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Manager-Kurse : Gekonnt Trinken für gute Geschäfte

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Richtig Trinken will gelernt sein. Bild: dpa

Beim Essen und Trinken werden wichtige Entscheidungen getroffen: So soll ein Kurs Managern Angst vorm Businessbankett nehmen.

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          Früher als Weddingplaner organisierte Xiu Weiliang pompöse Hochzeitsfeiern. Jetzt steht er am Pult in einem Klassenzimmer vor Geschäftsleuten und Beamten. Auch hier geht es um aufwändige Banketts – doch statt Menüfolgen zu planen, bringt Xiu seinen Schülern nun bei, Geschäftsessen unbeschadet und erfolgreich zu überstehen.

          „Schule für die Kunst der Kommunikation“ heißt Xius Institut in der Millionenstadt Harbin im Nordosten Chinas. Die Nachfrage nach seinen Kursen ist groß: 4000 Schüler habe er in den vergangenen zehn Jahren unterrichtet, sagt Xiu.

          Ablehnen ohne zu kränken

          Opulente Essen, bei denen der Alkohol in Strömen fließt, sind fester Bestandteil des chinesischen Wirtschaftslebens und auch der Politik. „Für Chinesen können viele Probleme einzig und allein bei einem Essen gelöst werden“, sagt Verkaufsleiterin Zhuang Kelu.

          Ihr und vielen Kollegen machen diese Bankette Angst. Was sollen sie sagen? Wie einen Toast ausbringen? Und was tun, um nicht gleich betrunken zu werden? Mit diesen Fragen kommen Geschäftsleute wie Zhuang in Xius Kurse. Frauen haben es bei den Diners besonders schwer: Viele Männer betrachten sie lediglich als schmückende Dekoration.

          Während er am Pult erklärt, wie unterwürfige Trinksprüche am besten zu formulieren sind, läuft Xiu der Schweiß von der Stirn. „Manche Leute werden Sie dazu drängen, maßlos zu trinken und die Kontrolle zu verlieren, damit sie selbst ihre Ziele durchsetzen können“, doziert Xiu. Deshalb sei es entscheidend zu wissen, „wie man einen Drink ablehnt, ohne die Gefühle des anderen zu verletzen“. Das ist besonders wichtig, wenn der Baijiu die Runde macht, der chinesische Schnaps mit mindestens 50 Prozent Alkohol.

          In der Kommunistischen Partei kam Jahrzehnte lang kein Beschluss ohne Alkohol zustande. Die Zeiten haben sich geändert. 2011 verlor ein Manager des staatlichen Ölkonzerns Sinopec seinen Job, nachdem bekannt geworden war, dass er während eines einzigen Essens mehr als eine Million Yuan (knapp 150.000 Euro) für alte Weine ausgegeben hatte. Im Zuge der Kampagne des Staatspräsidenten Xi Jinping gegen Korruption hat die Kommunistische Partei ihre Funktionäre angewiesen, sich bei einem Essen auf „vier Gänge und eine Suppe“ zu beschränken.

          Die letzte der zwölf Unterrichtseinheiten der „Schule für die Kunst der Kommunikation“ findet im Hotel statt – an einem riesigen runden Tisch mit einer Drehscheibe in der Mitte, auf der die edlen Speisen von Gast zu Gast wandern. Hier können Xius Schüler zeigen, was sie gelernt haben. Ein Mann mittleren Alters steht auf, erhebt sein Glas und bringt den ersten Trinkspruch aus – auf seinen Lehrer.

          „Früher brachte ich bei einem Bankett kein einziges Wort heraus“, beginnt er und erzählt, dass sie Xiu in der Klasse „großer Bruder“ nennen. „Danke, großer Bruder“, schließt er und leert sein Glas – in einem Zug.

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