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Kreml-Gegner : Chodorkowskijs versunkene Schätze

  • -Aktualisiert am

Über seine weiteren Pläne hat sich Chodorkowskij nach der Reise in die Schweiz bisher nicht genauer geäußert. Bekannt ist nur, dass er sich für die politischen Gefangenen in seiner Heimat einsetzen will. Zurzeit soll sich der Fünfzigjährige mit seiner Familie in Montreux aufhalten, dem Wohnsitz seiner Frau und der beiden 14 Jahre alten Zwillingssöhne. Das ihm von der Schweiz ausgestellte Schengen-Visum erlaubt einen Aufenthalt von maximal drei Monaten. Montreux ist bei Russen als Wohnsitz sehr beliebt. Unter den 25.000 Einwohnern leben 800 in der Stadt am Genfer See.

Warten auf die Bankverbindung

Um die Relikte des zerschlagenen Yukos-Konzerns will der Russe jedenfalls nicht persönlich kämpfen, wie er Ende Dezember in einem Interview mit dem Fernsehkanal „Doschd“ sagte. Er werde sich auch nicht vor Gericht für die Anliegen anderer Yukos-Aktionäre einsetzen und wolle auch keine Kompensationen aus solchen Prozessen erhalten. Das Thema sei für ihn abgeschlossen, so Chodorkowskij. Andererseits sagte er nicht, dass er dritte Personen von solchen Prozessen abhalten will.

Die Vermögenswerte von Yukos wurden hauptsächlich, aber nicht nur an den staatlich kontrollierten Konzern Rosneft versteigert, um angebliche Steuerschulden des später für bankrott erklärten Unternehmens zu begleichen. Auch ausländische Firmen wie die italienischen Energiekonzerne ENI und Enel kamen zum Zuge. Hauptziel der seit Jahren andauernden Rechtsstreitigkeiten um Kompensationen ist allerdings Rosneft, heute der größte börsennotierte Erdölkonzern der Welt. Die ehemalige Yukos-Tochtergesellschaft Yukos Capital fordert laut der Agentur Interfax vor einem New Yorker Gericht von Samaraneftegas die Erstattung von bis zu 186 Millionen Dollar. Samaraneftegas war von Rosneft übernommen worden und ist heute dessen zweitgrößte Produktionseinheit. Eine weitere Tochter, Yukos International UK, streitet sich mit Rosneft und anderen Parteien um Kompensation über bis zu 333 Millionen Dollar.

Rosneft-Geschäftsführer Igor Setschin sagte vor Jahresende nach einem Gespräch mit Russlands Präsident Wladimir Putin, er erwarte von diesen Gerichtsverfahren keine Risiken für Rosneft. Bis jetzt sei man mit ihnen zurechtgekommen. Chodorkowskijs Bitte um Begnadigung habe zudem die rechtliche Grundlage gestärkt, um Rosnefts Interessen zu schützen. Zynisch bat Setschin Chodorkowskij, ihn bei einer Jobsuche bei Rosneft zu unterstützen – auch wenn alle Positionen im Top-Management schon vergeben seien.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (ECHR) hatte im Jahr 2011 Schadensersatzforderungen wegen der Zerschlagung von Yukos zurückgewiesen. Allerdings verurteilte er Russland im Juli vergangenen Jahres zur Zahlung von 10.000 Euro an Chodorkowskij, weil seine Rechte während der Ermittlungen verletzt worden seien. Interfax zitierte das Justizministerium Ende Dezember mit den Angaben, es werde Chodorkowskij das Geld überweisen, wenn er seine Bankverbindung mitteile.

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