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Negatives Image : Woran Top-Manager scheitern

Der Österreicher Peter Löscher musste bei Siemens auch gehen, weil er nie den Ruf des Heimatlosen Technokraten abgelegt hat. Bild: REUTERS

Reputation wird Berufsrisiko: Ein Knacks am Image kann das Ende der Karriere bedeuten – selbst dann, wenn die Leistung stimmt.

          Wie wird man einen ungeliebten Vorstandschef los? Dazu lieferte der Münchner Siemens-Konzern vor genau einem Jahr ein Lehrstück ab. Aus dem Hinterhalt und mit sehr unterschiedlichen Motiven hatte sich eine kleine Gruppe von Intriganten zusammengetan mit dem Ziel, den damaligen Siemens-Chef Peter Löscher zu stürzen.

          Rainer Hank

          Freier Autor in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Strategie der Umstürzler ging auf: In kleinen Dosen wurde Löschers einstmals sehr ordentliches Image systematisch demoliert. Der Mann, inzwischen sechs Jahre an der Spitze des Konzerns, sei „immer noch nicht in der Firma angekommen“, ließ man in die Öffentlichkeit sickern. Es fehle ihm, dem heimatlosen Technokraten, die nötige Autorität, den Riesenladen zusammenzuhalten; bis in den Vorstand hinein – „eine Chaostruppe“ – gebe es heftigen Streit. All das fällt auf die Führungsqualitäten des Mannes an der Spitze zurück. Peter Löschers Reputation war endgültig verspielt, nachdem seine Feinde ihn in eine Falle trieben und zum öffentlichen Eingeständnis zwangen, er könne seine von ihm selbst gesetzten Gewinnziele nicht einhalten. Spätestens da wandte sich auch der Kapitalmarkt von Löscher ab. In einer eilends einberufenen außerordentlichen Aufsichtsratssitzung am 27. Juli 2013 wurde Löscher zum Rücktritt gezwungen.

          Der Fall Löscher zeigt: Eine lädierte Reputation kann einen Top-Manager zu Fall bringen, selbst dann, wenn seine Leistung für das Unternehmen in Ordnung ist. „Die Bedeutung der Performance für die Beurteilung von Managementleistungen hat abgenommen“, heißt es in einer noch unveröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Roland Berger: „Am Ende scheint es, als wären Managerkarrieren heute sehr viel stärker von Perzeption als von Performance abhängig.“ Im Klartext: Die Wahrnehmung eines Managers in der Öffentlichkeit ist für dessen Wohl und Wehe wichtiger als die Leistung, die sich an Gewinn, Aktienkurs oder Beschäftigungsentwicklung des Unternehmens bemisst.

          Um ihre These zu untermauern, haben die Berater von Roland Berger die Karriereverläufe von 45 Top-Managern aus Dax, M-Dax und der amerikanischen Forbes-Liste im Zeitraum vom 1990 bis 2014 untersucht. Neben der Performance für das Unternehmen, dem Führungsstil und der Beziehung des Unternehmenslenkers zu den Investoren wurden auch Meldungen über Affären und Skandale, weitere Geschichten aus dem Privatleben und Nachrichten über das Verhältnis zur Politik in die Untersuchung einbezogen.

          Mark Hurd verlor die Stelle als HP-Chef, obwohl er den Börsenwert verdoppelt hatte. Eine Sex-Affaire wurde sein Verhängnis. Es gibt noch mehr Manager, die an Image-Problemen gescheitert sind. Bilderstrecke

          Das Resultat: Noch bis in die späten 90er Jahre wurden Managerkarrieren hauptsächlich aufgrund mangelnder Performance beendet. Paradebeispiel ist der frühere Daimler-Chef Edzard Reuter („größter deutscher Kapitalvernichter in Friedenszeiten“), dessen Größenphantasie eines integrierten Technologiekonzerns zu Konzernverlusten von mehr als 36 Milliarden DM führte. Die Reputation Reuters, Sohn des legendären Berliner Nachkriegsbürgermeisters Ernst Reuter, war tadellos, nicht zuletzt dank einer am „Stakeholder“ (Arbeitnehmer, Kunden, politische Öffentlichkeit) und nicht ausschließlich am „Shareholder“ (Aktionär) ausgerichteten Unternehmenskultur. So einen lieben die Deutschen. Doch angesichts der katastrophalen Performance war der Mann nicht mehr zu halten.

          Seit der Jahrtausendwende vollzieht sich ein Wandel: Manager scheitern nicht mehr ausschließlich aufgrund der Performance. „Mehr als 80 Prozent der untersuchten Karrieren wurden aufgrund von Reputationsproblemen beendet“, heißt es in der Berger-Studie. Beispiele dafür sind neben Peter Löscher dessen Vorgänger bei Siemens Klaus Kleinfeld, Post-Chef Klaus Zumwinkel (Steuerhinterziehung) oder Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke.

          Ein besonders schlagendes Beispiel für ihre These finden die Berger-Leute in Amerika. Mark Hurd, Chef des Elektronikunternehmens Hewlett-Packard wird im Jahr 2010 Knall auf Fall gefeuert, obwohl der Mann in seiner Amtszeit die Verdoppelung des HP-Aktienkurses samt einer Verdopplung der Zahl der Beschäftigten und einer Umsatzsteigerung von 80 auf 114 Milliarden Dollar verantwortet. Dieser großartige Erfolg hat ihm am Ende nichts genützt. Zum Fallstrick wurde der törichte Einfall, ein ehemaliges Pornosternchen, in das der Mann sich verliebt hatte, als seine „Assistentin“ bei HP anzustellen und sie aus dem „Werbeetat“ des Unternehmens zu entlohnen. Als die Öffentlichkeit von der Geschichte Wind bekam, kam es zum Skandal, der Mark Hurd aus dem Amt fegte.

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