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Krebs-Früherkennung : Google sucht bald auch im menschlichen Körper

Google will Krebszellen frühzeitig erkennen. Bild: Picture-Alliance

Noch ist es Zukunftsmusik, doch der Suchmaschinenkonzern Google will künftig Nanopartikel in den menschlichen Körper bringen. Dort sollen sie Krebs oder Herzkreislauferkrankungen frühzeitig erkennen und die Heilungschancen verbessern.

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          Die Uhr tickt unerbittlich, als die Mediziner beginnen, ihren Patienten zu retten. Eine Stunde bleibt ihnen, um das Blutgerinsel im Gehirn des Kranken aufzulösen. Weil sie mit herkömmlichen Methoden nicht an den Blutschwamm herankommen, setzen sie sich in ein U-Boot, lassen es auf die Größe eines Mikroorganismus’ schrumpfen, in die Blutbahn des Patienten spritzen und fahren zum Ort des Geschehens. Dort wollen sie mit einem Laserstrahl die Verstopfung lösen. So lautet kurzgefasst die Handlung des Science-Fiction-Films „Die Phantastische Reise“. Der Film ist fast 50 Jahre alt, und vermische „wissenschaftliche Erkenntnis mit utopischen Phantastereien“, urteilte diese Zeitung unter dem Überschrift „Mischmasch“ damals.

          Heute sind andere für diese Mischung zuständig, zum Beispiel der amerikanische Suchmaschinenkonzern Google. Das Unternehmen hat sogar eine eigene Abteilung eingerichtet, die sich mit nichts anderem beschäftigt. Bei Google X forschen Wissenschaftler zum Beispiel mit dem Pharmahersteller Novartis an einer Kontaktlinse, die den Blutzuckerspiegel des Trägers messen soll. Das neueste Projekt stellte ein Google-X-Mitarbeiter am Dienstagabend auf einer Technikkonferenz der amerikanischen Zeitung „Wall Street Journal“ vor – und es ist gar nicht so weit weg von der Film-Vision: Google will Nanopartikel in den menschlichen Körper bringen. Dort sollen sie an Zellen andocken, um zum Beispiel Krebs aber auch Herzkreislauferkrankungen frühzeitig zu erkennen und die Heilungschancen der Betroffenen zu verbessern.

          Der Biologe Andrew Conrad, der die Arbeitsgruppe Biowissenschaft in der Forschungsabteilung des Suchmaschinenkonzern leitet, machte kein Hehl daraus, dass es sich bei der Ankündigung um Zukunftsmusik handelt. Es sei ein Traum, Nanopartikel einzusetzen, um herkömmliche Früherkennungstests zu ersetzen. Das Forschungsvorhaben sei noch in einer frühen Phase und es werde noch Jahre dauern, sagte ein Google-Sprecher auf Anfrage. Man suche jetzt nach Partnern, um das Projekt umzusetzen.

          Noch handelt es sich um Zukunftsmusik

          Eine der Herausforderungen sei es, die Partikel überhaupt über eine längere Zeit hinweg im Körper zu halten und so die betroffenen Zellen herauszufiltern. In einem zweiten Schritt komme es darauf an, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Laut Conrad könnte das irgendwann mit einem tragbaren Gerät bewerkstelligt werden, das die Kleinstteile zählt und interpretiert. Das Unternehmen halte aber beide Aufgaben für lösbar, auch wenn es jetzt noch keine Lösung parat habe, sagte der Google-Sprecher.

          Krebsfrüherkennung und Krebstherapie sind heute ein großer Markt. Nach Angaben des deutschen Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VfA) befasst sich derzeit rund ein Drittel aller laufenden Medikamentenprojekte mit verschiedenen Krebsarten. Der Fachbereich Onkologie ist nach einer Erhebung des VfA somit das größte Forschungs- und Entwicklungsgebiet der Pharmaindustrie.

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