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Neuer Personalchef der Deutschen Bank : Stephan Leithner - der natürliche Aufsteiger

Stephan Leithner
          2 Min.

          Wer sich in der deutschen Finanzbranche nach Stephan Leithner erkundigt, hört nur Gutes. Sehr kompetent und sympathisch sei der Österreicher, analytisch stark und effizient. Kein Wunder, dass Leithner seit Monaten als ein Kandidat für den Vorstand der Deutschen Bank in der Zeit nach Ackermann gehandelt wurde. Allerdings hatte die Gerüchteküche Leithner eher in der Sparte Investmentbanking erwartet. Nun soll er stattdessen Vorstandsmitglied für Personal („Human Resources“) sowie für Recht und Aufsichtsfragen werden und zudem das Europa-Geschäft der Deutschen Bank mit Ausnahme ihrer Aktivitäten in Deutschland leiten. Das Geschäft in Deutschland wird weiterhin der designierte Co-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen leiten.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Der im Auftritt unprätentiöse Österreicher hat eine Modellkarriere absolviert. Nach seinem mit einem Doktortitel abgeschlossenen Studium in Sankt Gallen stieg er im Beratungsunternehmen McKinsey auf. Leithner sei ein typischer „Mackie“ geblieben, sagen Kollegen und spielen auf Eigenschaften wie Disziplin, Sachorientierung und Effizienz an. In der Bank berichtet er bisher an den anderen designierten Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain, doch gilt Leithner eher als ein Zögling Fitschens.

          Experte für internationale Unternehmen

          Leithner trägt derzeit den Titel „Co-Head Corporate Finance Division“, was in der Praxis heißt, dass er ein Experte auf dem Gebiet des internationalen Geschäfts mit Unternehmen ist und zahlreiche Finanzierungen sowie Fusionen und Übernahmen begleitet hat. Im Lauf der Jahre zählten zu seinen Kunden unter anderem BASF, Bayer, Continental und Fresenius. Beteiligt war er auch an der Übernahme des britischen Konkurrenten BOC durch den deutschen Gasehersteller Linde, mit der Linde zum Weltmarktführer in der Branche vorrückte. Leithner hat aber auch schon mit vielen Private-Equity-Gesellschaften und Hedgefonds zusammengearbeitet. In den vergangenen 18 Monaten hielt er sich zudem häufiger in Griechenland und Portugal auf, wo die Deutsche Bank Potential im Beratungsgeschäft bei Privatisierungen verortete.

          Jede Investmentbank hat eigene interne „Rennlisten“ über ihre Stellung im Markt. Dass die Deutsche Bank den deutschen Markt für Investmentbanking dominiert, würde aber kein Wettbewerber bestreiten wollen. Insofern kann man Leithner als den bislang wichtigsten Investmentbanker in Deutschland bezeichnen. Die vielen Kundenkontakte, die er sich in seiner Karriere bislang erarbeitet hat, sollen der Bank weiterhin viel Nutzen bringen.

          Merkwürdige Position

          Leithners neue Position mag auf den ersten Blick etwas merkwürdig anmuten, weil sie die Zuständigkeit für die Bereiche Personal, Recht und Aufsichtsfragen, die man nach landläufiger Meinung vielleicht am ehesten mit einem kompetenten „Bürohengst“ besetzen würde, mit der Tätigkeit eines Geschäftsleiters mit regionaler Zuständigkeit verknüpft, die man eher einem „Außendienstler“ anvertrauen würde. Leithner wird also sehr unterschiedliche Aufgaben miteinander verbinden müssen. Mit dieser neuen Funktion werden auch Unterschiede zwischen dem Führungsmodell Ackermanns und dem seiner beiden Nachfolger deutlich.

          Unter Ackermann war die Bank nach Einschätzung von Beobachtern in „Silos“ unterteilt, die häufig nebeneinander gearbeitet haben - wobei zu berücksichtigen bleibt, dass die Bank in der Ägide des Schweizers mit diesem Modell insgesamt erfolgreich war. Fitschen und Jain scheinen ein anderes Modell zu bevorzugen, in dem hohe Führungskräfte regionale Verantwortungen im aktiven Bankgeschäft mit Verantwortung in der „Infrastruktur“ des Hauses verbinden sollen, zu der etwa die Bereiche Personal, Informationstechnologie und Recht gehören. Leithner ist ein Vertreter jener nächsten Generation von Managern, die diese Herausforderungen bewältigen sollen.

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