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Neuer UBS-Chef Sergio Ermotti : Der Banker aus dem Tessin

  • Aktualisiert am

Sergio Ermotti Bild: REUTERS

Nach dem Rücktritt von Oswald Grübel übernimmt der Tessiner Sergio Ermotti das Ruder beim größten Schweizer Bankhaus UBS. Zunächst kommissarisch, aber wenn er seine Sache gut macht, fällt ihm der Posten wohl auf Dauer zu.

          Er macht schneller Karriere als er es wahrscheinlich selbst wollte. Sergio Ermotti, seit April Europa- und Nahost-Chef der UBS, übernimmt nach dem Rücktritt von Oswald Grübel das Ruder beim größten Schweizer Bankhaus. Der 67-jährige Grübel hatte am Samstag die Verantwortung für den milliardenschweren Handelsskandal übernommen und seinen Rücktritt als Vorstandschef eingereicht.

          Als Ermotti im Dezember vergangenen Jahres mit der UBS handelseinig wurde, hatte er den Chefposten wohl schon im Auge. Er konnte aber annehmen, dass er sich mindestens bis 2012 bei der Bank würde einarbeiten können. Nun muss Ermotti zunächst als Interims-Chef in die Fußstapfen Grübels treten und die Großbank wieder in ruhigeres Fahrwasser steuern. Macht er seine Sache in den nächsten Monaten gut, fällt ihm der Job wohl auf Dauer zu.

          Ermotti kennt die Vermögensverwaltung wie auch das Investmentbanking. Und mit 51 Jahren steht der Tessiner für den vom designierten UBS-Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber ausgerufenen Generationswechsel an der Spitze der Bank.

          Ermotti kam von der italienischen Großbank UniCredit zur UBS. Dort war er 2005 zu einem Zeitpunkt eingetreten, als die Italiener gerade die Bayerische Hypo- und Vereinsbank (HVB) übernommen hatten. Als Chef der Bereiche Corporate and Investmentbanking und später auch für das Vermögensverwaltungsgeschäft trug Ermotti dazu bei, dass bei der HVB aufgeräumt wurde, bevor die Finanzkrise hochkochte. Davor hatte er 18 Jahre für die amerikanische Bank Merrill Lynch gearbeitet. Bei der Besetzung des Chefposten bei UniCredit kam er im letzten Jahr dann nicht zum Zug.

          Wie Grübel begann Ermotti seine Bankkarriere schon in jungen Jahren mit einer Lehre. Später kam ein Management-Programm der Oxford University dazu. Seine erste Finanzanlage in Form einer Anleihe tätigte er bereits als Teenager, wie er der Nachrichtenagentur Reuters im letzten Jahr in einem Interview erzählte. Als Schweizer fährt er Ski und das am liebsten im mondänen St. Moritz. Der zweifache Vater gilt auch als leidenschaftlicher Fußballfan. Als er für UniCredit arbeitete wohnte er im Tessin und pendelte von dort nach Mailand und München.

          Wie Investoren und Anleger auf Ermotti reagieren wird die Börse am Montag zeigen. Während Helvea-Analyst Peter Thorne von einer guten Nachricht und Ermotti als dem offensichtlichen Kandidaten sprach, gab es auch skeptische Stimmen. Er bezweifle, ob der Tessiner das nötige Gewicht für das Amt mitbringe, sagte etwa Mediobanca-Analyst Chris Wheeler. Seiner Einschätzung nach dürfte ihn der Markt mit wenig Enthusiasmus empfangen.

          UBS-Präsident Kaspar Villiger bezeichnete Ermotti als starken Kandidaten für die Dauernachfolge. Ob Investmentbank-Chef Karsten Kengeter nach dem milliardenschweren Handelsskandal noch im Rennen sei, wollte Villiger nicht sagen. UBS will auch außerhalb der Bank nach Kandidaten für den Chefposten Ausschau halten.

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