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Nachfolge von Josef Ackermann : Rückschlag für Ambitionen

  • -Aktualisiert am

Dickes Lob von Ackermann (l.) auf der Bilanzpressekonferenz: Stefan Krause Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Stefan Krause, der Finanzvorstand der Deutschen Bank, war für den Verkauf der BHF-Bank verantwortlich. Die gescheiterten Gespräche tragen nun dazu bei, dass sich nur noch wenige Krause als Nachfolger von Josef Ackermann vorstellen können.

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          Für zwei noch recht junge Manager der Deutschen Bank war der jetzt gescheiterte Verkauf der BHF-Bank auch als Bewährungsprobe gedacht. Vor allem der 48 Jahre alte Finanzvorstand Stefan Krause sollte zeigen, ob er künftig oder weiterhin als Nachfolger von Josef Ackermann als Vorstandsvorsitzender der Bank in Betracht kommt. Und für den einst von einem Tag auf den anderen überraschend als Vorstandsvorsitzenden der Hypo Real Estate ausgeschiedenen, 44 Jahre alten Axel Wieandt sollte ein geglückter Verkauf der BHF-Bank ursprünglich zum Sprungbrett in den Vorstand werden - so hieß es in der Branche jedenfalls zu Beginn der Verhandlungen.

          Seit Dezember hatte die Deutsche Bank nur noch mit der Liechtensteiner LGT-Bank verhandelt, seither war dem Vernehmen nach nur noch Krause für die Gespräche zuständig. Am Wochenende war der Kaufvertrag nach Darstellung beider Parteien unterschriftsreif. Doch die LGT konnte oder wollte Zweifel der deutschen Bankenaufsicht an ihrer Zuverlässigkeit und Transparenz in Steuerfragen bis zuletzt nicht widerlegen. Der Verkauf scheiterte.

          Dieser Ausgang ist nun vor allem bitter für Krause, der im Vorstand der Deutschen Bank für den Verkauf der BHF-Bank verantwortlich war. Denn als Krauses größtes Manko für den Aufstieg zu noch höheren Weihen gilt seine Unerfahrenheit im Bankgeschäft. Elf Jahre war der an der Universität Würzburg ausgebildete Diplom-Kaufmann für den Münchener Automobilkonzern BMW tätig, davon sechs Jahre als jüngstes Vorstandsmitglied. Erst im April 2008 wechselte Krause zur Deutschen Bank. Überraschend schnell fasste der in Kolumbien geborene und aufgewachsene Krause dort Fuß.

          Verkauf als Sprungbrett: Axel Wieandt

          Seine Auftritte vor Bilanzanalysten gewannen stetig an Prägnanz, viele Mitarbeiter schätzten seine Umgänglichkeit und betrachteten ihn als ihren Favoriten für den spätestens im Mai 2013 ausscheidenden Ackermann. Vor zehn Tagen indes zeigte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein Foto des geschiedenen Krause mit seiner neuen Partnerin, einem ehemaligen Model, auf einer Pool-Party in Monte Carlo, darüber prangte die Überschrift „Weibergeschichten“. Seither können sich nur noch wenige in der Deutschen Bank Krause als Nachfolger Ackermanns vorstellen.

          Und nun folgt unmittelbar darauf der überraschend gescheiterte Verkauf der BHF Bank, der auch auf Krause zurückfällt. Als Finanzvorstand ist er dafür zuständig, die Übernahmen von Postbank und Sal. Oppenheim möglichst kapitalschonend zu vollziehen. Mit der Postbank ist ihm das gelungen. Auf der Bilanzpressekonferenz im Februar gab es zumindest ein dickes Lob für Krause von Ackermann. Die Behauptung, die Deutsche Bank hätte die zum Ende des Jahres 2010 erstmals konsolidierte Postbank 2004 zu besseren Konditionen kaufen können, sei falsch, sagte Ackermann. Krause habe es so arrangiert, dass die Deutsche Bank die Postbank sehr günstig finanziere.

          Pensionsansprüche mit Beigeschmack

          Nicht glatt lief dagegen von Anfang an der Verkauf der BHF-Bank, die als Teil von Sal. Oppenheim vom Sommer 2010 an losgeschlagen werden sollte. Krause musste sich als Aufsichtsratsvorsitzender der BHF-Bank mehrmals zum Verkaufsverfahren äußern. So ließ er Berichte zurückweisen, der Verkauf müsse mangels Interessenten aufgegeben werden. Mitte September sagte er, bis Jahresende solle der Verkauf erfolgt sein. Kurz vor Weihnachten hieß es dann von Krause, eine Vorentscheidung sei gefallen, die Deutsche Bank verhandele nur noch ausschließlich mit der LGT und nur letzte Details müssten geklärt werden. Dies wiederholte Krause im Februar noch einmal.

          Bitter ist der gescheiterte Verkauf der BHF-Bank vielleicht aber auch für die Ambitionen von Wieandt. Das gilt selbst dann, wenn Wieandt tatsächlich nur anfangs im Projekt „Verkauf BHF-Bank“ engagiert gewesen sein sollte, seit Monaten wegen anderer Verpflichtungen aber nicht mehr. Denn er hätte eine gute Nachricht bestens gebrauchen könnten.

          Ackermann hatte Wieandt, lange seine recht Hand in Strategiefragen, im Oktober 2008 in die marode und daher bald vollverstaatlichte Hypo Real Estate geschickt. Wieandt aber warf dort hin, weil er sich von der Bundesregierung gegängelt fühlte. So durfte er 25 Millionen Euro Boni an seine Mitarbeiter nicht sofort auszahlen, obwohl er dies für nötig hielt, um Spezialisten zu halten. Auch seine in der HRE in nur 18 Monaten Tätigkeit erworbenen Pensionsansprüche, die ihm vom 60. Lebensjahr an eine jährliche Rente von 237.450 Euro garantieren, hinterließen einen Beigeschmack. Wieandts überstürzter Abgang im März 2010, einen Tag vor der Bilanzpressekonferenz, war Wasser auf die Mühlen derer, die in ihm einen unsicheren Menschen sehen. Gleichwohl nahm Ackermann Wieandt im Juni 2010 wieder in der Deutschen Bank auf. Der Verkauf der BHF-Bank war für Wieandt als Zuarbeiter des Vorstandes eine erste große Aufgabe. Sie wird nun nicht zu Ende gebracht, auch wenn er selbst schon vorher anderweitig beschäftigt war.

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