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Milliarden-Spende : Was gewinnt Mark Zuckerberg?

Eine Wandzeichnung von Mark Zuckerberg in der Facebook-Zentrale. Bild: Reuters

Facebook-Mitgründer Mark Zuckerberg will 99 Prozent seines Vermögens spenden. Für den guten Ruf? Das hat schon ganz anderen Magnaten genützt.

          Mark Zuckerberg ist nicht gerade als Sympathieträger bekannt. Wer an den Mitgründer und Vorstandsvorsitzenden des sozialen Netzwerks Facebook denkt, hat womöglich noch dessen wenig schmeichelhaftes Porträt im Hollywood-Film „The Social Network“ in Erinnerung. Der Film erzählt, wie Zuckerberg seine Weggefährten bei der Gründung von Facebook übers Ohr gehauen haben soll. Auch für Datenschützer ist der 31 Jahre alte Facebook-Chef ein beliebtes Feindbild. Ihnen missfällt, wie das Unternehmen die Informationen seiner Nutzer zu kommerziellen Zwecken ausschlachtet. Und nun dieser Paukenschlag: Zuckerberg stellt sich der Welt als Wohltäter vor. Anlässlich der Geburt seiner Tochter Max hat er verkündet, im Laufe seines Lebens 99 Prozent der Facebook-Aktien, die er zusammen mit seiner Frau Priscilla Chan hält, an wohltätige Zwecke zu spenden. Es ist ein Paket mit einem gegenwärtigen Wert von 45 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Es drängt sich der Vergleich mit Bill Gates auf, dem Mitgründer des Softwarekonzerns Microsoft und reichsten Menschen der Welt. Auch Gates war als Unternehmer wegen seiner ruppigen Geschäftsmethoden umstritten, verwandelte sich dann aber mit der von ihm und seiner Frau ins Leben gerufenen Stiftung zum respektierten Philanthropen. Zuckerberg hat einmal gesagt, Gates sei sein „Held“ gewesen, als er aufgewachsen ist.

          Mit seinem Spendenversprechen geht er sogar noch weiter als Gates, der 95 Prozent seines Vermögens in karitative Projekte fließen lassen will. Der Wert des von Zuckerberg in Aussicht gestellten Aktienpakets übersteigt auch das gesamte derzeitige Vermögen der „Bill & Melinda Gates Foundation“, die größte Privatstiftung der Welt ist.

          Die neuen Philantropen stiften in ihren 30ern

          Zuckerberg beginnt seine karitativen Aktivitäten früher als sein Vorbild. Gates war 45 Jahre alt, als er seine Stiftung gründete. Der Investor Warren Buffett kündigte im Alter von 75 Jahren an, den größten Teil seines Vermögens in jährlichen Tranchen an die Gates-Stiftung spenden zu wollen. Zuckerberg steht nun für eine neue Generation von Superreichen, die in jungen Jahren zu Großspendern werden. Sein Facebook-Mitgründer Dustin Moskovitz, der heute nicht mehr im Unternehmen und ein paar Tage jünger ist als er, hat schon vor vier Jahren eine eigene Stiftung gegründet.

          Die junge Familie: Mark, Max und Priscilla Chan Zuckerberg.

          Es gibt viele Gründe für Superreiche, zu Wohltätern zu werden, und nicht alle von ihnen sind altruistischer Natur. Spenden bringt Steuervorteile und befriedigt die persönliche Eitelkeit. Für wohlhabende Amerikaner gehört karitatives Engagement zum guten Ton und ist ein Weg, sich soziale Anerkennung zu verschaffen. So lässt sich auch ein schlechter Ruf aufpolieren, den man sich womöglich im Geschäftsleben erworben hat. Für Bill Gates hat das bestens funktioniert.

          Es gibt ältere Vorbilder: Andrew Carnegie und John Rockefeller

          Gates und nun auch Zuckerberg treten mit ihrem Gönnertum in die Fußstapfen der großen amerikanischen Unternehmer- und Stifterfiguren Andrew Carnegie und John Rockefeller, die Pioniere in der wohltätigen Arbeit waren. Auch Carnegie und Rockefeller hatten einen zweifelhaften Ruf, bevor sie zu Wohltätern wurden. Sie galten im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert als sogenannte „Robber Barons“ („Raubritter“). Rockefeller wurde im Ölgeschäft zum reichsten Menschen der Welt. Er war für seine skrupellosen Methoden bekannt, mit denen er seine Wettbewerber aus dem Feld schlug und damit für sein Unternehmen Standard Oil eine Monopolstellung schuf.

