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Neuer Suchmaschinen-Chef : Mehr künstliche Intelligenz für Google

John Giannandrea Bild: Google

Die Suchmaschine des Internetkonzerns weiß nicht nur viel. Sie soll künftig stärker von selbst dazulernen können. Das ist die neue Aufgabe von John Giannandrea.

          3 Min.

          Der amerikanische Internetkonzern Google hat sich vor einigen Monaten in die Holdinggesellschaft Alphabet verwandelt. Das Produkt, das den Internetgiganten so erfolgreich gemacht hat, die Google-Suchmaschine, gibt damit also nicht mehr dem ganzen Konzern seinen Namen. Alphabet versteht sich nun vielmehr als ein Verbund von sehr unterschiedlichen Geschäften, und Google ist eines davon. Und doch bleibt die Google-Suche eine Goldgrube, sie hat eine überragende Bedeutung für den Konzern. Gäbe es die Suchmaschine und die mit ihr verbundenen Werbeumsätze nicht, dann könnte sich Alphabet all die schicken und teils sehr futuristischen Projekte wie selbstfahrende Autos nicht leisten. Alphabet tut also gut daran, die Suchmaschine immer besser zu machen, um sie als populäre Anlaufstelle für Internetnutzer zu erhalten.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Dass dem auch so ist, signalisiert ein jetzt angekündigter Managementwechsel. Amit Singhal, ein hochrespektierter Google-Veteran, der seit 15 Jahren im Unternehmen war, wird die Verantwortung für die Suchmaschine abgeben und den Konzern verlassen. An seine Stelle rückt der 50 Jahre alte John Giannandrea, der bislang für Googles Initiativen rund um künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen zuständig war. Die in seiner Berufung steckende Botschaft ist klar: Die Google-Suche soll intelligenter werden. Das heißt mehr als nur die in sie eingespeisten Algorithmen zu verfeinern. Die Suchmaschine soll in der Lage sein, sich selbständig durch maschinelles Lernen besser zu machen. Der Zeitschrift „Fortune“ sagte Giannandrea kürzlich: „Computer sind bemerkenswert dumm. Ein Computer ist wie ein vier Jahre altes Kind.“

          Sein Ziel wird es nun sein, das mit Blick auf die Suchmaschine von Google zu ändern. Die Google-Suche soll noch mehr wie der von Singhal in seiner Abschiedsnotiz angesprochene Computer aus der Filmreihe „Star Trek“ werden, der Captain Kirk intelligente Antworten gegeben hat.

          Die Google-Suche hat sich in den vergangenen Jahren schon erheblich gewandelt. Traditionell hat sie sich auf Listen mit Links zu anderen Internetseiten beschränkt. Diese Listen werden im Idealfall vom Google-Algorithmus so geordnet, dass die für den Nutzer relevantesten Inhalte ganz oben stehen. Aber mittlerweile gibt die Suchmaschine oft auch direkt Antworten auf Fragen, etwa wer das Staatsoberhaupt oder was die Hauptstadt eines Landes ist. In dem Fall wird ein Weiterklicken auf andere Internetseiten unnötig. Google liefert zum Beispiel auch direkt Rezepte auf Fragen, wie man ein bestimmtes Gericht zubereitet. Und für manche Anfragen erscheint oberhalb oder seitlich der gewohnten Links ein ganzer Katalog von Informationen. Wer „Spaghetti“ eingibt, bekommt zum Beispiel Nährwerte und nahegelegene italienische Lokale zu sehen. Wer nach einem Schauspieler sucht, kann biographische Daten oder Zitate sehen sowie andere Personen, nach denen Nutzer oft suchen.

          Hinter diesen Antworten steckt oft der sogenannte „Knowledge Graph“ („Wissensgraph“), mit dem Google seinen Nutzern schneller gewünschte Informationen geben will. Google hat auch andere Technologien in die Internetsuche integriert, zum Beispiel das lernende System „Rank Brain“. Allgemein ist vom Google-Management immer häufiger zu hören, wie wichtig maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz quer durch die Produktpalette von der Internetsuche über Werbetechnologie bis hin zur Videoseite Youtube sein wird. Finanzvorstand Ruth Porat sagte gerade bei der Vorlage von Quartalszahlen, einige der ambitioniertesten Projekte des Alphabet-Konzerns seien innerhalb der Google-Sparte angesiedelt, und sie nannte maschinelles Lernen als Beispiel.

          Es wird nun an Giannandrea sein, seine Erfahrungen mit künstlicher Intelligenz der Suchmaschine zugute kommen zu lassen. Der gebürtige Schotte ist seit 2010 bei Google, als der Konzern das von ihm mitgegründete Unternehmen Metaweb Technologies kaufte. Die Technologie von Metaweb ist schon in den „Knowledge Graph“ der Google-Suche eingeflossen. Vor der Gründung von Metaweb hat Giannandrea für einige andere bekannte Technologieadressen gearbeitet, zum Beispiel in den neunziger Jahren für Netscape, den Anbieter des gleichnamigen und damals populären Internetzugangsprogramms. In seinem Profil auf dem Karrierenetzwerk Linkedin steht eine schmeichelhafte Empfehlung eines früheren Kollegen, der ihn bei seinen Initialen nennt und ihm „weitreichende Vision“ bescheinigt. „Ich habe festgestellt, dass es drei Arten von Ingenieuren gibt...diejenigen, die für JG arbeiten wollten, diejenigen, die mit JG arbeiten wollten und diejenigen, die JG sein wollten.“

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