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Luftverkehr : Drohne fliegen nur mit Führerschein

Vorsicht, die Drohnen kommen: Bald sollen eine Million von ihnen allein in Deutschland fliegen - und die eine oder andere könnte vom nützlichen Helfer zur großen Gefahr werden. Bild: blickwinkel/B. Quitterer

Im Luftraum wird es immer enger. Außerdem drohen Gefahren durch überforderte Laien und Terroristen. Der Chef der Flugsicherung fordert eine Pflicht zur Registrierung und einen Führerschein für private Nutzer.

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          Politiker und Vertreter der Luftfahrt schlagen Alarm: Immer mehr Drohnen, ob von privaten oder gewerblichen Nutzern, sind im deutschen Luftraum unterwegs. Dabei werden die „unbemannten Luftfahrzeuge“ gerade für Fluggesellschaften zur Gefahr. Meldungen über Beinahe-Kollisionen zwischen Drohnen und Passagierjets kursieren seit Monaten. Entsprechend nervös reagiert die Zunft der Verkehrspiloten: „Die Nutzung von Drohnen darf nicht zu einer Absenkung des Sicherheitsniveaus in der Luftfahrt führen“, warnt die Vereinigung Cockpit (VC).

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alarmiert wurden Experten unlängst von einer Meldung der Deutschen Flugsicherung (DFS) , wonach in den vergangenen anderthalb Jahren in 18 Fällen Drohnen von Piloten gesichtet wurden oder Flugzeugen beim Landeanflug in die Quere kamen. Zwar blieben ernsthafte Schäden aus. Doch angesichts solcher Vorfälle und der ohnehin stark steigenden Zahl der Fluggeräte, scheint der Bedarf an Regulierung für das neue Marktsegment groß. „Wir wollen eine neue Ordnung im deutschen Luftraum erreichen, die die Entwicklung von unbemannten Luftfahrzeugen als einen wirtschaftlichen Faktor begreift, fördert und antreibt“, sagt DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle im Gespräch mit der F.A.Z. Das von ihm geführte bundeseigene Unternehmen, das etwa 1900 Fluglotsen zur Kontrolle des heimischen Luftverkehrs einsetzt, will in diesem Prozess möglichst eine zentrale Rolle spielen, um künftig sein Personal besser auszulasten.

          400.000 Drohnen in Deutschland

          Gegenwärtig wird die Zahl der Drohnen, die private und gewerbliche Nutzer einsetzen, auf 400.000 geschätzt. Der Bestand nimmt sich gegenüber den 1,9 Millionen Fluggeräten in den Vereinigten Staaten zwar noch gering aus. Doch das dürfte sich rasch ändern. Die jährliche Zuwachsrate für die neuen Luftfahrtvehikel, die vom wenige Gramm leichten Multicopter bis hin zur Wetterdrohne mit mehreren Metern Spannweite und einigen Tonnen Abfluggewicht reicht, fällt durchweg zweistellig aus. Daher werde die Zahl der Drohnen hierzulande bis zum Jahr 2020 wohl bis auf 1 Million Geräte wachsen, glauben Fachleute. In Nordamerika hat sich bis dahin die Zahl der Drohnen auf rund 4,3 Millionen mehr als verdoppelt.

          DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle, hier im Tower des Frankfurter Flughafens

          Scheurle, dessen Behörde in Langen bei Darmstadt dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist, fordert eine Registrierungspflicht für Drohnennutzer und will dafür eine Chipkarte in Deutschland einführen. Ähnlich wie beim Abschluss von Mobilfunk-Verträgen könnte es also auch in diesem Bereich Sim-Karten geben, die vor dem Betrieb aktiviert werden müssen und deren Erwerb an die Identität des Nutzers gekoppelt ist. Der Vorstoß des DFS-Chefs würde juristische Haftungsrisiken berücksichtigen, aber wohl auch vor einem Missbrauch durch potentielle Attentäter schützen. „Wir können Vorfälle mit terroristischem Hintergrund nicht ausschließen, aber Risiken zumindest vermeiden“, ist Scheurle überzeugt. „Denn eine Registrierung der Nutzer, die sich am Kauf eines Smartphones orientiert, schafft den Einstieg in eine Sicherheitskette, die laufend optimiert werden kann.“