          Dem Stahlmagnaten Carnegie wurde in seiner Gesellschaft U.S. Steel vor allem die Ausbeutung seiner Mitarbeiter vorgeworfen, die unter schwer erträglichen und gefährlichen Arbeitsbedingungen zu leiden hatten.

          „Wer reich stirbt, stirbt in Schande“

          Aber je älter Rockefeller und Carnegie wurden, umso mehr profilierten sie sich mit wohltätigen Aktivitäten, zum Beispiel mit der Gründung von Universitäten oder Bibliotheken. Carnegie schrieb einst den legendären Satz: „Wer reich stirbt, stirbt in Schande.“ Er spendete bis zu seinem Tod rund 90 Prozent seines Vermögens.

          Die Ankündigung von Zuckerberg kommt nicht aus heiterem Himmel, denn er ist auch schon in der Vergangenheit als Wohltäter aufgefallen. Schon vor fünf Jahren kündigte er an, Facebook-Aktien im Wert von 100 Millionen Dollar zu spenden, um öffentliche Schulen in der Stadt Newark nahe New York zu unterstützen. Seither folgten regelmäßig weitere Spenden, die meist mit Bildung oder Gesundheit zu tun hatten. Bei der Auswahl der Schwerpunkte dürfte Zuckerbergs Frau Priscilla eine große Rolle gespielt haben. Sie hat als Lehrerin und Kinderärztin gearbeitet.

          Nicht alle Zuckerberg-Projekte sind ein Erfolg

          Nicht alles, was Zuckerberg mit seiner wohltätigen Arbeit angepackt hat, war ein Erfolg. Das Schulprojekt in Newark zum Beispiel war von einigen Kontroversen begleitet. Es gab Kritik von Eltern und Lehrern, und Medien berichteten, dass ein großer Teil der Spende an hochbezahlte Berater geflossen ist. Zuckerberg hat sein Engagement verteidigt, aber zugegeben, dass nicht alles nach Wunsch verlaufen ist.

          Dass die jetzt angekündigte Spende eine so hohe Dimension erreicht, ist der guten Entwicklung des Aktienkurses von Facebook zu verdanken, der seit Jahresbeginn mehr als ein Drittel an Wert gewonnen hat. Das Geschäft von Facebook, das insbesondere aus Werbung besteht, läuft glänzend, und das holprige Börsendebüt im Jahr 2012 ist heute eine entfernte Erinnerung. Zuckerberg will seine Aktien nicht auf einen Schlag spenden.

          Facebook teilte mit, dass er zumindest in den kommenden drei Jahren Aktien im Wert von jeweils höchstens einer Milliarde Dollar in sein karitatives Engagement fließen lassen will. Er plane außerdem, „für die absehbare Zukunft“ einen Mehrheitsanteil an den Stimmrechten von Facebook zu behalten. Zuckerberg ist offenbar auch nicht amtsmüde. In einem langen Brief an seine Tochter, in dem er sein wohltätiges Vorhaben erklärt, schrieb er, er wolle „noch viele, viele Jahre“ Vorstandsvorsitzender von Facebook bleiben.

          Für seine wohltätige Arbeit will Zuckerberg eine neue Organisation mit dem Namen „Chan Zuckerberg Initiative“ gründen. Anders als Gates hat Zuckerberg sein karitatives Vehikel nicht als Stiftung ins Leben gerufen, sondern als „Limited Liability Company“, also eine amerikanische Variante der deutschen GmbH. Diese Struktur erleichtert es, in private Unternehmen zu investieren und Lobby-Arbeit zu betreiben. Zuckerberg hat den Aktionsradius seiner Organisation sehr breit definiert. Das übergeordnete Ziel soll es sein, „das menschliche Potential voranzutreiben und Gleichberechtigung zu fördern.“

          Darunter fallen nach Zuckerbergs Verständnis viele Dinge. So will er mit der Organisation unter anderem dazu beitragen, Erziehung zu verbessern, Krankheiten zu heilen, saubere Energien zu fördern und die Menschen mit dem Internet zu verbinden. Offenbar decken sich Zuckerbergs Prioritäten nicht vollständig mit denen seines Vorbilds Bill Gates. Denn der sagte vor einiger Zeit einmal in einem Interview, er halte es für wichtiger, einen Impfstoff gegen Malaria zu finden, als Internetanschlüsse bereitzustellen.

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