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Amerikanische Vorwahlen : Der heimliche Sieger Rubio

Marco Rubio Bild: AP

Er ist zwar nur Dritter bei den Vorwahlen der Republikaner in Iowa geworden, das aber überraschend stark. Das Establishment der Partei atmet auf. Und mächtige Geldgeber öffnen ihre Taschen für den Republikaner, der amerikanischer Präsident werden will.

          Mit den Abstimmungen im Bundesstaat Iowa hat die Saison der Vorwahlen in den Vereinigten Staaten begonnen. Der erste echte Bewährungstest brachte auf der republikanischen Seite drei Sieger hervor - auf dem Papier zumindest: Ted Cruz, Donald Trump und Marco Rubio konnten zusammen 75 Prozent der Stimmen hinter sich bringen. Gemessen an den eigenen Erwartungen und den Umfrageergebnissen reduziert sich die Zahl der Sieger auf zwei: Ted Cruz, der erzkonservative Senator aus Texas, konnte die frommen Christen gewinnen und jene, die sich Sorgen um die internationale Sicherheit machen.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Der andere Sieger heißt Marco Rubio, der 44 Jahre alte Senator aus Florida. Beinahe hätte er sogar Donald Trump noch vom zweiten Platz verdrängt. Das Establishment der Republikanischen Partei atmet deshalb jetzt auf. Denn Rubio gilt ihnen als der einzige aus dem Trio, der die Demokratische Partei und ihre wahrscheinliche Kandidatin Hillary Clinton im November schlagen kann. Wahlkampfstrategen wissen, dass Wähler in den Vorwahlen kurz vor Toresschluss pragmatisch werden: Sie lassen sich dann nicht mehr nur von hoher Moral und würzigen Provokationen leiten, sondern auch von der Frage, welcher Kandidat im Präsidentschaftswahlkampf bestehen kann.

          Rubio ist beredsam, energisch und vermittelbar

          Dieser Kandidat ist für viele Wähler aus Iowa Marco Rubio. Er ist konservativ und fromm genug, um die republikanische Basis anzusprechen, verkörpert aber nicht die radikale Kompromisslosigkeit seines Mitsenatoren Ted Cruz, der dafür in den eigenen Reihen im Senat geradezu verhasst ist. Zugleich verbreitet Rubio im Moment noch erfolgreich das Bild eines Politikers, der eigentlich ein Außenseiter im korrupten politischen Betrieb Washingtons ist. Das nützt an der Basis schwer. Schließlich verströmt er jugendlichen Elan und rhetorische Schärfe - Eigenarten, die besonders im Vergleich zum müden und unbeholfenen Jeb Bush auffällig sind.

          Der war, Ironie der Geschichte, Rubios Mentor in Florida. Bushs Erlösung vom politischen Betrieb und seine Ablösung durch Rubio scheint eingeleitet: Wenn der Sproß der Präsidentenfamilie ganz am Anfang der Kampagne der Wunschkandidat des Partei-Establishments war, ist Rubio nun Plan B. Allerdings muss eine Reihe gemäßigter Republikaner eine kognitive Dissonanz überwinden, um sich mit dem jungen Mann anzufreunden, der pragmatischen Politikern seiner eigenen Partei das Leben schwer gemacht hat.

          Rubios Kampagne kannte bisher Aufs und Abs. In den Fernsehdebatten schnitt er stets ziemlich gut ab, weil er mit großer Beredsamkeit und Schlagfertigkeit gesegnet ist. Lange allerdings konnte er die TV-Erfolge nicht ummünzen: Seine Umfrageergebnisse blieben mau. Die inspirierende Kraft, die von Außenseiter- Kandidaten wie dem frommen Mediziner Ben Carson ausgeht, fehlt ihm ebenso wie die Rotzigkeit des Milliardärs Donald Trump. Rubio war für viele Wähler in Iowa und viele Befragte in Wahlumfragen stets der zweitliebste Kandidat.

          Eine Gruppe allerdings empfindet Rubio uneingeschränkt als erste Wahl: Das sind schwerreiche Hedgefonds-Manager um den Citadel-Gründer Ken Griffin. Der hatte öffentlich erklärt, dass er Rubio helfen wolle und sehr aufgeregt sei. „Er wird der nächste Präsident der Vereinigten Staaten“, verriet Griffin dem Wirtschaftssender CNBC im Spätherbst. Zu ihm gesellt sich der Elliott-Gründer und -Chef Paul Singer. Der ist einer der größten Geldgeber der republikanischen Partei über die Jahre und hat in einem Brief Kollegen, die der konservativen Sache zugetan sind, aufgefordert, sich mit ihm zusammen hinter Rubio zu versammeln. Mit Clifford Asness, Gründer des Hedgefonds AQR, folgt ihm bereits ein weiterer schwerreicher Investor.

          Und selbst Washingtons Lobbyisten spendeten für Rubio fast so viel wie für Hillary Clinton in den letzten drei Monaten 2015. Rubios gutes Abschneiden in Iowa ist nun ein Signal an weitere potentielle Großspender der republikanischen Partei, ihre Taschen zu öffnen. Dem Casino-Magnaten Sheldon Adelson und den Koch-Brüdern werden große politische Ambitionen und eine gewaltige Spendenbereitschaft für die konservative Sache nachgesagt, wenn nur der richtige Kandidat kommt.

          Rubio will Steuern generell senken, besonders aber für Unternehmen. Zudem will er, wie alle konservativen Kandidaten, den Staat zurückdrängen. Die staatliche Umweltbehörde will er stutzen. Er nennt sie Agentur zur Vernichtung von Arbeitsplätzen. Dass Menschen zum Klimawandel beitragen, hält er nicht für wissenschaftlich erwiesen, was an der republikanischen Basis eher gut ankommt. Das alles macht Rubio für viele Unternehmer und Großspender attraktiv. Zugleich liegt in Zuwendungen wirtschaftlicher Interessengruppen eine große Gefahr: In wenig sind Amerikas Wähler von rechts- bis linksaußen so einig wie der Feststellung, dass das große Geld zu viel Macht in Washington hat.

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