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Bill Gates wird 60 : Visionär, Monopolist und Wohltäter

Bill Gates 2011 in Lindau am Bodensee. Bild: Frank Röth

Es ist ein Jahr der Meilensteine für Bill Gates, den reichsten Menschen der Welt. Der von ihm mitgegründete Softwarekonzern Microsoft ist 40 Jahre alt geworden. Und er 60. Ein Porträt.

          Es ist ein Jahr der Meilensteine für Bill Gates, den reichsten Menschen der Welt. Der von ihm mitgegründete Softwarekonzern Microsoft ist 40 Jahre alt geworden. Die wohltätige Stiftung, die er zusammen mit seiner Frau Melinda führt, gibt es seit 15 Jahren. Und Bill Gates selbst wird an diesem Mittwoch 60 Jahre alt. Sein berufliches Leben dreht sich heute nicht mehr in erster Linie um das Unternehmen, das ihn zum Multimilliardär und zu einer der einflussreichsten Figuren der Technologiebranche gemacht hat.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Stattdessen steht die Arbeit für die Bill & Melinda Gates Foundation im Vordergrund. Dass es so kommen würde, hat er schon lange vorausgesehen. „Wenn jemand 60 Jahre alt ist, sollte das Verfolgen technischer Trends besser in die Hände eines anderen gelegt werden“, sagte er schon 2005 im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Damals war er schon nicht mehr Vorstandsvorsitzender, und wenige Jahre später zog er sich aus dem Tagesgeschäft zurück.

          Ganz losgelassen hat Gates bei Microsoft freilich nie. Er gehört bis heute dem Verwaltungsrat an. Und als Satya Nadella im vergangenen Jahr den Vorstandsvorsitz von Steve Ballmer übernahm, ging damit auch eine engere Einbindung von Gates in das Unternehmen einher. Gates sagte damals, er wolle fortan wieder ein Drittel seiner Zeit und damit deutlich mehr als vorher bei Microsoft verbringen, um Nadella beratend zur Seite zu stehen. So war der Mitgründer zum Beispiel auch dabei, als der chinesische Präsident Xi Jinping im September im Rahmen seines Staatsbesuchs in den Vereinigten Staaten einen Stopp in der Microsoft-Zentrale nahe Seattle einlegte.

          Ansonsten gibt sich Gates aber größte Mühe, nicht den Eindruck entstehen zu lassen, er diktiere bei Microsoft wieder das Geschehen. Er überlässt Nadella das Rampenlicht und tritt öffentlich kaum als Repräsentant von Microsoft auf. Seine regelmäßigen Einträge auf Twitter drehen sich fast ausschließlich um Themen, die mit seiner Stiftungsarbeit zu tun haben. Über Nadella spricht er in den höchsten Tönen und hat ihm attestiert, ein „neues Gefühl der Energie“ ins Unternehmen gebracht zu haben.

          Nadella wiederum hat einmal gesagt, Gates sei zwar „sehr engagiert“ und habe bestimmte Interessen wie die Bürosoftware Office, kratze aber nicht an seiner Autorität: „Es gibt keine Verwirrung. Ich führe den Laden, ich bin der Vorstandsvorsitzende, ich trage die Verantwortung, und Bill hilft.“ Microsoft macht im Moment bewegte Zeiten durch und hat nicht mehr annähernd die tonangebende Rolle in der Technologiebranche wie früher, als Bill Gates noch selbst an der Spitze stand.

          Gnadenloser Monopolist

          Gates hat das Unternehmen im Jahr 1975 zusammen mit Paul Allen gegründet, als er gerade 19 Jahre alt und an der Eliteuniversität Harvard eingeschrieben war. Das Studium brach er bald ab, um sich auf das Unternehmen zu konzentrieren, das sich zunächst noch „Micro-Soft“ nannte, abgeleitet von „Microcomputer“ und „Software“. Schon in der Anfangszeit hatte Gates die Vision, dass irgendwann in jedem Haushalt ein Computer stehen würde.

          Den Durchbruch brachte im Jahr 1980 ein Auftrag des Technologiekonzerns IBM, dessen ersten Computer mit einem Betriebssystem auszustatten. Später machte Microsoft Produkte wie das Betriebssystem Windows und die Bürosoftware Office zu Standards auf Computern.

          Microsoft wurde zum global dominierenden Softwarekonzern, und Gates zum Multimilliardär, der regelmäßig die „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt anführte. Gates wurde aber auch zu einer kontroversen Figur. Er erwarb sich einen Ruf als gnadenloser Monopolist, der sich den Wettbewerb mit rabiaten Methoden vom Leib hält. Das brachte Microsoft in Amerika und in Europa spektakuläre Kartellverfahren ein.

          Wachstums-Markt Cloud

          Während des Kartellprozesses in Amerika, bei dem zeitweise sogar eine Zerschlagung von Microsoft zur Diskussion stand, gab Gates den Vorstandsvorsitz an Ballmer ab und kümmerte sich danach als „Chef-Softwarearchitekt“ um längerfristige strategische Angelegenheiten. Als Gates 2008 den Schwerpunkt seiner Arbeit auf die Stiftung verlagerte, stand Microsoft längst nicht mehr auf dem Gipfel seines Erfolges.

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