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Mary Barra : Die erste Frau an der Spitze von General Motors

Mary Barra, 51, ist bei General Motors derzeit noch verantwortlich für Produktion und Einkauf. Bild: Getty Images

Mary Barra soll als erste Frau an die Spitze des größten amerikanischen Autoherstellers rücken. Die Ingenieurin vermittelt zwar nicht das Gefühl, Benzin im Blut zu haben. Aber dafür hat sie eine klare Vision: „Keine beschissenen Autos mehr.“

          Mary Barra war schon immer ein Fan von einfachen Ansagen. Als sie vor gut vier Jahren Personalchefin des amerikanischen Autokonzerns General Motors (GM) wurde, knöpfte sie sich den internen Dresscode vor. Das Dokument beschrieb auf zehn Seiten, wie sich Mitarbeiter anzuziehen haben, je nachdem, wo im Konzern sie beschäftigt sind oder mit welcher Klientel sie sich treffen. Es war ein Relikt der alten GM-Bürokratie, das die gerade durchgestandene Radikalsanierung im Insolvenzverfahren überlebt hatte. Barra musterte den Dresscode aus und ließ ihn durch eine Anweisung ersetzen, die sich auf zwei Worte beschränkte: „Angemessene Kleidung.“

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Auch in ihrer heutigen Aufgabe als Chefin der Produktentwicklung von GM kommt Barra gerne mit wenigen Worten auf den Punkt: „Keine beschissenen Autos mehr“ - das ist die Haltung, die Barra ihren Mitarbeitern eintrichtern will, wie sie kürzlich auf einer Konferenz der Zeitschrift „Fortune“ sagte. Ausreden gebe es nicht, jeder Einzelne müsse sich dafür zuständig fühlen, dass GM gute Autos baut. Barra beteuerte, die Botschaft stoße in der Belegschaft auf positive Resonanz. Sie will Mitarbeitern das Gefühl geben, selbst Verantwortung zu tragen, wie vorher mit dem vereinfachten Dresscode.

          Autostadt Detroit: Rechts die Konzernzentrale von General Motors

          Das ist ganz im Sinne von Konzernchef Daniel Akerson, der die einstige Verdrängungsmentalität von GM nicht mehr dulden will und stattdessen eine Kultur der Verantwortlichkeit predigt. Denn früher neigte GM dazu, die Schuld für seine Schwierigkeiten überall zu suchen, nur nicht bei sich selbst. Sogar den Verbrauchern wurde vorgeworfen, unter einer „Wahrnehmungslücke“ zu leiden und nicht zu kapieren, welch wunderbare Autos GM produziert. Der 65 Jahre alte Akerson sieht in Barra eine Vertraute im Kampf gegen die alten Denkmuster. Er hält so große Stücke auf sie, dass er sie als seine mögliche Nachfolgerin ins Spiel gebracht und öffentlich zur Kandidatin für den Chefposten erklärt hat. An diesem Dienstag nun hat GM offiziell bekanntgegeben, dass Barra ab Januar an der Spitze des Automobilkonzerns stehen wird. Neben ihr wurden lange noch drei andere Manager gehandelt: Vize-Chairman Stephen Girsky, Finanzvorstand Daniel Ammann und Mark Reuss, der Chef des Amerika-Geschäfts.

          Mary Barra ist schon auf ihrem heutigen Posten die wohl mächtigste Frau in der amerikanischen Autoindustrie. Ihre Berufung vor knapp drei Jahren war ein Paukenschlag. Als Personalchefin schien sie nicht gerade eine natürliche Besetzung für die Aufgabe, zu der die Verantwortung für das Design der Autos von GM auf der ganzen Welt gehört. Zudem gilt gerade der Chefentwickler-Job als das prototypische Revier für „Car Guys“, also von Männern.

          Am Fließband bei General Motors

          Zu Barras Vorgängern auf dem Chefentwickler-Posten gehörte der legendäre „Car Guy“ Bob Lutz, ein Designnarr mit einem Hang zu kernigen Sprüchen und Extravaganzen, der bisweilen mit seinem Hubschrauber ins Büro pendelte. Lutz war das krasse Gegenteil zu Barra, die eher den geschliffenen Manager-Typ verkörpert und oft in Marketingfloskeln spricht. Barra behauptet zwar, dass sie schnelle Autos mag, aber sie vermittelt nicht das Gefühl, Benzin im Blut zu haben. Das hat ihrer Karriere nicht geschadet: Als Akerson im vergangenen Jahr auf einer Konferenz des „Wall Street Journal“ nach Barra gefragt wurde, sagte er, dass es nicht von Vorteil sein muss, ein „Car Guy“ zu sein. Schließlich hätten „Car Guys“ das Unternehmen einst an den Abgrund gebracht.

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