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Kommentar : Die billige Milch

Keiner hat die Absicht, zehntausende Bauern in den Ruin zu treiben. Und doch geschieht es.

          Keiner hat die Absicht, zehntausende Bauern in den Ruin zu treiben. Und doch geschieht es. Aldi, Rewe und die anderen Märkte, die Milch nun für 46 statt 59 Cent verkaufen, sagen, sie könnten nicht anders, als fallende Marktpreise an ihre Kunden weiterzugeben.

          Die Handels-Lobby sagt, das mache für die Bauern nichts aus, weil der Großteil der Milch an die verarbeitende Industrie gehe. Die verarbeitende Industrie sagt nichts. Der Bauernverband sagt, alle seien Schuld, nur er selbst nicht. Dabei war er immer für Mehrproduktion. Die Bauern sagen, sie konnten nicht anders, als immer mehr zu wachsen.

          Das sieht nach einem systemischen Versagen aus und nach einem anschaulichen Beispiel dafür, was unter der Floskel der „systemischen Verantwortungslosigkeit“ zu verstehen ist. Die Tragödie, für die niemand etwas können will, besteht darin, dass Tausende Milchbauernfamilien ihre Existenzgrundlage verlieren.

          Der Staat muss wieder mit Millionen Euro in Form von Notkrediten aushelfen. Die Empörung über Aldi aber ist nur ein festes Ritual im Karussell dieses agrarindustriellen Wandels. Sie trifft ein Unternehmen, das einerseits ganz emotionslos Marktgesetzen folgt, zugleich jedoch mit einer „Fairtrade“-Marketingaktion für Kleinbauern auf sich aufmerksam macht – aber nur für solche aus Schwellenländern. Das ist doppelzüngig, so, wie der Verbraucher.

          Jan Grossarth

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

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