https://www.faz.net/-gqe-z5bo

Mavericks-Eigentümer Mark Cuban : Zappelphilipp am Spielfeldrand

Am Ball: Mark Cuban, Eigentümer der Dallas Mavericks Bild: REUTERS

Mavericks-Eigentümer Mark Cuban lebt für sein Team - und stellt manchmal sogar den Star Dirk Nowitzki in den Schatten. Für seine Flüche hat er schon 1,7 Millionen Dollar an die NBA gezahlt.

          3 Min.

          Der Deutsche Dirk Nowitzki ist der Star des amerikanischen Basketballteams Dallas Mavericks, und er hat die Mannschaft in das Finale der NBA-Liga geführt, wo sie auf Miami Heat treffen wird. Aber Nowitzki ist nicht immer derjenige, der für die größten Schlagzeilen sorgt. Diese Rolle fällt oft Mark Cuban zu, dem Eigentümer des Teams. Wohl kein anderer Eigentümer in der NBA ist wie Cuban so involviert und präsent, dass er manchmal den Top-Spieler in den Schatten stellt.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Cuban lebt für sein Team, er hält sich nicht wie andere Eigentümer im Hintergrund, sondern sitzt direkt am Spielfeldrand. Er ist ein ständiger Zappelphilipp, er springt auf und feuert seine Truppe an, immer wieder geht sein Temperament mit ihm durch und er beschimpft Schiedsrichter oder das gegnerische Team. Wenn von Mark Cuban die Rede ist, wird oft von den über ihn verhängten Strafzahlungen der NBA gesprochen, die er im Laufe der Jahre wegen diverser Unflätigkeiten gesammelt hat. Es sind mindestens 1,7 Millionen Dollar. Cuban selbst sieht diese Strafen als eine Art Trophäe. Er hat gesagt, dass er bei jeder neuen Strafe zusätzlich die gleiche Summe an wohltätige Zwecke spendet.

          Der Polterer Mark Cuban ist ein völlig anderer Typ als der eher besonnene Nowitzki. Dem Deutschen gehen die Ausfälle von Cuban manchmal sogar etwas zu weit. Vor einigen Jahren wurde Nowitzki einmal von einer Lokalzeitung in Dallas mit einer kritischen Äußerung über Cuban zitiert: „Er muss lernen, sich zu kontrollieren, so wie es die Spieler auch tun. Wir können nicht die ganze Zeit auf dem Spielfeld oder außerhalb die Beherrschung verlieren, und ich denke, er muss das auch lernen.“ Der 52 Jahre alte Cuban kann ein ganz schöner Grobian sein, aber für ihn ist das auch ein Zeichen, wie viel Herzblut er in seine Mavericks steckt.

          Schreien...

          „Wir sind noch nicht am Ende“

          Manchmal kann sich seine Leidenschaft auch ganz anders äußern, und er wird emotional. Zum Beispiel, als Nowitzki im Jahr 2007 von der Liga die begehrte Auszeichnung des wertvollsten Spielers oder „MVP“ („most valuable player“) bekam. Cuban war bei einer Pressekonferenz den Tränen nahe und überschüttete seinen Spieler mit Lob: Nowitzki sei ein Vorbild für Kinder und überhaupt für alle Menschen. Er zeige, dass man mit harter Arbeit alles erreichen kann. „Dirk ist keiner, den man zum Trainieren auffordern muss. Er ist einer, den man vom Trainieren abhalten muss.“ In dieser Woche waren Cuban und Nowitzki nun nach einem der größten Erfolge in der Teamgeschichte jubelnd auf dem Spielfeld vereint - wohl wissend, dass die eigentliche Herausforderung noch bevorsteht. Denn genau an diesem Punkt standen die Dallas Mavericks im Jahr 2006 schon einmal. Sie hatten die Western Conference der NBA gewonnen und sich damit den Einzug in das NBA-Finale gesichert, auch damals gegen Miami Heat. Die Mavericks gewannen die ersten beiden Spiele, aber dann gab es eine Serie von Niederlagen, und am Ende hieß es 4:2 für Miami. „Wir sind noch nicht am Ende“, warnte Cuban daher bei aller Freude in der Arena.

          Cuban hat die Mehrheit an den Dallas Mavericks im Jahr 2000 für 285 Millionen Dollar gekauft. Er gehört zu einer ganzen Reihe amerikanischer Wirtschaftsgrößen, die sich im Sport mit dem Kauf von Teams engagiert haben, zum Beispiel Paul Allen, Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft, oder Howard Schultz, Vorstandsvorsitzender der Kaffeekette Starbucks.

          Im Fernsehen getanzt

          Als Cuban bei den Mavericks einstieg, hatte er gerade seinen größten unternehmerischen Coup gelandet, der ihn reich gemacht hat: 1999 hatte er das von ihm gegründete Internetunternehmen Broadcast.com für 5,7 Milliarden Dollar an Yahoo verkauft. Er selbst soll bei der Transaktion eine Milliarde Dollar bekommen haben. Broadcast war sein zweites Unternehmen: 1990 hatte er bereits die von ihm mitgegründete Softwaregesellschaft Microsolutions für 6 Millionen Dollar verkauft. Neben dem Sport hat sich Cuban in den vergangenen Jahren auch im Unterhaltungsgeschäft engagiert. So gehören ihm auch eine Kinokette und ein Filmverleiher. Auf der „Forbes“-Liste wird er mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar geführt.

          Cuban steht auch selbst gerne im Rampenlicht: So machte er im Jahr 2007 bei einer Staffel der Tanzshow „Dancing with the Stars“ mit.

          Die Mavericks haben sich seit Cubans Einstieg gut geschlagen: Sie haben seither in jedem Jahr die Playoff-Runden erreicht, was sie zuvor jahrelang nicht geschafft hatten. Jetzt hofft Cuban auf den größten Triumph: den ersten NBATitel.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Atemschutzmasken aus China: Das Flugzeug der New England Patriots hat in der Krise eine neue Aufgabe.

          Tausende Masken verschwunden : Moderne Piraterie?

          Hat Amerika wegen der Corona-Krise der deutschen Hauptstadt 200.000 Atemschutzmasken weggeschnappt? Das sagt der Berliner Senat. Das Weiße Haus stellt die Sache anders dar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.