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Nach Suiziden : Die Schweiz bewegt eine Serie tragischer Manager-Schicksale

  • -Aktualisiert am

Der Finanzvorstand der Zurich Insurance wurde zu Beginn der Woche tot aufgefunden. Bild: REUTERS

Die beiden Manager, die in den vergangenen Wochen wohl Selbstmord begangen haben, waren unterschiedliche Charaktere. Nun diskutiert die Schweiz über die emotionale Last von Führungspositionen.

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          Ein erwiesener und ein zumindest wahrscheinlicher Selbstmord von Spitzenmanagern innerhalb weniger Wochen: das ist nicht nur in der Schweiz ungewöhnlich. Aber Carsten Schloter, der Chef von Swisscom, und der zu Wochenbeginn tot aufgefundene Versicherungsvorstand Pierre Wauthier waren gänzlich unterschiedliche Naturen. Auf der einen Seite stand der stets getrieben wirkende Schloter, tätig in der sich rasch wandelnden Telekommunikationsindustrie. Auf der anderen Wauthier, Finanzvorstand in der Zurich Insurance Group (ZIG) - kein Mann der ersten Reihe, zurückhaltend und geachtet, wie man es von einem Mann der Zahlen erwartet. Gemeinsam ist ihnen nur, dass sie um die fünfzig waren und damit in der Mitte ihrer Karrieren aus dem Leben schieden.

          Nimmt man die zwei weiteren Selbsttötungen von Schweizer Spitzenmanagern aus der jüngeren Vergangenheit hinzu, verschwimmt das Bild noch mehr. Adrian Kohler stand an der Spitze des Bonbonherstellers Ricola. Die mittelständische Schweizer Traditionsmarke hat wenig gemein mit der Hektik moderner Industriebranchen oder dem Treibsand in Finanzkonzernen. Kohler nahm sich 2011 das Leben, weil er anscheinend Finanzmanipulationen im Betrieb, die er zu verantworten hatte, nicht mehr ertragen konnte. Dabei waren die Beträge, um die es ging, nach Firmenangaben unbedeutend.

          Zuvor hatte Ende 2008 der Freitod von Alex Widmer, des Chefs der Bank Julius Bär, für große Bestürzung gesorgt. Widmer, früher bei Credit Suisse, galt als einer der besten Private Banker in der Schweiz. Dies wusste er und vermittelte eine Portion innerer Gelassenheit. Aber drei Jahre vor seinem Tod war seine Frau gestorben, und dies könnte bei dem dreifachen Vater eine Rolle gespielt haben.

          Private Gründe spielten eine wichtige Rolle

          Schloter litt unter der von ihm selbst gewählten Trennung von seiner Frau und seinen drei Kindern, wie er in ungewöhnlicher Offenheit und mit dem Verweis auf Schuldgefühle in einem Interview bekannte. Am Swiss Economic Forum in Interlaken berichtete der charismatische Manager, dessen Mobilität eine fast kontinuierliche Erreichbarkeit und ständig wechselnde Arbeitsplätze beinhaltete, über Schwierigkeiten mit seiner „Work-Life-Balance“. Am Ende half ihm auch sein Hang zu extremen sportlichen Herausforderungen nicht mehr. Hinzu kamen für den Mann, der sich gerne als aufsässiger Querdenker gebärdete, Konflikte mit seinem Verwaltungsratspräsidenten. Aber die Last von Spitzenpositionen lässt sich anders lösen. In Deutschland wechselt Telekom-Vorstandsvorsitzender René Obermann zur Jahreswende zu einem viel kleineren Kabelnetzbetreiber. In der Schweiz zog sich Swiss-Re-Lenker Stefan Lippe mit 56 Jahren Anfang 2012 in das Privatleben zurück.

          Der Weg an die Unternehmensspitzen ist oft mit harter Arbeit, Glück und einem Paket harter Bandagen verbunden. Umso schwerer wiegt die Furcht vor dem Rückfall in beschränkte Entscheidungskompetenzen, vor Bedeutungs- und Ehrverlust, zumal dann, wenn beim Aufstieg das Privatleben leidet. Der Suizidforscher Manfred Wolfersdorf sagt: „Viele Manager und Unternehmer konzentrieren ihr ganzes Leben auf die berufliche Leistung. Wenn sich der eigene Selbstwert aber ausschließlich nach Erfolgs- und Leistungskriterien bemisst, können Rückschläge schnell zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit führen.“ Wolfersdorf sagte dies anlässlich des Selbstmordes des deutschen Pharmaunternehmers Adolf Merckle, der sich Anfang 2009 vor einen Zug warf. Unternehmer unterliegen wohl mehr als Manager persönlichen Risiken, weil sie sich leicht mit ihrem „Lebenswerk“ identifizieren. Der Niedergang der Firma wird dann schnell zur individuellen Tragödie. Männer scheinen zudem gefährdeter als Frauen. Nach Erkenntnissen der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention nehmen sie zu wenig therapeutische Hilfsangebote an und lassen so weniger Raum für eine Rettung.

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