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Muhammad Yunus : Der arme Bankier

Vor Gericht abermals gescheitert: Muhammad Yunus Bild: dapd

Muhammad Yunus bekämpfte mit Mikrokrediten die Armut. Dafür bekam er den Nobelpreis. Jetzt wird er in Bangladesch entmachtet. Heute hat das oberste Gericht seine Entlassung als Direktor der Grameen Bank bestätigt.

          Der Nobelpreisträger Muhammad Yunus ist 71 Jahre alt. Er ist mit seiner Arbeit noch nicht fertig. Und doch ist er am Ende seiner Karriere angekommen. Auf Weisung des Staats Bangladesh muss Yunus' die Leitung der Mikrokreditbank Grameen abgeben. Die Gerichte haben seine Abberufung bestätigt. Über seine Petition ans höchste Gericht, das höchstrichterliche Urteil zu widerrufen, wurde seit Montag verhandelt. Jetzt ist die Entscheidung gefallen: Das oberste Gericht bestätigte an diesem Donnerstag die Regierungsentscheidung zur Entlassung von Yunus. Damit sind die rechtlichen Möglichkeiten endgültig erschöpft. Es war Yunus' letzter verzweifelter Versuch, die Macht zu retten. Er ist gescheitert.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Wie konnte es nur so weit kommen? Für die Weltöffentlichkeit ist der Mann ein Heiliger mit der Mission, die Geißel der Armut zu vertreiben. Er machte die Idee populär, die Armen mit fairen Kleinstkrediten zu versorgen, obwohl sie keine Sicherheiten bieten können. Für seine Arbeit bekam Muhammad Yunus zusammen mit seiner Bank Grameen 2006 den Friedensnobelpreis.

          Jetzt ist er in der öffentlichen Wahrnehmung nicht nur Heiliger, sondern auch noch Opfer. Ein Opfer allerdings, das auf mächtige Freunde zählen kann. Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton telefonierte im März mit Yunus, sicherte ihm Hilfe zu, drückte ihre Sorge über die Entwicklungen in Bangladesh aus und ließ ihren Botschafter gar drohen, Yunus' Entmachtung könnte die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und Bangladesh belasten. Es war eine ungewöhnliche Intervention in die internen Angelegenheiten eines souveränen Staates.

          Kreuzigt hier eine kleingeistige Regierung ihren besten Sohn?

          Andere internationale Yunus-Freunde verbreiten derweil erfolgreich die Story, der unbescholtene Bankier der Armen werde von einer missgünstigen, korrupten Regierung und ihrer Premierministerin Sheikh Hasina Wajed gemobbt. So steht es jetzt überall geschrieben. Die Regierungschefin - sie wurde 2008 in fairen Wahlen mit großer Mehrheit gewählt - sehe in Yunus eine politische Bedrohung. Sie ignoriere seine Erfolge, und seine globale Reputation sei ihr suspekt. Deshalb habe die Politikerin eine giftige Anti-Yunus-Kampagne entfacht. Die Essenz der international verbreiteten Geschichte lautet: Hier kreuzigt eine kleingeistige Regierung ihren besten Sohn.

          Lässt man allerdings Ränke und Verschwörungen beiseite, bleibt ein 71 Jahre alter Ökonom zurück, der seine gewaltige globale Reputation dafür instrumentalisiert, Chef der Grameen-Bank zu bleiben, obwohl dies gegen die gesetzlichen Ruhestandsregeln für das Institut verstößt. Eine Lappalie mag man denken angesichts der vielen Menschen, denen Yunus' Idee aus der Armut half. Doch keine Kleinigkeit, gemessen an den moralischen Ansprüchen dieses großen Mannes.

          Die weltberühmte Mikrokreditbank Grameen ist kein privates Unternehmen und keineswegs eine Privatangelegenheit des Ökonomen. Grameen wurde 1983 als staatliches Institut gegründet, nachdem Yunus die Regierung von der Idee überzeugt hatte, Arme mit ungesicherten Kleinstkrediten zu versorgen. Er hatte das Verfahren getestet. Grameen bekam ein eigenes Gesetz, um seinen weitgehend unabhängigen Sonderstatus als eine Art Entwicklungsbank zu fixieren. Noch heute ist Bangladesh Anteilseigner zusammen mit den Kreditnehmern. Nach den gesetzlichen Regeln wurde Yunus zum ersten und bisher einzigen Grameen-Chef eingesetzt.

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