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Rassismusdebatte : Je suis Neger

Das Logo des Dachdeckerbetriebs zeigt einen stilisierten „Mohr“. Bild: dpa

Das Logo des Mainzer Dachdeckers Thomas Neger spaltet die Netzgemeinschaft. Während die einen „Gegen die Hetzer von Thomas Neger“ sind, fordern die anderen „ein Herz für Neger“.

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          Der Mainzer Klempnermeister Thomas Neger hat es bis in die „Washington Post“ geschafft. Nicht etwa, weil sein 14-Mann-Betrieb den Bau von Metalldächern revolutioniert hätte. Auch nicht, weil sein Großvater Ernst Neger, der „singende Dachdeckermeister“, als Fastnachter nach dem Krieg mit seinem „Heile, heile Gänsje“ die Menschen zu Tränen rührte. Was die Zeitung aus der amerikanischen Hauptstadt und immer mehr Menschen in den sozialen Medien umtreibt, ist die Frage, ob der Unternehmer Thomas Neger ein Rassist ist.

          Bernd Freytag

          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Ludwigshafen.

          Stein des Anstoßes ist das Logo der Firma - ein stilisierter „Mohr“ mit großen Ohrringen, schwulstigen Lippen und Schieferhammer in der Hand -, das sein Großvater vor 60 Jahren entworfen hat. Einst eine werbeträchtige wie bedenkenlose Reminiszenz an den Familiennamen, stoßen sich heute immer mehr Menschen an dem „Neger“ auf den Bauwagen. Seit Unbekannte in Mainz Aufkleber verteilten und Thomas Neger darin als Rassisten brandmarkten, ist der Streit vollends eskaliert: Thomas Neger hat Strafanzeige erstattet. Die Auseinandersetzung findet vor allem in den sozialen Netzen statt.

          Die Fronten auf Facebook sind verhärtet

          Nach einem Antrag des Grünen-Politikers Felix Schmitt hatte Facebook das Logo zwischenzeitlich sogar von seiner Seite genommen. „Da isses wieder, Herr Schmitt“, postete Thomas Neger am Ostermontag, seither nämlich ist es wieder da. Die Unterstützung im Netz hat Neger trotzig gemacht. War er anfangs angeblich noch bereit, seine Haltung zu überdenken, lautete heute sein Statement: Das Logo bleibt. Neger, selbst Fastnachtssänger, sitzt als CDU-Vertreter im Stadtrat und ist in Mainz gut im Geschäft.

          Die Auseinandersetzung ist längst über die Provinzposse hinausgewachsen. Auf der einen Seite kämpfen Studenten des Ethnologieprofessors Matthias Krings mit ihrer Kampagne „Das Logo muss weg“. Die Hochschulgruppe „People of Colour“ berichtet, dass sie nach einer Fotoaktion bedroht und beschimpft worden sei. Auf der anderen Seite haben Negers Unterstützer gleich zwei Facebook-Seiten ins Leben gerufen: „Gegen die Hetzer von Thomas Neger“ die eine, „ein Herz für Neger“ die andere. Ob gewollt oder nicht, sie fischen damit im Trüben: „Wäre Ihre Firma hier in Thüringen ansässig, würde ich Sie sofort mit der Neudeckung meines Daches beauftragen“, schreibt Horst Weber mit dem Logo einer durchgestrichenen Moschee. Sogar „Je suis Neger“ ist zu lesen.

          Tatsächlich wird noch häufig mit Stereotypen geworben: Vom Voralberger Bier „Mohren“ bis zum Stadtwappen von Coburg. Der „Sarotti-Mohr“ von Stollwerk wurde 2004 runderneuert und wirbt seither mit goldner Haut als „Sarotti-Magier der Sinne“. In Mainz hätte es gar nicht so weit kommen müssen. Das Logo ist vermutlich auf eine falsche Namensinterpretation zurückzuführen. Nach den Worten des Sprachwissenschaftlers Jürgen Udolph existiert zwischen dem Worte Neger für schwarze Menschen und dem gleichlautenden Familiennamen keine Verbindung. Der Name Neger sei eine mundartliche Variante von Näher.

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