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Lufhansa-Vorstandschef Franz : Der Rettungsflieger

  • -Aktualisiert am

„Franz schafft es nicht, die Leute mitzunehmen“

Ist das angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht die ehrlichste Kommunikationsstrategie? „Nein, nein, nein“, bricht es aus einem Betriebsrat heraus. „Franz schafft es nicht, die Leute mitzunehmen.“ Die Lufthansa-Belegschaft bestünde aus vielen „Realos“, die durchaus einsähen, dass man nicht immer nur fordern kann, sondern auch mal verzichten muss. „Aber der Vorstand kommuniziert so ungelenk, dass die Leute automatisch auf Widerstand gehen.“ Wie vermissen die Lufthanseaten da Franz’ jovialen österreichischen Vorgänger Mayrhuber: „Der hatte einen Spirit wie Beckenbauer!“

Der Neue ist eben kein Mann der flotten Sprüche, und weder eitel noch gefallsüchtig. Die Rolle des unerbittlichen Analytikers im Hintergrund liegt ihm am besten, und in der jetzigen Lage braucht Lufthansa kühle Rechner und mutige Planer. Doch dem Menschen Christoph Franz bringt sein Auftreten Ärger: Dass er ruhig auftritt, lässt ihn kalt wirken. Und weil der hochgewachsene Mann bei öffentlichen Auftritten gern mal das Kinn vorstreckt, und nachdenklich auf die Gesprächspartner hinabblickt, schimpft mancher ihn als überheblich. Sein Sparprogramm „Score“ haben die Mitarbeiter intern schon umgetauft zu „scare“. Dass ihr Chef die Kranich-Linie keinesfalls kaputt spart, dass mehr als 170 neue Flieger bestellt wurden, dass die neue Boeing 317 Millionen Euro kostet, solche frohen Botschaften wollen nicht durchdringen.

Die Lufthansa schreibt hohe Verluste - 13 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr
Die Lufthansa schreibt hohe Verluste - 13 Millionen Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr : Bild: dapd

Die Franz-Skeptiker kennen den Chef schlecht, sagen Leute wie Andreas Weigend, Dozent an der amerikanischen Elite-Uni Stanford. Seit 30 Jahren sind Weigend und Franz, der Alex und der Christoph befreundet, seit sie auf einer Sommerakademie der Studienstiftung die Dolomiten unsicher machten. Bis heute trifft sich ihre Freundesrunde von damals. Weigend erzählt von einem fröhlichen, weltoffenen Christoph Franz, der seine französische Frau Isabelle auf einer langen Zugreise kennenlernte. Er kennt einen Franz, der in privater Runde nie aufs Handy schaut, und das Motto predigt: Jeder Tag ist ein neuer Tag. „Er hat eine enorme emotionale Trittsicherheit“, sagt Weigend. „Sein Charme ist eben nichts für die Massen.“ Manchmal bricht der Charme in der Öffentlichkeit durch, etwa als Franz einst in einer Betriebsversammlung der Swiss vor der staunenden Menge spontan ausplauderte, man werde bald non stop nach Schanghai und San Francisco fliegen. Da schluckte auch der Finanzchef neben ihm. „Hätte ich das lieber noch nicht erzählen sollen?“ grinste Franz.

Arme Jungs im Vorstand

Jetzt ist Schluss mit Charme. Die Sorge um das Image der Lufthansa ist so brennend, dass sich gar der Aufsichtsrat zu Wort meldet. Den Anfang machte der Vorsitzende Jürgen Weber: Die Lage sei „bedrohlich“, sagte er der Börsenzeitung. Jetzt legt Aufsichtsrat Jürgen Hambrecht nach: „Normalerweise sollten sich Aufsichtsratsmitglieder nicht zu operativen Fragen äußern“, sagt er, der lange die BASF führte. „Aber leider kommt in der Öffentlichkeit nicht richtig an, dass der Lufthansa-Vorstand sehr gute Arbeit leistet.“ Er, Hambrecht, sehe sich „in der Pflicht, Herrn Franz und dem Vorstand den Rücken zu stärken“.

Der Aufsichtsrat beschützt die armen Jungs im Vorstand? Ein bisschen peinlich ist das schon. Und noch einen väterlichen Rat gibt Hambrecht Franz mit: „Er sollte unbedingt authentisch bleiben. Die Öffentlichkeit muss sich vermutlich noch etwas an ihn gewöhnen.“ Brisant sind die Wortmeldungen noch aus einem anderen Grund: Franz’ Sanierungskurs, so notwendig er erscheint, ist das krasse Gegenstück zu der Linie seines Vorgängers Mayrhuber. Der kaufte und kaufte - von Austrian Airlines bis BMI -, und eröffnete eine Baustelle nach der anderen. Jetzt legt der Vorstand alles wieder still. Kann Mayrhuber unter diesen Umständen noch Aufsichtsratschef werden - wie derzeit geplant? „Ich stehe zu 100 Prozent hinter seiner Person“, sagt Jürgen Hambrecht. Das sagt auch Jürgen Weber. Aufsichtsräte, die dies anders sehen, sagten es anonym dem Spiegel: Mayrhubers Kommen sei „massiv in Frage gestellt“, sagen sie, jetzt, da Franz „Kleinholz aus seinem Vermächtnis“ mache.

Am Dienstag ist Lufthansa-Hauptversammlung in Köln. Hier noch ein guter Rat für Christoph Franz, direkt von Nirvana-Sänger Kurt Cobain: „With the lights out, it’s less dangerous!“

Christoph Franz und die Lufthansa

Der Mensch

Christoph Franz, Jahrgang 1960, ist promovierter Wirtschaftsingenieur. Nach dem Studium in Darmstadt und Lyon ging er in den 90er Jahren zur Lufthansa, wo er in einem Sanierungsteam eingesetzt wurde, das direkt an den damaligen Vorstandschef Jürgen Weber berichtete. 1994 wechselte er zur Deutschen Bahn wo er bis in den Konzernvorstand aufstieg.

Im Streit um das von ihm entwickelte neue Preissystem wurde er von Konzernchef Hartmut Mehdorn 2003 entlassen. Ein Jahr später wurde Franz Chef der Airline Swiss und 2009 dann MItglied im Vorstand der Lufthansa, deren Chef er seit 2011 ist. Franz ist verheiratet und hat fünf Kinder.

Das Unternehmen

Die Deutsche Lufthansa AG, die größte Airline Europas, befindet sich in einer schwierigen Lage: Im Europa-Geschäft stemmt man sich gegen die Konkurrenz der Billigflieger, das Geschäft mit Langstreckenflügen verderben Anbieter wie Emirates und Turkish Airlines.

Weitere Lasten sind die hohen Treibstoffpreise, eine neue Ticketsteuer und der Emissionshandel. Vorstandschef Franz kämpft auch mit Altlasten aus der Zeit seines Vorgängers Wolfgang Mayrhuber, etwa mit der Sanierung von Austrian Airlines. Der Vorstand will daher in den nächsten drei Jahren 3500 Stellen von insgesamt 17 000 in der Verwaltung streichen.

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