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Max Martin : Die Hitmaschine

Max Martin in seinem Studio in Los Angeles: Seit den Beatles hat es niemand mehr so oft auf Platz 1 in den Charts geschafft wie der Schwede. Bild: Axel Öberg

Der Schwede Max Martin ist der erfolgreichste Popmusikproduzent der Welt. Sogar Adele trällert jetzt sein Lied. Wie macht er das bloß?

          Über das Waldhorn lässt sich viel Gutes sagen. Es hat eine große Geschichte in den Orchestern dieser Welt, kein Posaunenchor will darauf verzichten, seine Vorläufer zählen zu den ältesten Blasinstrumenten der Welt. Es tönt so schön. Aber es hat ein Imageproblem, cool ist das Horn nicht. Deshalb spielt es in der Popmusik, die massentauglich sein muss, auch keine tragende Rolle. Bis auf eine große Ausnahme: Max Martin, der erfolgreichste Popproduzent der Gegenwart, hat vor knapp vierzig Jahren ausgerechnet auf einem Waldhorn angefangen zu musizieren. Und diese Episode aus der Schulzeit erzählt viel über den Mann, der damals noch ein Junge war und Martin Sandberg hieß.

          Sebastian Balzter

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Musikschule von Stenhamra, einer Kleinstadt auf einer idyllischen Insel westlich von Stockholm, hat er zwar längst hinter sich gelassen. Heute geben sich in seinem Studio in Los Angeles die Weltstars die Klinke in die Hand. Britney Spears, Katy Perry und Pink vertrauen schon lange auf den Schweden, Veteranen wie die Backstreet Boys sowieso. Manche singen einfach nur die Lieder, die Martin für sie geschrieben hat. Andere kommen mit eigenen Texten und Songbruchstücken, die Martin dann für sie vergoldet. Jetzt hat sich sogar die Britin Adele einen Hit von ihm produzieren lassen, die um die Schamanen der Musikindustrie sonst einen weiten Bogen macht, um ihre Eigenständigkeit zu betonen.

          Zwanzig Jahre ein Hit nach dem anderen – wie geht das?

          Wie kann das gehen: Zwanzig Jahre lang einen Hit nach dem anderen zu schreiben und aufzunehmen, für so unterschiedliche Kunden? Ohne dass auch nur ein einziger von ihnen nachher je ein schlechtes Wort über ihn verloren hat? Sage und schreibe achtmal von der eigenen Zunft zum besten Popmusikkomponisten des Jahres gewählt zu werden und dabei selbst stets im Hintergrund zu bleiben, das eigene Privatleben komplett abzuschirmen? In einer Branche, in der Homestorys, Schlammschlachten und Sticheleien zum Alltag gehören?

          Das Waldhorn von damals ist ein Teil der Antwort. Denn Max Martin hat nicht nur ein untrügliches Gespür für Rhythmus und Melodie, sondern auch ein Talent zur Unauffälligkeit. Er war nie eine Rampensau. Und er hat nie für sich in Anspruch genommen, der Coolste zu sein, zur Avantgarde zu gehören, an der Spitze einer Bewegung zu stehen. Dass seine Eltern seichte Popmusik von Elton John hörten, störte ihn damals in Stenhamra kein bisschen. Waldhorn, warum denn nicht?

          Er sei ein großartiger Zuhörer, sagt Britney Spears über Max Martin – und man fragt sich, worauf andere Produzenten Wert legen, wenn nicht auf das, was sie zu hören bekommen. Kaum jemand in der Branche wisse so viel über Musik wie er, schwärmt Pink von dem Schweden – und man ahnt, dass die Schule in Stenhamra nicht so übel war. Er hätte alle unsere Songs auch mit seiner eigenen Stimme aufnehmen können, es wäre eine perfekte Platte geworden, verraten die Backstreet Boys – und man wundert sich, wie Max Martin trotzdem so glaubhaft bescheiden bleiben konnte. Er spricht so gut wie nie über seine Karriere, und wenn, dann geht es dabei stets um andere. Um die vielen jungen Mitarbeiter und Kollegen aus aller Welt, die er regelmäßig in sein Studio nach Los Angeles holt, damit die Ideen nicht versiegen. Und um den einen Musiker, der ihn entdeckt hat, damals in Stockholm.

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