          Gefahren beim Flugbetrieb drohen weniger von kommerziellen Anwendern, die Drohnen seit Jahren für militärische oder zivile Zwecke nutzen. Beispielsweise arbeiten amerikanische Handelskonzerne wie Amazon oder Walmart mit Hochdruck an Drohnen-Konzepten für die schnelle Auslieferung von Waren. Hierzulande setzt die Deutsche Post auf den Testbetrieb von Transportdrohnen. Ein Projekt, an dem auch die DFS als Forschungspartner beteiligt ist. Und der Flugzeughersteller Airbus machte schon vor Monaten das Geschäft mit zivilen Drohnen zum Zukunftsfeld des Konzerns.

          Sorgen bereitet Politikern und Kontrolleuren die stark wachsende Zahl an Hobbypiloten in Deutschland. „Das Gros von Drohnen wird von Laien gesteuert, die keine Vorstellung vom Luftverkehr haben, dessen Risiken grob unterschätzen oder einfach negieren“, heißt es bei der VC. Aus Scheurles Sicht tut sich hier eine Marktlücke auf, die seine Spezialisten für Flugsicherheit gezielt nutzen könnten: „Parallel zur rasanten technischen Entwicklung in dieser Branche will die DFS ihre Schulungsfähigkeit für Drohnen-Nutzer und Drohnen-Piloten aufbauen“, sagt er und nennt dafür einen Zeitplan: Binnen zwei Jahren werde das bundeseigene Unternehmen diese Vorgabe realisieren. Zuvor muss allerdings der Gesetzgeber für entsprechende Vorschriften zur Registrierung und zum Flugbetrieb für private Nutzer sorgen. So ist im gewerblichen Bereich bereits ein „Drohnen-Führerschein“ in Vorbereitung, der vom zuständigen Luftfahrt-Bundesamt ausgestellt und verwaltet wird. Scheurle schwebt eine Pionierrolle der DFS vor: „Deutschland würde es gut anstehen, beim professionellen Einsatz und der Kontrolle von Drohnen zum Vorreiter in Europa zu werden.“

          Die Emsigkeit des DFS-Chefs kommt nicht von ungefähr. Schließlich fallen die bisherigen Regeln reichlich lax aus. Generell sind Drohnenflüge in Sichtweite des Piloten (ohne optische Hilfsmittel) erlaubt, wobei die Flughöhe auf 300 Meter beschränkt ist und die Flugverbotszonen rund um einen Flughafen zu beachten sind. Für die Nutzung im gewerblichen Bereich ist dagegen der Einsatz außerhalb der Sichtweite erforderlich, der entsprechend reguliert wird.

          Mit der stark steigenden Zahl der privaten Käufer ist die Gefahr von Kollisionen am Rande von Flughäfen laut Jörg Lamprecht riesengroß. „Das größte Risiko ist, dass kleine Drohnen von Triebwerken angesaugt werden, was bei Starts und Landungen verheerende Folgen hätte“, sagt der Chef und Mitbegründer von Dedrone.

          Das vor drei Jahren in Kassel gegründete Unternehmen ist auf die Entdeckung unbemannter Fluggeräte spezialisiert und bietet vor allem Kunden aus der Industrie eine Technologie zum Schutz vor zivilen Drohnen an. Zu den ersten Abnehmern für das von Dedrone entwickelte System gehörten Kunden aus der Autoindustrie. Schneller als die Europäer steuerten die amerikanischen Behörden gegen, um die Gefahren von Mini-Drohnen zu begrenzen. Dort wurde seit Jahresbeginn eine verbindliche Registrierung für die Eigentümer von Flugobjekten ab 500 Gramm Gewicht eingeführt. Wer die Anmeldung per Internet versäumt, muss seitdem bis zu 250 000 Dollar Strafe zahlen.

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