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Martin Luther King : Ein amerikanischer Traum nach fünfzig Jahren

„I have a dream“: Vor 50 Jahren forderte King in Washington Bürgerrechte für schwarze Amerikaner Bild: dpa

Der „Marsch für Arbeitsplätze und Freiheit“ veränderte das Land nachhaltig. Heute geht es Afroamerikanern wirtschaftlich besser als damals, die Lücke zur weißen Bevölkerung ist jedoch geblieben.

          Amerika feiert Martin Luther King. An diesem Mittwoch jährt sich zum fünfzigsten Mal die Großdemonstration von mehr als 200.000 Menschen in Washington, auf der King Bürgerrechte für die schwarzen Amerikaner forderte. Mit der kunstvollen Sprachfigur des „Ich habe einen Traum“ ist Kings Rede gegen die Diskriminierung in die Geschichtsbücher eingegangen. Ein wenig in Vergessenheit gerät dabei, dass die Großkundgebung neben den Bürgerrechten für schwarze Amerikaner auch auf die Wirtschaft zielte.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der offizielle Name der Demonstration war „Marsch auf Washington für Arbeitsplätze und Freiheit“. Vier der zehn Forderungen der Kundgebung waren ökonomischer Natur. Sie reichten von einem höheren Mindestlohn für alle Amerikaner über bessere arbeitsrechtliche Standards bis hin zu einem Beschäftigungsprogramm. Mit „massivem“ Finanzeinsatz sollte die Bundesregierung alle Arbeitslosen - „Neger und Weiße“ - ausbilden und ihnen einen würdevollen Arbeitsplatz mit ordentlichem Lohn verschaffen. Vor dem Bürgerrechtler King sprachen im Sommer 1963 bekannte amerikanische Gewerkschaftsführer.

          Ein intellektuelles Heimspiel für Obama

          Für Präsident Barack Obama, der an diesem Mittwoch an historischer Stelle vor dem Lincoln-Memorial der King-Rede gedenken wird, ist der Auftritt damit ein intellektuelles Heimspiel. Mit Konjunkturprogrammen kennt er sich aus, und eine Erhöhung des Mindestlohnes gehört schon lange zu seinen Forderungen an den Kongress. Im Oval Office bewahrt Obama nach eigenem Bekunden eine gerahmte Fassung des Programms des „Marschs auf Washington“ auf. Damals sei es auch darum gegangen, dass jeder arbeitende Amerikaner eine faire Chance habe, betont der Präsident. In ähnlichen Worten beschreibt er auch gerne sein Wirtschaftsprogramm.

          Die Meinungen darüber, ob Schwarze oder Afroamerikaner 50 Jahre nach der King-Rede dieselben Chancen haben wie weiße Amerikaner oder Bürger anderer Herkunft, gehen weit auseinander. Allgemein werden Schwarzen heute bessere Möglichkeiten zugesprochen. Drei Viertel der Weißen denken, dass die Afroamerikaner am Arbeitsmarkt ebenso gute Chancen wie Weiße haben, in Abhängigkeit von ihrer Qualifikation eine Stelle zu finden. Vor fünfzig Jahren war es weniger als die Hälfte, wie eine Gallup-Umfrage zeigt. Unter den Schwarzen stieg der Anteil derjenigen, die gleiche Chancen sehen, von 24 auf 40 Prozent. Das ist nur halb so viel wie unter den Weißen.

          Diese Diskrepanz zieht sich durch alle Umfragen. Generell gilt, dass die Schwarzen sich deutlich stärker benachteiligt fühlen, als es ihnen andere zugestehen wollen. 49 Prozent der Amerikaner sind nach einer Umfrage des Pew Research Center der Meinung, dass noch viel geschehen müsse, um Gleichheit zwischen den Rassen zu erreichen. Unter den Schwarzen denken das 79 Prozent, unter Amerikanern lateinamerikanischer Abstammung 48 Prozent, unter den Weißen aber nur 44 Prozent. Dabei hat die wirtschaftliche Lage der schwarzen Amerikaner sich in den vergangenen fünfzig Jahren deutlich verbessert.

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