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Neuer Rekord : Deutschland hat so viele Vereine wie nie zuvor

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Ein anderes Ergebnis von ZiviZ scheint den Befund zu stützen: Fast ein Drittel der Organisationen habe erklärt, die Zahl der Interessierten sei in den vergangenen fünf Jahren gestiegen, nur 10 Prozent hätten von einem kleiner werdenden Engagement berichtet. Dafür gelinge es immer seltener, junge Mitglieder an die Organisationen zu binden.

Erschwerte Mitwirkung von Ehrenamtlichen

20.000 Organisationen hatten die Forscher für „ZiviZ“ angeschrieben, befragt und aus den 3800 Antworten unbekannte Strukturdaten freigelegt und Veränderungen festgestellt. Die meisten Vereine, relativ zur Bevölkerung, gibt es im Saarland, die wenigsten in Hamburg. Zwei von drei Vereinen beschäftigen sich mit Sport, Kultur oder Freizeit. Doch die Bereiche Bildung/Erziehung, Gesundheit und soziale Dienste laufen ihnen bei den Neugründungen seit Jahren den Rang ab. Während in den neuen Ländern die Zahl der Vereine nach dem Mauerfall stark anstieg, stagnierten sie im Westen. Dafür legten Vermögende hier ihr Geld öfter in Stiftungen an. Jede zweite Stiftung oder gGmbH entstand seit dem Jahrhundertwechsel, gerade die gGmbHs sind oft im Sozialsektor aktiv. Die Forscher sprechen von einem „neuen Muster der gesellschaftlichen Selbstorganisation“.

Diese Veränderungen der Organisationsformen und die Professionalisierung haben Folgen für die Zivilgesellschaft. In einigen Bereichen haben die Professionellen, die für ihre Arbeit bezahlt werden, inzwischen ein starkes Gewicht. So ergab die Umfrage für den Bereich Soziales und Gesundheit 4,8 Millionen ehrenamtlich Engagierte, aber 1,4 Millionen bezahlte Beschäftigte. Gerade etwa in der Pflege erwarten die Kunden eine hohe fachliche Professionalität. Das wiederum erschwere die Mitwirkung Ehrenamtlicher, räumt Krimmer ein. Dies stelle die Organisationen vor Probleme. Auffällig ist, dass bei den Sozialen Diensten nur etwa die Hälfte derer, die sich dort engagieren, auch Mitglied in der Trägerorganisation sind.

Bei Kultur, Sport und Freizeit kommen dagegen 35.000 Beschäftigte auf fast 10 Millionen Ehrenamtliche, die in den Vereinen aktiv sind. Eine Quote von 1 zu 285. In Sportvereinen sei nur noch jedes vierte Mitglied „engagiert“, das heißt in der Vereinsorganisation aktiv. Immer mehr Leute seien an deren sportlichen Aktivitäten interessiert, nicht aber an den Pflichten eines Mitglieds. Der Sportverein trete stärker in Konkurrenz zu gewerblichen Sportangeboten.

Ganz anders dagegen die Lage bei den Katastrophenschützern: Bei Feuerwehren, Rettungsdiensten und Technischem Hilfswerk sind mehr als drei von vier Mitgliedern auch tatsächlich im Verein engagiert. In keinem anderen Bereich sind so viele junge Mitglieder mit Eifer dabei, jeder Siebte ist jünger als 18 Jahre. „Wir freuen uns darüber, dass wir das Interesse bei der jungen Generation wecken können“, erklärt Manfred Metzger vom Technischen Hilfswerk Berlin, Brandenburg, Sachsen-Anhalt. Aber das reiche nicht. Deshalb habe man „inzwischen Programme aufgesetzt, die sich an ältere Menschen, an Freiwillige mit Migrationshintergrund und vor allem an Frauen richten“.

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