkonzerns einen Anspruch von 3,4 Millionen Euro geltend. Auch in diesem Fall sollte Middelhoff am vergangenen Mittwoch seine Vermögenslage erklären. Er sei zu dem anberaumten Termin mit der Gerichtsvollzieherin aber nicht erschienen, heißt es, und zwar mit der Begründung, die übliche Berufshaftpflichtversicherung für Leitungs- und Aufsichtspersonen käme für mögliche Schadenersatzansprüche gegen ihn aus seiner Zeit an der Arcandor-Spitze auf. Angeblich soll bis zum Freitagnachmittag keine entsprechende Bestätigung der Versicherung vorgelegen haben, so dass die Gerichtsvollzieherin jetzt entsprechende Konsequenzen gezogen habe. Sollte Middelhoff die Vermögensauskunft verweigern, könnte das Gericht Erzwingungshaft verhängen. Soweit dürfte es der inzwischen in St. Tropez domizilierende Manager aber vermutlich kaum kommen lassen. Middelhoffs Anwalt Winfried Holtermüller war am Freitag von einem Antrag auf Haftbefehl nichts bekannt. Ein solcher Schritt wäre aus seiner Sicht auch „eklatant unbegründet“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Die Managerversicherung habe eine belastbare Zahlungszusage abgegeben. Das Schreiben sei bereits unterwegs. Zu einer Verhaftung könne und dürfe es nicht kommen.

          Über Middelhoffs finanzielle Lage wird seit langem munter spekuliert. So verlangt auch sein früherer Vermögensverwalter, der Kölner Immobilienentwickler Josef Esch, Geld im Zusammenhang mit einer Luxusyacht in Südfrankreich von ihm. Esch soll aber bisher von einer endgültigen Zwangsvollstreckung abgesehen haben und zu weiteren Vergleichsverhandlungen bereit sein. An diesem Freitag, dem 13., waren auch Esch und der ehemalige Gesellschafter des in den Strudel der Arcandor-Pleite geratenen Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim als Zeugen geladen. Mitte der Woche hatte das Gericht schon die ehemalige Arcandor-Großaktionärin Madeleine Schickedanz in den Zeugenstand gerufen. Sie hat freilich vehement bestritten, Middelhoff seinerzeit einen Freibrief für private Flüge auf Firmenkosten gegeben zu haben. „Wie komme ich dazu“, sagte sie am Mittwoch. Allerdings relativierte sie, dass die näheren Konditionen des Vertrages mit Middelhoff von Esch übernommen worden seien.

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