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Nach Freitod des Zurich-Managers : Spekulationen nach Ackermanns Rücktritt

  • -Aktualisiert am

Josef Ackermann: Er fühle sich von der Familie Wauthier der Mitverantwortung für den Selbstmord von Pierre Wauthier bezichtigt. Bild: REUTERS

Nach dem Rücktritt Josef Ackermanns kochen die Spekulationen hoch. Ackermann begründet seinen Rücktritt mit dem Freitod des Zurich-Managers Wauthier. Was für Probleme hatte Wauthier?

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          Binnen einer Woche ist der Versicherungskonzern Zurich Insurance Group (ZIG) in schwere Turbulenzen geraten. Am Montag wurde der Tod von Finanzvorstand Pierre Wauthier bekannt, der nach den Erkenntnissen der Polizei Selbstmord begangen hat. Am Donnerstag trat der frühere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann als Verwaltungspräsident von ZIG mit sofortiger Wirkung zurück und begründet seinen Schritt mit dem Freitod des zweifachen Familienvaters.

          Die unerwartete Nachricht habe ihn tief erschüttert, schreibt Ackermann in einer Mitteilung, um dann fortzufahren: „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag.“ Um jegliche Rufschädigung zu Lasten des Unternehmens zu vermeiden, habe er sich zum sofortigen Rücktritt entschlossen.

          Nach Ansicht der Familie haben somit berufliche Gründe den Selbstmord von Wauthier ausgelöst. Allerdings erschien er noch in den letzten Tagen vor seinem Tod auf einer Roadshow von ZIG vor internationalen Investoren wie immer, sagen Leute, die ihn dort gesehen hatten. Konzernchef Martin Senn, der mit Wauthier auf den Investorenpräsentationen war, sagte im Fernsehen, er habe keine Veränderungen festgestellt. Der 53 Jahre alte britisch-französische Doppelbürger, der im Kanton Zug zuhause war, arbeitete seit 1996 für den Konzern. Im September 2011 wurde er Finanzvorstand als Nachfolger des heute für den Allianz-Konzern tätigen Dieter Wemmer. Für Außenstehende erschien Wauthier als ein der Sache verpflichteter, zurückhaltender Manager, der auch im Unternehmen offenbar sehr beliebt war.

          Verwaltungsrat dankt Ackermann und respektiert Entscheidung

          Der Verwaltungsrat des internationalen Versicherungskonzerns schrieb in der Mitteilung aus Zürich, er respektiere Ackermanns Entscheidung und habe sie mit größtem Bedauern angenommen. „Er dankt Herrn Ackermann für seine engagierte Leistung und seinen wertvollen Beitrag zum Erfolg der Gruppe“, heißt weiter. Vorläufig wird der stellvertretende Verwaltungsratspräsident Tom de Swaan die Funktionen von Ackermann ausüben.

          Gleichwohl bleibt die Frage, welcher Natur die offenbar  beruflichen Probleme von Wauthier waren, dass sie zum fristlosen Rücktritt des Spitzenmannes in der ZIG-Hierarchie führten. Direkter Vorgesetzter des Finanzvorstandes war Senn. Der Rücktritt sei eine persönliche Entscheidung von Ackermann gewesen, erläuterte ein ZIG-Sprecher auf Anfrage. Weiter sagte er, über einen Abschiedsbrief von Wauthier, in dem dieser möglicherweise seine Gründe für den Suizid darlegte, sei ihm nichts bekannt.

          Der Freitod des Managers kommt wenige Wochen nach dem Selbstmord von Carsten Schloter, des Vorstandsvorsitzenden im Telekommunikationsunternehmen Swisscom.

          Ackermann hatte nach dem Vorstandsvorsitz der Deutschen Bank im Juni 2012 das Amt des ZIG-Präsidenten in seiner Heimat Schweiz angetreten. An der Börse reagierte die Aktie des Unternehmens zunächst mit Rückschlägen von bis zu vier Prozent, ehe sich der Kursverlust abflachte. Geschäftlich hatte der Versicherungskonzern zuletzt in der ersten Jahreshälfte mit drei Prozent gesunkenen Einnahmen von 36 Milliarden Dollar und einem neun Prozent tieferen Betriebsgewinn enttäuscht. Allerdings gilt die Zurich Insurance Group in der Kapitalausstattung als sehr solide.

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