https://www.faz.net/-gqe-8j861

José Manuel Barroso : Kritik am Wechsel zu Goldman Sachs

José Manuel Barroso Bild: dpa

Der ehemalige Präsident der EU-Kommission José Manuel Barroso wechselt in die Londoner Filiale von Goldman Sachs. Das stößt auf einigen Ärger.

          Dass José Manuel Barroso in Zukunft die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs berät, bringt dem früheren Präsidenten der EU-Kommission heftige Kritik ein. „Diese elendigen Seitenwechsel von der Politik in die Wirtschaft nähren die Zweifel an der Gemeinwohlorientierung der Politik“, sagte der deutsche EU-Abgeordnete Sven Giegold von den Grünen. Der Brüssel-Kenner Barroso soll Goldman Sachs helfen, sich auf die Folgen des britischen EU-Ausstiegs einzustellen.

          Marcus Theurer

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Mit dem schnellen Seitenwechsel beschädige Barroso das Image der EU-Kommission, kritisierte Giegold. Es seien längere Karenzzeiten für EU-Kommissare nötig. Der 60 Jahre alte Barroso war Ministerpräsident von Portugal, bevor er von 2004 bis 2014 die EU-Kommission führte.

          Scharfe Kritik kommt auch aus Frankreich: Er sei „ein unanständiger Vertreter eines alten Europas“, kommentierte der französische Außenhandelsstaatssekretär Matthias Fekl. Französische EU-Abgeordnete bezeichneten Barrosos Schritt als „skandalös“.

          Bilderstrecke

          Goldman Sachs hat am Freitag mitgeteilt, Barroso werde als „non-executive Chairman“ in die Londoner Tochtergesellschaft Goldman Sachs International und als Berater in den Mutterkonzern eintreten. Goldman Sachs beschäftigt in Großbritannien rund 6000 Mitarbeiter. Seitdem die Briten in einem Referendum für den Austritt aus der EU gestimmt haben, ist unklar, ob die Amerikaner von der britischen Hauptstadt aus weiter freien Zugang zu diesen Märkten haben werden.

          Die Verhandlungen über künftige Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien dürften Jahre dauern. Er werde tun, was er könne, um die negativen Auswirkungen des Brexit auf Goldman Sachs zu verringern, sagte Barroso der „Financial Times“. Goldman und andere Geldhäuser haben gewarnt, sie könnten Arbeitsplätze nach Frankfurt, Paris oder Dublin verlagern. Dies wäre vor allem für amerikanische Institute mit hohen Kosten verbunden.

          Weitere Themen

          „Es muss alles auf den Tisch“

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Topmeldungen

          Ihr Europawahlkampf für die SPD gestaltet sich schwer: Katarina Barley

          Barleys zäher Wahlkampf : Im Netz unten durch, sonst kaum beachtet

          Die SPD hat für die Europawahl eine sympathische Kandidatin aufgestellt. In den Umfragen hilft das aber nicht. Warum hat es Katarina Barley trotz ihrer sympathischen und kompetenten Art so schwer?

          Kurz’ Zögern : Gefangen in der Ibiza-Falle

          Lange wartete Österreichs Kanzler, bis er sich zum Video von FPÖ-Chef Strache äußerte. Dabei war ihm schnell klar, dass sein Vize nicht zu halten ist. Dessen Parteifreund Gudenus soll derweil weiter Kontakt zu der vermeintlichen Oligarchennichte gehalten haben.

          Bürgerschaftswahl in Bremen : Rot-Rot-Grün oder nichts

          In den Umfragen steht die Bremer SPD schlecht da. Jetzt schließt sie ein Bündnis mit der CDU aus. Sie setzt damit die anderen Parteien unter Druck – und könnte so die Karten neu mischen.
          Heiko Maas vor einer Regierungsmaschine auf dem Flughafen in Berlin-Tegel

          Antrittsbesuch in Bulgarien : Maas hat wieder Pech mit seinem Flieger

          Zum dritten Mal in drei Monaten: Heiko Maas hat wieder Ärger mit einem Flieger der deutschen Bundeswehr. Bei seiner Reise nach Bulgarien hatte der deutsche Außenminister mehr als eine Stunde Verspätung, weil ein Triebwerk nicht ansprang.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.